Domgymnasium Brandbrief nach Hannover

Chöre, Sport- und Theatergruppen werden ungleich behandelt. Sind sie den Schulen angegliedert, gelten für sie strengere Corona-Regeln. Darüber beschwert sich das Domgymnasium Verden nun beim Kultusminister.
19.07.2021, 15:16
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Brandbrief nach Hannover
Von Marie Lührs

Das Verdener Domgymnasium hat seinen Schülern einiges zu bieten – auch abseits des Standard-Curriculums. Zwei Theater-AGs, vier Chöre, zwei Bigbands, drei Orchester, zahlreiche Sportangebote und viele weitere Arbeitsgemeinschaften bescheren den Schülerinnen und Schülern seit Jahren ein reichhaltiges Schulleben. Doch seit Corona ist vieles anders. Während allerdings inzwischen vielerorts das kulturelle Leben wieder Fahrt aufnimmt, gelten für schulische Projekte noch sehr strenge Vorgaben. Mit der Forderung "Lassen Sie Kultur, Theater und Konzerte in Schulen genauso wieder zu wie in anderen Bereichen der Gesellschaft" hat sich nun Schulleiterin Dorothea Blume an den niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) gewandt. 

Das Konzept der Schule sei es, den Kindern und Jugendlichen Anregungen zu bieten und das soziale Miteinander zu gestalten. Arbeitsgemeinschaften sollen die Sozialkompetenz und die individuellen Begabungen der Lernenden fördern. Die Angebote sollen allerdings auch für Krisen stärken, unter anderem durch die Kontakte, die über den eigentlichen Unterricht hinausgehen.

Positive Rückmeldung

"Weil wir wissen, dass diese Ausdrucksform von Schulgemeinschaft unseren Schülerinnen und Schülern im ersten Lockdown und auch in der Zeit vor den Sommerferien 2020 besonders gefehlt hat, haben wir alles daran gesetzt, die verschiedenen Angebote aufrecht zu halten, indem sie ins Digitale verlegt wurden", schreibt Blume in ihrem Brief an den Kultusminister. Die Chöre hätten zum Teil über Monate digital geprobt, die Bands aus vielen Einzelvideos ein gemeinsames erstellt, nennt sie zwei Beispiele. Die Teilnehmenden gaben eine positive Rückmeldung. Die digitale Gemeinschaft habe sie in den Krisenzeiten gestärkt und ihnen Hoffnung gegeben.

Trotz des aufbauenden Feedbacks betont Blume: "Diese Übergangslösungen sind aber auf keinen Fall einen weiteren Winter lang durchzuhalten." Die Schule blicke mit großer Sorge dem nächsten Rahmenhygieneplan entgegen. "Wir befürchten eine Beibehaltung der Restriktionen, die eine kontinuierliche AG-Arbeit an den Schulen auf Dauer unmöglich machen." Die Bedingungen für die kulturelle Arbeit mit den Jugendlichen sei bisher in allen Rahmenhygieneplänen deutlich strenger und damit hinderlicher gewesen als die Regelungen für Chöre, Theatergruppen und Sportvereine in allen anderen Teilen der Gesellschaft.

Für die Mitglieder der schulischen Gruppen, die sehr viel Freude am gemeinsamen Tun haben und die Angebote als essenziellen Teil ihres Schullebens betrachten, sei das nicht mehr nachvollziehbar, stellt Blume klar. Ähnlich gehe es ihr und ihrem Kollegium. Gemeinsam fordern sie: "Ermöglichen Sie den Schülerinnen und Schülern Gemeinschaft in der Schule auch über den Unterricht hinaus." Ermöglichen soll dies eine Angleichung der Regelungen des schulischen Rahmenhygieneplans an die in anderen Teilen der Gesellschaft geltenden Vorschriften.

Elf Unterstützer unterschreiben

Neben Blume unterzeichneten ihr Stellvertreter Michael Spöring, die Schulelternratsvorsitzende Andrea Wacker, die Schülersprecher Jennifer Hill, Kajsa Gerkens, Johannis Schmitz und Sarah Becker, die Unesco-Koordinatorin Theodora Wagenknecht sowie Dietrich Steinke (Fachgruppe Musik), Silke Lipski (Fachgruppe Deutsch) und Peter Heilen (Fachgruppe Sport) das Schreiben. Sie wünschen sich für ihre Schule mehr Verantwortung. So solle das Domgymnasium selbst darüber entscheiden können, ob es im Szenario B Corona-konforme Möglichkeiten für die jungen Menschen schaffe, Gemeinschaft zu erfahren. "Solange Schüler in den Präsenzunterricht in der Schule gehen, müssen auch alle AGs in Präsenz möglich sein", betonen die Unterzeichner. 

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