Serie: Echt tierisch Lamas, Esel und Ziegen auf der Dreptefarm in Wulsbüttel

Auf der Dreptefarm in Wulsbüttel erleben Kinder die Natur hautnah. Noch hat das Schullandheim geschlossen, aber Leiterin Britta Hofmann hofft eine baldige Öffnung.
28.02.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Ulrike Schumacher

Spuckt es oder spuckt es nicht? Wer einem Lama gegenübersteht, kommt um diese Frage nicht herum. Doch Britta Hofmann ist ziemlich sicher, dass die Lama-Dame, die ihr jetzt liebevoll ans Kinn stupst, nicht spucken wird. Die anderen Artgenossen haben sich inzwischen dazugesellt und die Chefin des Hofes umringt. Würde Hofmann nun aber ein paar Leckerlis ins Spiel bringen, ja, dann wäre es vorbei mit der Contenance. Dann würde auch die alte Lama-Lady auf gute Manieren pfeifen und ihren Rotz nicht zurückhalten. Das Buhlen um Futter kann bei Lamas eine feuchte Angelegenheit sein.

Britta Hofmann schmunzelt. Sie kennt ihre Bande gut. Vier Lamas sind seit September auf der Dreptefarm in Wulsbüttel zu Hause. Das älteste Tier in der Runde ist 19 Jahre alt und hört auf den Namen „Oma Ziegler“ – in Anlehnung an die Rollator schiebende Filmfigur aus der Krimiserie „Mord mit Aussicht“. Von der Koppel nebenan dringt ein kräftiges „Iiiiaaa“ herüber. Laut und fordernd schallt es, als Britta Hofmann sich von den Lamas löst, zu den Eseln geht und ihnen den Kopf krault. Gemessen am ältesten unter ihnen wäre „Oma Ziegler“ ein junger Hüpfer. Esel Alfi ist 29 Jahre alt, erzählt die Farmleiterin. Sechs Esel besitzt die Dreptefarm, zwei von ihnen sind aber regelmäßig an Bremer Standorten des Naturschutzbundes (Nabu) untergebracht, der ideeller Träger des Schullandheims ist.

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Hofmann stapft durch den harschen Schnee. Bei unserem Besuch nimmt der Winter gerade seinen Abschied. Die Jahreszeit wechselt in diesem Jahr so schnell vom klirrenden Frost zur wärmenden Sonne, dass man es kaum schafft, sich darauf einzustellen. Britta Hofmann steuert auf die Ziegen und Schafe zu. Kaum dass die Tiere sie erblicken, setzen sie auch schon ihre flinken Beine in Bewegung. Könnte ja etwas zu knabbern geben. Wie wendig die kugelrunden Körper der Schafe in diesem Moment sind. Britta Hofmann greift in die zottelige Wolle. „Bald gibt es Lämmer.“

Idylle mitten im Wald

Tiere anfassen, ihnen nah sein, zu erspüren, wie sie ticken – all das können Grundschulkinder auf der Dreptefarm seit Jahren. Die Farm gehört zu den Bremer Schullandheimen. Idyllisch gelegen in einem Wald, verheißt die Farm Tage voller Abenteuer. Eigentlich. Corona hatte den Betrieb im vergangenen Jahr ruhen lassen, doch die Heimleiterin möchte für diese Saison zuversichtlich sein. Im März, sagt sie, wollen sie auf die Farm mit dem Frühjahrsputz beginnen, damit alles frisch ist, wenn die jungen Gäste wiederkommen können. 66 Mädchen und Jungen tauchen dann von Montag bis Freitag ins Farmleben ein. Für viele ist es eine absolut unbekannte Welt, weiß Britta Hofmann, die hier mit ihrer Familie zu Hause ist. Ihr Mann Sönke Hofmann ist der Bremer Nabu-Chef.

Vielen Stadtkindern seien Tiere fremd, sagt die Heimleiterin. Sie selbst durfte als Kind kein Tier haben, erinnert sie sich. Dafür besitzt sie jetzt mehr als zwei Handvoll: Kaninchen, Ziegen, Schafe, Hühner, Lamas, Esel. Normalerweise watscheln auch Gänse über den Hof. „Wegen der Geflügelpest hätten wir sie einsperren müssen“, bedauert Britta Hofmann. Für Gänse sei das aber Quälerei. „Deshalb haben wir sie geschlachtet.“ Auch die Schweine – Bunte Bentheimer – sind nicht mehr auf der Farm. Das Thema könnte die Hofmanns in Rage bringen. Wegen der Afrikanischen Schweinepest seien die Auflagen zur Haltung der Bentheimer kaum mehr zu erfüllen.

Artgerechte Freilandhaltung

„Bei den Regeln zur Nutztierhaltung gibt es nur eine Richtung: Massentierhaltung schützen, Freilandhaltung über die Klinge springen lassen“, ärgerte sich Sönke Hofmann kürzlich in einer Pressemitteilung. Artgerechte Freilandhaltung von Schweinen werde mit überzogenen Auflagen unmöglich gemacht. Den bisherigen doppelten Zaun hätte das Heim noch mit halbmeter tief eingegrabenen Baustahlmatten verstärken können. „Das wäre zwar eine Sauarbeit geworden, aber machbar“, betont Hofmann. Doch mit dem Näherrücken der Afrikanischen Schweinepest ändern sich auch die Regeln.

„Da reicht dann plötzlich ein Meter Abstand der Zäune zueinander nicht mehr, weil irgendwelche Agrarpolitiker mit Aktionismus ihre Hilflosigkeit kaschieren müssen. Und dann stehst du mit deinem zu nah eingebuddelten Baustahl da.“ 20 Jahre habe das Schullandheim Schweine gezüchtet. „Sie verwerteten die Gemüsereste und sorgten für manch spannende Kind-Tier-Begegnung.“ Die Schweine seien mit ihrer Pfiffigkeit besonders wichtig in der pädagogischen Arbeit gewesen. „Wir fordern wenigstens Bagatellgrenzen für Hobbyhalter“, sagt auch Britta Hofmann.

Wertvollen Erfahrungen

Seit zwölf Jahren leitet sie die Dreptefarm. „Ich hatte schon immer Freude am Umgang mit Tieren“, erzählt sie. Und mit einer Ausbildung im hauswirtschaftlichen Bereich ist Hofmann gut gerüstet, die Farm zu managen. Dass die 54-Jährige darin aufgeht, spürt man sofort. „Das ist hier ein tolles Projekt“, schwärmt sie von den wertvollen Erfahrungen, die Kinder mit den Tieren sammeln können. „Auf einmal traut sich ein Junge, der sonst eher der Letzte in der Klasse ist, eine Gans zu streicheln. Das sind Erfahrungen, die einem keiner mehr nehmen kann.“

Und sie selbst? Was verbindet sie mit all den Zwei- und Vierbeinern auf der Farm? Britta Hofmann steht zwischen den Lamas und muss nicht lange überlegen: „Die Tiere geben mir Frieden. Innere Ruhe, Zufriedenheit und Glücksgefühle.“

Info

Zur Sache

Das Schullandheim

Dreptefarm in Wulsbüttel (Paschberg 9) ist sowohl über die Autobahn 27 zwischen Bremen und Cuxhaven als auch über die Bundesstraße 6 zwischen Bremen und Bremerhaven zu erreichen. Im Ort folgt man dem Wegweiser „Schullandheim“.

Weitere Informationen

Die Dreptefarm gehört zu den Bremer Schullandheimen und hat Platz für 66 Kinder. In den Ferien bietet die Dreptefarm auch Freizeiten für Mächen und Jungen an. Nähere Informationen gibt es über die Internetseite des Nabu Bremen www.nabu.bremen.de oder telefonisch unter der Rufnummer 0 47 46 / 520

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