Flugfeld Lemwerder Viel Skepsis in der Lokalpolitik

Ein Investor möchte das ehemalige Flugfeld in Lemwerder zu einem Gewerbe- und Industriegebiet machen. Er wünscht sich Zustimmung seitens der Gemeinde. Wie sich die Lokapolitik positioniert.
20.06.2022, 18:00
Lesedauer: 3 Min
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Viel Skepsis in der Lokalpolitik
Von Björn Josten
Inhaltsverzeichnis

Das geplante große Gewerbe- und Industriegebiet auf dem ehemaligen Flugfeld, löst in Lemwerder unterschiedliche Reaktionen aus. Dort möchte ein Investor auf weiten Teilen der 126 Hektar ein Gewerbe- und Industriegebiet entwickeln. Während Bürgermeisterin Christina Winkelmann die Chancen für die Gemeinde heraushebt und die Manager Christian Peters (Real Estate Lemwerder) und Matthias Hellmann (Abeking & Rasmussen) die energetische Notwendigkeit betonen, fremdeln einige Akteure der lokalen Politik mit den Ideen. Die Fraktionen sind bisher noch nicht mehrheitlich von den vielfältigen Projektideen des Investors überzeugt. Der allerdings betont laut Christian Peters, die Entwicklung nur gemeinsam mit der Gemeinde vorantreiben zu wollen. Eine nächste Gesprächsrunde ist für Mitte Juli vorgesehen. Welche Fraktionsvorsitzende sich aktuell wie zum Vorhaben positionieren.

Meinrad Rohde (SPD)

Die SPD in Lemwerder steht laut Meinrad Rohde dem Vorhaben mittlerweile aufgeschlossener gegenüber als noch zuvor und findet das Projekt positiv. "Wir müssen allerdings die Lärm- und Luftverschmutzung im Blick behalten und auch die Wohnqualität", betont Rohde. Ein Verkehrsgutachten empfindet Rohde als zwingend notwendig. "Zudem müssen wir prüfen, was wir genehmigen können und dürfen."

Harald Schöne (FDP)

Die FDP sei gegen das Vorhaben – wegen der zu erwartenden Verkehrssituation. Daran lässt Harald Schöne keinen Zweifel. "Das passt nicht zu unserer Gemeinde", findet er. Logistik bringe weder Wertschöpfung noch qualifizierte Arbeitsplätze in den Ort. "Zeitdruck ist kein guter Berater. Gerade nicht bei einer Investition von einer halben Milliarde Euro", sagt Schöne mit Blick auf den Zeitplan des Investors. Er räumt ein, dass der Rat es versäumt habe, ein städtebauliches Konzept zum Flächennutzungsplan zu erarbeiten. Kritisch sehen Schöne und seine FDP auch, dass der Investor die Kosten für ein Verkehrskonzept nur übernehmen möchte, wenn die Gemeinde dem Vorhaben grundsätzlich zustimmt. Er fordert, dass die Kosten auch ohne eine solche Zusage übernommen werden sollten. Zudem stellt er Gedankenspiele seiner Fraktion in den Raum, die Einwohner über einen Bürgerentscheid mitbestimmen zu lassen. Dieser könnte gemeinsam mit der Landtagswahl im Oktober stattfinden.

Wolf Rosenhagen (CDU)

Die CDU verbindet einige Hoffnungen mit dem Großprojekt. Alles in allem sei das eine "interessante Sache". Das gelte auch für das Logistikzentrum: "Wir sehen zurzeit, was unterbrochene Lieferketten bedeuten", sagt Wolf Rosenhagen. Der energetische Aspekt sei unstrittig und bringe mehr Unabhängigkeit. "Die geplanten Büroflächen bergen die Hoffnung auf Dienstleistungsarbeitsplätze, die uns zurzeit in Lemwerder fehlen." Zudem werde die Aufstellung im Ort in puncto Industrie und Gewerbe breiter. "Daher ist es für uns folgerichtig, die nächsten Schritte zu gehen und in den Prozess einzutreten, um nicht spekulieren zu müssen", sagt Rosenhagen. Schließlich könne einiges auch über städtebauliche Verträge geregelt werden. "Wir können so gewünschte Nutzungen festlegen", sagt Rosenhagen. 

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Brigitta Rosenow (Grüne)

"Super, aber" – so formulieren die Grünen ihre Ablehnung des Projektes. Grüne Energie sei super, aber das andere eben nicht. "Wir begrüßen das Projekt nicht", sagt daher Brigitta Rosenow. "Natürlich können Sie ihre Flächen vermarkten, wie sie es möchten", räumt die Grüne ein. "Aus unserer Sicht wäre allerdings nur eine deutlich kleinere Fläche denkbar." Sie zeigte sich zudem irritiert darüber, dass es bereits Gespräche auf Bürgermeisterebene gegeben habe, von denen sie nichts gewusst habe.

Sven Schröder (UWL)

Irritiert zeigte sich auch Sven Schröder. Und zwar zum einen darüber, dass der Investor sich aus der Öffentlichkeit heraushält und nicht selbst Rede und Antwort zu seinen Ideen stehe. Und zum anderen darüber, dass die Fotovoltaik-Leistung so herausgestrichen werde. "Das ist für mich heute eine Selbstverständlichkeit", stellte Schröder klar und lenkte den Blick auf einige Logistikstandorte in der Nähe. "Das Netto-Zentrallager in Ganderkesee hat rund 40.000 Quadratmeter Lagerfläche; Amazon in Achim ebenfalls – wir reden hier über mehr als das Zehnfache." Daher lehne die UWL das Vorhaben ab.

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