Zunehmender Bestand Gefahr für Autofahrer

Achtung, Wildschwein!

Der Wildschwein-Bestand im Landkreis Osterholz nimmt zu. Die Tiere werden zu einer Gefahr für Autofahrer. Die Zahl der Verkehrsunfälle, bei denen Schwarzwild und Autos zusammenstoßen, steigt.
15.09.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Jörn Hildebrandt

Es geschah Ende August in der Gemeinde Großenkneten im Landkreis Oldenburg: Eine Gruppe von Wildschweinen überquerte die Straße, ein 19-Jähriger in seinem Wagen kollidierte mit den Tieren. Der Fahrer blieb zum Glück unverletzt. Doch für Autofahrer können Wildschweine zu einer realen Gefahr werden. „Der Wildschweinbestand ist im Landkreis Osterholz in den letzten Jahren deutlich gestiegen, und auch die Zahl der Unfälle mit ihnen hat zugenommen“, sagt Heiko Ehing, Kreisjägermeister im Landkreis Osterholz, und kann dies mit Zahlen belegen: Im Jagdjahr 2019/2020 wurden im Landkreis 585 Stück Schwarzwild erlegt, von denen 25 durch einen Straßenunfall getötet wurden.

Dagegen waren es 2018/2019 nur 396 Tiere, von denen 21 durch Unfälle ums Leben kamen, und im Jagdjahr davor lediglich 304 erlegte Tiere bei elf Unfällen. Bei den Kollisionen von Personenwagen mit Wildschweinen entstand nach Kenntnis von Ehing allerdings bisher nur Blechschaden. „Bei den Zahlen muss man berücksichtigen, dass häufig eine Bache – also ein weibliches Wildschwein – mit ihren Frischlingen unterwegs ist“, sagt Ehing, „dann werden meist mehrere Tiere überfahren.“

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Und zudem werde Schwarzwild in den vergangenen Jahren auch verstärkt bejagt. „Denn die Jäger in den Landkreisen sind vom Ministerium dazu angehalten, so viel Schwarzwild wie möglich zu erlegen, um Vorsorge gegen die drohende Schweinepest zu treffen“, sagt Heiko Ehing. Bei den erlegten Tieren werde dann auch eine Trichinen- und Blutuntersuchung vorgenommen – anhand der Blutprobe lasse sich das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest schnell erkennen.

Jagd auf die scheuen Wildschweine werde vor allem in hellen Vollmondnächten gemacht, so Ehing. Doch wenn Nebel oder Regen die Sicht behindern, sei die Jagd auf Wildschweine extrem schwierig. Auch wenn die Tiere vorwiegend nachts aktiv sind, komme es durchaus auch tagsüber zu Verkehrsunfällen, weil die Tiere zum Beispiel durch Pilzsammler oder Spaziergänger aufgescheucht würden, ebenso aber auch während der Ernte auf den Maisfeldern.

Zur starken Vermehrung trage auch der Klimawandel bei. „Weil es keine kalten Winter mehr gibt, überleben weit mehr Frischlinge als sonst. In frostigen Wintern sterben viele der jungen Wildschweine durch Klammwerden“ weiß Heiko Ehing. „Und infolge der gestiegenen Durchschnittstemperaturen haben Wildschweine bereits im Herbst Nachwuchs, statt wie vorher im Frühjahr."

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Hinzu komme, dass der Ackerboden in den Wintermonaten nicht mehr durchgefroren sei – so sei den Tieren auch in der kalten Jahreszeit Nahrung auf den Feldern zugänglich. „Im Zusammenhang mit dem großflächigen Maisanbau haben Wildschweine also Nahrung im Überfluss“, sagt Ehing. Ganz anders als im Landkreis Osterholz ist die Situation in der Wesermarsch, wo die Wildschwein-Population kein Problem darstellt: „Bei uns kommt Schwarzwild nur vereinzelt vor, das gelegentlich einwandert“, sagt Tamus Meents von der Jägerschaft Wesermarsch, „eine dauerhafte Population hat sich nicht etabliert.“

Und wenn ein Wildschwein auftauche, werde es wegen der Schweinepest von Jägern bald erlegt. Den Grund sieht Tamus Meents vor allem in der offenen Landschaft, in der es wenig Deckung für die Tiere gibt. „Wildschweine brauchen Ruheräume, die in der von Grünland und Acker bestimmten Landschaft fehlen“, sagt er. Ganz andere Verhältnisse also als im Landkreis Osterholz, in dem Wald- und Forstbestände große Flächen ausmachen. Heiko Ehing empfiehlt Autofahrern, sofort die Geschwindigkeit zu reduzieren, wenn an der Straße ein Wildschwein gesichtet wird, „und vor allem auch auf die andere Seite der Fahrbahn zu gucken, denn oft kommen noch weitere Tiere hinzu.“

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