Grundschule Dauelsen Elterntaxis belasten den Sachsenhain

An der Einrichtung am Sachsenhain fehlen drei Klassenräume. Der Stadtrat Verden stimmt für den Ausbau, sieht aber die Gefahr von zunehmendem Verkehr. Viele Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto.
27.09.2017, 17:07
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Elterntaxis belasten den Sachsenhain
Von Andreas Becker

Die Freude über steigende Kinderzahlen und den Zuzug junger Familien nach Verden ist auch im Stadtrat groß. Allerdings bedeutet diese Entwicklung, dass die Infrastruktur dem zunehmenden Bedarf angepasst werden muss. In der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments am Dienstag ging es im Detail um den Ausbau der Grundschule am Sachsenhain, wo drei zusätzliche Unterrichtsräume geschaffen werden müssen. Dazu gab es einen einstimmigen Beschluss, allerdings auch eine lange Diskussion über die negativen Folgen des Ausbaus: zunehmender Hol- und Bringverkehr durch die Eltern.

Der Beschluss sieht vor, dass für die Planung des Ausbaus für den Haushalt 2018 zunächst 35 000 Euro angemeldet werden. Die Planung sieht eine Untersuchung von Ausbauvarianten bis zur Genehmigungsplanung vor. Bärbel Rater (Grüne) begrüßte den Ausbau, für die Schüler seien zurzeit zuwenig Klassenräume vorhanden. Allerdings gebe es jetzt schon ein Problem mit dem Verkehr rund um die Schule. „Eltern, die ihre Kinder bringen oder abholen, belasten das Quartier mit ihren Fahrzeugen. Die Nachbarn sind nicht mehr gewillt, das hinzunehmen“, betonte Bärbel Rater. Es gebe aus ihrer Sicht keine Möglichkeit, vor Ort zusätzliche Stellplätze zu schaffen. Die verstopften Straßen seien auch für die Kinder gefährlich, die zwischen den Autos herumlaufen müssten. „Wir müssen die Eltern überzeugen, ihre Kinder zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren zu lassen“, betonte die Grüne.

Jutta Sodys (SPD) argumentierte, es sei rückblickend gut, dass die Stadt an allen Grundschulstandorten festgehalten habe. „In den nächsten zehn Jahren wird der Bedarf weiterhin hoch bleiben“, sagte die Dauelser Ortsbürgermeisterin. Nach Angaben der Verwaltung wird die Zahl der Schulanfänger in den kommenden Jahren bis 2021 mit zwischen 80 und 86 Kindern weiter hoch bleiben. Der Ausbau der Einrichtung zur Ganztagsschule sei aufgrund der Prognose erfolgt, dass die Schule dreizügig sein würde. Zurzeit arbeitet die Einrichtung bereits vierzügig, indem Fachräume für den allgemeinen Unterricht zweckentfremdet werden. Jetzt erwartet die Verwaltung auf längere Sicht eine Vierzügigkeit.

Für Jutta Sodys ist es wichtig, im Schulausschuss die Schulbezirke und damit die Einzugsbereiche der Grundschulen zu untersuchen. „Kurzfristig sind aber hier in jedem Fall zusätzliche Klassenzimmer notwendig“, ist sie überzeugt. Das Thema Verkehr sei für sie keine Überraschung, im Ortsrat sei der Bring- und Abholdienst der Eltern seit Jahren Diskussionsstoff. Trotz einiger Bemühungen, die Eltern direkt anzusprechen, hätten diese nichts gebracht. „Die Verwaltung sollte diese Probleme in die Planungen einbeziehen“, forderte Sodys. Auch Jens Richter (CDU) sprach von einem „dringenden Handlungsbedarf“ an der Grundschule. Es sei richtig, dass vor allem die Anwohner unter dem Verkehr zu leiden hätten. Auch für zusätzliche Lehrerparkplätze gebe es Bedarf. „Leider sind in der Vergangenheit Stellplätze zurückgebaut und Seitenstreifen an die Anwohner verkauft worden“, kritisierte Richter. Jetzt gehe es aber erstmal darum, Geld für die Planung zur Verfügung zu stellen. Henning Wittboldt-Müller (FDP) stimmte zu und sagte, dass die Probleme nicht nur in Dauelsen vorhanden seien, sondern alle Grundschulen in Verden beträfen.

Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD) freute sich über die hohe Auslastung an allen Grundschulen. Ebenso verbreitet seien aber Probleme mit dem Hol- und Bringverkehr. „Die Probleme sind aber unterschiedlich schwer, da die Verkehrsverhältnisse verschieden sind“, sagte Brockmann. Die Kritik an fehlenden Lehrerparkplätzen könne er aber nicht teilen. „Wir haben am Sachsenhain mehr als 50 Lehrer-Stellplätze, mehr als anderswo“, sagte er. Carsten Hauschild (SPD) bezeichnete es als falsch, den Eltern die Schuld zuzuschreiben. „Heute gelten andere Sicherheitsaspekte als früher. Wir sollten uns lieber neue Verkehrskonzepte überlegen“, empfahl er.

Olaf Kluckhuhn (CDU) äußerte sich skeptisch, ob es gelinge, die Eltern umzuerziehen. „Heutzutage sind häufig beide Elternteile berufstätig, und Zeit ist immer knapp“, betonte er. Deshalb würden die Kinder häufig auf dem Weg zur Arbeit zur Schule gefahren. Anja König (CDU) und Sonja Toaspern (Linke) sprachen sich ebenfalls dafür aus, die Einzugsgebiete zu begutachten.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+