Meyer-Verden-Gebäude

Die ersten Wände stehen

Das Fundament ist gelegt, die ersten Wände stehen und auch die erste Geschossdecke ist eingezogen. Die Bauarbeiten im ehemaligen Meyer-Verden-Gebäude schreiten nach Verzögerungen voran.
22.07.2021, 15:53
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Die ersten Wände stehen
Von Marie Lührs
Die ersten Wände stehen

Das Arbeitsmaterial wird per Kran durch die offene Decke in das Gebäude gehievt.

Björn Hake

Es geht voran am Allerufer 8. Lange stand die Außenfassade des ehemaligen Meyer-Verden-Gebäudes vollkommen entkernt da. Inzwischen ist die ersten Geschossdecke eingezogen. Das massive Ballastgerüst, dass das Gebäude umgibt, bleibt allerdings noch bestehen. "Ohne das Gerüst würde das Mauerwerk nicht halten", erklärt Horst Gumprecht, geschäftsführender Gesellschafter des zuständigen Architekturbüros bei einer Baustellenbegehung.

Neben Interessierten aus dem Rathaus haben sich auch Mitarbeiter der Verdener Justiz der Besichtigung angeschlossen. Im Frühjahr 2022, so der aktuelle Zeitplan, soll das Gebäude bezugsbereit sein. In den vergangenen Monaten war es wiederholt zu Verzögerungen gekommen. 

Während in den unteren Stockwerken massive Konstrukte aus Stahl und Beton dem Gebäude die nötige Stabilität verleihen, ist oben Leichtbauweise angesagt. "Es ist ein flexibles Gebäude – so weit wie möglich", sagt Gumprecht. 50 bis 70 Jahre soll es mindestens nutzbar bleiben, auch durch die Möglichkeit, Leichtbauwände im Laufe der Zeit zu versetzen. Die erste Geschossdecke wurde bereits Stück für Stück per Kran durch das offene Dach eingesetzt. Die einzelnen Platten würden in einer fest vorgeschriebenen Reihenfolge eingefügt, um die Stahlträger gleichmäßig zu belasten, erklärt Grumprecht.

Baustelle Am Allerufer 8 in Verden

Die erste Decke ist eingehängt. Auch einige Wände im Erdgeschoss stehen bereits.

Foto: Björn Hake

22 Gewerke sind auf der Baustelle im Einsatz – allerdings nicht zur selben Zeit. Unter anderem die Fensterbauer müssen sich noch in Geduld üben. Sie können ihre Arbeit erst aufnehmen, wenn die Geschossdecken und Zwischenwände stehen und das Gebäude auch ohne das massive Ballastgerüst steht. Das neue Fundament liegt bereits. Das vorherige konnte aufgrund seiner Beschaffenheit nicht erhalten bleiben, erklärt Hochbauleiter Wolfgang Tobias von der Stadt. Die vorhandene Pfahlgründung konnte hingegen weiterhin genutzt werden.

Während die Lage an der Aller und der Blick auf was Wasser in den vergangenen Monaten das Gebäude für seine künftigen Nutzer besonders attraktiv machten, wurden nach den Flutereignissen im Süden Deutschlands nun Fragen laut. Ob der Standort mit Blick auf die Zukunft die richtige Wahl sei, wollen die Justiz-Mitarbeiterinnen wissen. Brockmann beschwichtigt: "Wir haben hier ja keine Berge." Und auch Tobias ist unbesorgt. Der Hochwasserschutz sei für etwaige Extremfälle gerüstet. 

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"Wir nutzen das Flächenmaß zu 100 Prozent aus", erläutert Tobias. Auf der Grundstücksfläche von rund 1400 Quadratmetern entstehen so rund 3000 Quadratmeter Nettonutzfläche. Die Aufgabe, aus Gebäuden, die zuvor für andere Zwecke genutzt wurden, Bürogebäude zu entwickeln, kennt das Architekturbüro bereits aus vielen anderen Projekten. Es sei auch eine Frage des materialschonenden Arbeitens, erklärt Gumprecht. In Objektteile, die erhalten bleiben, sei schon Energie geflossen. Für neues Mauerwerk werden im Allerufer 8 beispielsweise keine Ressourcen verbraucht. Welche Teile des vorherigen Gebäudes erhalten bleiben können, hatte vor Beginn der Bauarbeiten ein Gutachten gezeigt. 

"Jeder, der lange in der Stadt Verden lebt, ist mit dem Gebäude aufgewachsen. Es ist stadtbildprägend", sagt Lutz Brockmann und freut sich, dass die markante Fassade erhalten werden konnte. "Es wird die schönste Staatsanwaltschaft in ganz Niedersachsen", ist er überzeugt. Das wiederum biete nicht nur den bereits Beschäftigten künftig mehr Lebensqualität, sondern sei auch ein Argument, mit dem sich künftig Fachkräfte locken lassen könnten.

Zuletzt ging die Stadt nach einigen Verzögerungen noch von einer Fertigstellung im Januar 2022 aus. Als die Umbauarbeiten im vergangenen Sommer begannen, visierten die Beteiligten noch den Herbst 2021 für den Einzug der Staatsanwaltschaft an. Zu Verzögerungen hatte unter anderem die dreifache Ausschreibung für den Rohbau geführt. Lieferschwierigkeiten beim Material, die Corona-Krise, die Witterung zu Jahresbeginn sowie die Schadstoffentsorgung, die sich als aufwendiger erwies als vermutet, taten ihr Übriges.

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