Verband ordnet Wassersparen an

Rasensprengen und Blumengießen im Kreis Osterholz verboten

Ab sofort ist es im Kreis Osterholz verboten, den Rasen zu sprengen und Blumen zu gießen. Autowäsche und Swimmingpool sind tabu. Der zuständige Verband fürchtet um die Qualität des Trinkwassers.
31.05.2018, 18:45
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Wilke
Rasensprengen und Blumengießen im Kreis Osterholz verboten

Der Garten braucht viel Wasser in Zeiten der Dürre. Doch das Gießen und Sprengen ist ab sofort verboten. Der Wasser- und Abwasserverband Osterholz fürchtet um die Qualität des Trinkwassers. Die großen Mengen, die in diesen Tagen verbraucht werden, könnten die Filteranlagen und Leitungsnetze überfordern. Sauberes Trinkwasser für die Menschen hat Vorrang vor allem anderen.

Dittrich

Die Sonne brennt, den ganzen Tag. Was an Regen vom Himmel fällt, ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Rasen wird gelb, Blumen und Kräuter verdorren. Also drehen Tausende von Menschen im Kreis Osterholz früh am Morgen und abends nach der Arbeit die Wasserhähne auf und sprengen doppelt so lange wie sonst. Damit soll nun Schluss sein. Wegen der gewaltigen Mengen kommen die Wasserversorger mit dem Reinigen des Trinkwassers kaum noch hinterher. Ab sofort ist das Sprengen von Wegen und Gärten, Spiel- und Sportplätzen im Landkreis verboten, die Autowäsche auch. Swimming Pools dürfen nicht mehr mit frischem Wasser aus der Leitung gefüllt werden.

Der Wasser- und Abwasserverband Osterholz (WAV) hat eine "Wichtige Mitteilung" herausgegeben. Sie stand schon klein gedruckt in der Rubrik Amtliche Bekanntmachungen: "Der Wasser- und Abwasserverband Osterholz ordnet hiermit an, dass die Nutzung von Trinkwasser aus dem öffentlichen Versorgungsnetz aufgrund der anhaltenden Trockenwetterlage unbedingt zu reduzieren ist." Dann folgen die Verbote. Sie gelten bis zum Ende der heißen Dürreperiode.

Wie kommt ein Verband dazu Bürgern vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben? Wieso kann der WAV das Rasensprengen verbieten? Er kann und darf, daran gibt es keinen Zweifel. Im Paragraphen 22 der Bundesverordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser steht wörtlich: "Das Wasserversorgungsunternehmen kann die Verwendung für bestimmte Zwecke beschränken, soweit dies zur Sicherstellung der allgemeinen Wasserversorgung erforderlich ist."

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Nur Bußgelder bei Verstößen darf der Wasser- und Abwasserverband nicht verhängen, das kann nur der Landkreis als untere Wasserbehörde. Doch so weit ist es noch lange nicht. Stefan Giese, technischer Leiter beim WAV, setzt auf die Einsicht der Menschen. Wenn das Trinkwasser bei anhaltender Trockenheit zu Spitzenzeiten mit hohem Druck durch die Leitungen gepresst wird, kann es sein, dass am Ende braunes Wasser herauskommt. "Wir müssen an der ein oder anderen Stelle mit einer Braunfärbung rechnen", sagt Giese der Redaktion. Durch die höhere Strömungsgeschwindigkeit könnten sich Eisenablagerungen im Leitungsnetz lösen. "Im ungünstigsten Fall kommt dann braunes Wasser aus dem Hahn", sagt der technische Leiter des Wasser- und Abwasserverbandes Osterholz. Gesundheitlich sei das unbedenklich.

"Unser Problem sind die Spitzenzeiten", erklärt Stefan Giese. Im Wasserwerk Wallhöfen, das auch die Gemeinde Worpswede mit Trinkwasser versorgt, rauschen abends pro Stunde 450 Kubikmeter Wasser ins Leitungsnetz. "Ein Spitzenwert", sagt Giese. "Normal sind 230 Kubikmeter pro Stunde." Normal ist in Wallhöfen ein Tagesverbrauch von rund 4000 Kubikmeter. Momentan sind es 6000 Kubikmeter. Knapp wird das Wasser nicht. "Wir haben genug Wasser", sagt der WAV-Experte. "Aber unsere technischen Anlagen stoßen in Spitzenzeiten an ihre Grenzen." Schließlich muss das geförderte Wasser ständig gefiltert und aufwändig gereinigt werden. Dem Rohwasser aus den Brunnen wird das Eisen entzogen, es wird entsäuert und vom Mangan befreit.

Außerdem müssen die Wasserversorger den Druck in Spitzenzeiten hochhalten. Es kann nicht sein, dass in einer Siedlung 100 Bewohner ihre Gärten sprengen und das Wasser in Nachbarhäusern nur noch aus den Hähnen tröpfelt. Wenn überall weiter munter drauflos gesprengt wird, könnte es zu Qualitätseinbußen beim Trinkwasser kommen, das ist die Sorge der Fachleute beim Wasser- und Abwasserverband.

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Eines stellt Giese klar: Die Verbote gelten nur für die Privathaushalte. Tankstellen dürfen ihre Waschanlagen weiter betreiben. Sie haben andere Wasserkreisläufe und nutzen das kostbare und teure Trinkwasser mehrmals für die Autowäsche. Auch für Landwirte und Gewerbebetriebe gelten die Verbote nicht. "Wenn ein Landwirt seine Kühe tränken muss, dann muss er sie tränken, da gibt es keine Einschränkungen", betont der technische Leiter des WAV. Gartenbesitzer mit Pumpen, die Grundwasser aus dem Boden pumpen, dürfen ihre Gärten weiter bewässern, sie verwenden ja kein Leitungswasser aus dem Hahn.

Jürgen Möller, Sprecher der Osterholzer Stadtwerke, appelliert an alle Bürger und Betriebe, in der Hitzeperiode besonders sparsam mit dem Trinkwasser umzugehen. "Wir haben einen extremen Spitzenverbrauch an Wasser", sagt Möller. "Das ist eine sehr große Herausforderung. Es geht nicht in erster Linie darum, genug Wasser zu fördern, sondern darum es aufzubereiten um die hohe Qualität aufrechtzuerhalten." Die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser habe in Deutschland höchste Priorität, da müssten Gärten und Pflanzen zurückstehen.

Der WAV liefere Trinkwasser "in Top-Qualität, absolut rein", betont Möller. Die Wassermenge ist nach seinen Worten nicht das Problem. Größere Vorratsbehälter wären auch keine Lösung. "Wir speichern das Wasser längstens einen Tag", erklärt der Stadtwerke-Sprecher. Würde das Trinkwasser länger in den Speicherbecken stehen, könnten sich Keime bilden. Qualitätseinbußen wollen weder der Wasserverband noch die Stadtwerke riskieren – zumal das Gesundheitsamt die Trinkwasserqualität regelmäßig prüft.

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