Stadtratswahl Verden

Grüne legen deutlich zu, CDU wird stärkste Kraft

Bei der Stadtratswahl in Verden holt die Bündnispartei 19,2 Prozent der Stimmen. CDU verliert leicht, SPD muss deutliche Verluste im Vergleich zu 2016 hinnehmen. FDP legt leicht zu.
13.09.2021, 15:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas Becker
Grüne legen deutlich zu, CDU wird stärkste Kraft

Bleibt stärkste Partei im Verdener Stadtrat: die CDU mit Jens Richter, Imke Burhop, Sven Sottorf und Lars Brennecke (v. li.).

FOCKE STRANGMANN

Die Grünen sind die großen Gewinner der Stadtratswahl in der Stadt Verden. Im Vergleich zum Ergebnis bei der Kommunalwahl 2016 (11,1 Prozent) legte die Partei deutlich zu und holte nach Auszählung aller Wahlbezirke 19,2 Prozent der abgegebenen Stimmen. Auch die Freien Demokraten konnten ihr Ergebnis verbessern und landeten am Ende bei 11,2 Prozent der abgegebenen Stimmen. Der CDU musste leichte Verluste verschmerzen und erhielt 33 Prozent, während die SPD deutlich verlor und bei der Wählergunst etwa fünf Prozent einbüßte. Am Ende bekamen die Sozialdemokraten 29,6 Prozent der Stimmen, 2016 waren es noch 35,3 Prozent gewesen. Die Linke verschlechterte sich um einen Prozent auf 2,7 Prozent der Stimmen. Die Freien Wähler waren erstmals in Verden angetreten und bekamen vier Prozent der Wählerstimmen.

Mit Wahlausgang zufrieden

"Wir haben vor Ort in den vergangenen fünf Jahren eine gute Politik gemacht, und unser Ergebnis ist die Belohnung dafür", kommentierte Johanna König von den Grünen das Ergebnis. Spannend sei jetzt, wie sich der Wahlausgang in der Sitzverteilung im Stadtrat niederschlage. Auch Jens Richter von der Verdener CDU zeigte sich mit dem Wahlausgang zufrieden. "Wir freuen uns, bleiben aber realistisch." Die "verlässliche und sachliche" Politik in den vergangenen Jahren habe sich bei den Wählern ausgezahlt. "Wir haben pragmatische Politik gemacht. Klimaschutz ist wichtig, aber man kann nicht alles über den Haufen werfen", betonte Richter. Die CDU habe bei der Entwicklung der Stadt einen roten Faden verfolgt. Im Vorfeld habe er befürchtet, dass sich der negative Bundestrend für die CDU auf die Kommunalwahl auswirken könnte. Dies habe sich aber nicht bewahrheitet.

"Wir haben unser Ergebnis von 2016 leider nicht mehr erreicht", sagte SPD-Fraktionschef Carsten Hauschild. Spannend werde, wie sich im neuen Stadtrat die Fraktionen aufstellen würden. Für Karin Hanschmann, die mit 913 Stimmen das beste Ergebnis der Sozialdemokraten holen konnte, ist das Ergebnis ihrer Partei auch eine Chance auf Veränderungen und neuen Schwung. "Wir haben in den vergangenen fünf Jahren vieles angeschoben, aber es hat natürlich nicht alles geklappt", so die Dauelserin. Da einige bekannte SPD-Frauen und -Männer nicht wieder angetreten seien, seien die Verdener Sozialdemokraten gerade in einer Phase der Erneuerung. "Wenn plötzlich einige bekannte Namen fehlen, hat man zwischendurch auch mal einen Hänger. Das ist aber nicht schlimm, sondern normal", ist Hanschmann überzeugt. Sie freue sich jetzt auf den neuen Stadtrat. "Wir sind ein gutes Team mit vielen neuen Leuten und können gut zusammenarbeiten."

"Vielleicht etwas Rückenwind"

Aus Sicht der FDP zeigte sich Henning Wittboldt-Müller mit dem Wahlergebnis zufrieden. "Der Erfolg hat mehrere Säulen: einen guten Wahlkampf, sehr viele und gute Kandidaten sowie viele Nachwuchskräfte", so Wittboldt-Müller. Auch angesichts des Ergebnisses bei den Ortsratswahlen sei dies ein "guter Start mit neuen Leuten" gewesen. Aus seiner Sicht habe sich der Bundestrend für die FDP auf lokaler Ebene nicht entscheidend ausgewirkt. "Wir hatten vielleicht etwas Rückenwind, aber entscheidend war aus meiner Sicht, dass wir in Verden keine Bundestagswahl hatten. Dadurch haben sich die Stimmen nicht nur auf die Spitzenkandidaten konzentriert, und es haben sich Verschiebungen zugunsten der kleineren Parteien ergeben." Von der Arbeit im neuen Stadtrat erhofft er sich angesichts der Mehrheitsverhältnisse mehr Sachbezogenheit. "Es gibt Differenzen zwischen den Parteien in der Sache, die sollen auch ausgetragen werden. Aber taktische Spielchen sollten vermieden werden. Eine Idee ist nicht automatisch schlecht, weil sie von einer anderen Partei kommt", sagt Wittboldt-Müller.

Fest steht jedenfalls, dass sich durch das Wahlergebnis einige Änderungen bei der Sitzverteilung im Stadtparlament ergeben. Die CDU ist stärkste Fraktion geworden, hat aber Stimmen abgegeben. Dadurch verliert sie einen Sitz und kann 12 Vertreter in den neuen Stadtrat entsenden. Die SPD ist wegen ihrer deutlichen Verluste mit zwei Sitzen weniger im Stadtrat vertreten. Die Grünen besetzen künftig sieben Sitze und legen um drei zu. Auch die FDP wächst und bekommt einen zusätzlichen Sitz. Bei Linken und Freien Wählern ändert sich nichts, beide Parteien bleiben bei einem Vertreter im Stadtrat.

Die konstituierende Sitzung des neuen Stadtrats ist am Dienstag, 2. November.

Zur Sache

Der neue Stadtrat

CDU: Jens Richter (1991 Stimmen), Sven Sottorf (862), Detlef Peterson (671), Lars Brennecke (622), Anja König (464), Frank Medenwald (312), Lukas Reipert (306), Wolf Hertz-Kleptow (252), Barbara Duprée (229), Andrea Wacker (165), Imke Burhop (206), Jürgen Moje (212)

SPD: Karin Hanschmann (913), Claudia Schlosser (362), Carsten Hauschild (350), Özge Kadah (323), Umut Ünlü (303), Heinz Möller (245), Michael Otten (162), Angela Günther-Sogorski (82), Leon Baier (146), Antje Engel (239), Claudia Wehrstedt (134)

Grüne: Johanna König (578), Sven Ommen (436), Alina Ludas (357), Rasmus Grobe (222), Janina Tessloff (123), Bärbel Rater (261), Werner Reichmann (36)

FDP: Henning Wittboldt-Müller (964), Jürgen Weidemann (495), Annika Listner (194), Stefan Kleinichen (49)

Die Linke: Sonja Toaspern (103)

Freie Wähler: Kai Rosebrock (334)

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