Broilers-Frontmann im Interview Sammy Amara: "Ich bin kein Stagediver"

Sammy Amara, Sänger und Songwriter der Düsseldorfer Band Broilers, spricht im Interview über den Auftritt beim Hurricane und ob er sich auch selbst beim Festival unters Volk mischt.
23.06.2018, 20:05
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Lars Fischer

Nach der Arena-Tour geht es jetzt auf die Festivalbühnen. Was machen Sie da anders?

Theoretisch müsste man ein bisschen theatermäßig denken. Man bräuchte eigentlich größere Gesten. Es ist schon ein bisschen anders; es sind nicht zwingend alle Leute deinetwegen da, das heißt, man muss sich schon mehr anstrengen und versuchen, am Ende des Tages alle abzuholen. Meistens klappt das aber auch, weil die Leute, die für die Broilers da sind, sowieso doppelt und dreifach feiern – das steckt die anderen an.

Hat man dabei eine Schere im Kopf oder vergisst man das Ganze sowieso nach drei Takten?

Man vergisst es. Wir wollen immer das Beste geben und so stark und so hart genießen wie möglich. Ich glaube, wenn wir Bock haben, dann sehen die Leute das. Dann steckt man sich gegenseitig an, das ist wie ein Schneeball: Die lachen uns an, wir lachen sie, an und dann ist ein großes Gegrinse.

Lesen Sie auch

Ist es manchmal ein Problem, dass die Leute so weit weg sind, dass man das Gesicht, das einen anlacht, gar nicht mehr sieht?

Das ist ärgerlich. In den ersten Reihen geht das ja noch, aber ab der dritten musst man wirklich schon genau gucken. Aber es geht alles nicht mehr anders, die Sicherheitsauflagen sind sehr hoch – vielleicht auch zu Recht. Du musst eine gewisse Möglichkeit haben, Leute herauszuholen. Die Security muss arbeiten können.

Trauen Sie sich, zu den Leuten zu gehen während der Show?

Ich bin kein Stagediver, aber das hat nicht nur Schissgründe. Wir haben In-Ear-Monitore, da würde jemand dran rumreißen und wir hätten keinen Sound mehr. Mit der Gitarre könnte ich jemanden verletzten, wenn ich da rein springe. Für den Sprung bin ich auch einfach zu klein… Aber um selber Konzerte zu gucken, stehen wir lieber vor der Bühne, bei den Leuten.

Kommen Sie noch dazu, sich beim Hurricane andere Bands anzusehen, wenn man selber auftritt?

Auf jeden Fall! Das ist das Schöne an Festivals, es treten ja auch viele Freunde auf. Dann kann man rausgehen und sich unters Volk mischen. Irgendwann ist das dann nicht mehr so ungestört, dann wollen die Leute ein Gläschen mit einem trinken oder ein Foto machen. Dann hat man gar keine Zeit mehr zu gucken, sondern macht nur noch Dienstleistung.

Muss man sich dann auch zu einem bestimmten Zeitpunkt selbst disziplinieren, um für den Auftritt fokussiert zu sein?

Das wissen wir, wir machen das ja seit 25 Jahren. Das haben wir verinnerlicht. Es ist vielleicht für ein paar Leute lustig, wenn die Band besoffen auf der Bühne steht. Aber der Großteil denkt doch: „Ernsthaft? Dafür habe ich jetzt Geld bezahlt?“ Deswegen: ein bisschen zusammenreißen.

Lesen Sie auch

Während der Show kann man sich vielleicht einen reinlaufen lassen. Unser letztes Lied ist immer „Schenk mir eine Blume“ und das wird auch nie, nie, nie geprobt!

Bei den Broilers geht es natürlich auch um Inhalte. Bekommen Sie die bei so einem Auftritt noch vermittelt?

Ja, in gewisser Weise. Ich glaube nicht, dass die Leute ein politisches Manifest hören wollen würden. Aber wenn man gewisse Sache anmoderiert, merkt man schon, dass man auf einer Wellenlänge ist. Einen Song wie „Ihr da oben“, den wir den Menschen gewidmet haben, die nicht mehr hier bei uns sind, zu spielen, hat natürlich ein Risikopotenzial. Das kann ein Downer sein, aber wir spielen es trotzdem. Ich denke, es tut ganz gut, wenn man mal vier Minuten in sich gehen kann, mal durchatmen kann und an die denkt, mit denen es heute noch geiler wäre. Danach fangen die Leute sie wieder auf und versuchen, die Laune wieder zurückzuholen.

Lesen Sie auch

Wie ist es, wenn die Leute auf einem Level dabei weiter feiern und das gar nicht bemerken?

Das ist komisch, ja. Am Anfang gab es auch bei dem Lied immer Pogo – da war ich doch schon ein bisschen irritiert. Aber ich will auch niemanden vorschreiben, wie er mit gewissen Themen umgeht.

Das Interview führte Lars Fischer.

Info

Zur Person

Sammy Amara ist Sänger, Frontmann und Songwriter der Broilers. Gemeinsam mit Schlagzeuger Andreas Brügge gründete der heute 39-Jährige die Band, die sich 1994 in Broilers umbenannte. Vervollständigt wird die aktuelle Besetzung der Düsseldorfer Band durch Ron Hübner (Gitarre), Ines Maybaum (Bass) und Chris Kubczak (Keyboard, Piano)

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+