Auflagen der Europäischen Zentralbank Niedersachsen will Bremer Landesbank schlucken

Die Bremer Landesbank (BLB) soll 100-prozentige Tochter der NordLB werden. Mit dem Vorschlag geht nach Informationen des WESER-KURIER der Hauptanteilseigner am Freitag in die Sitzungen des Risikoausschusses.
09.06.2016, 15:02
Lesedauer: 2 Min
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Niedersachsen will Bremer Landesbank schlucken
Von Peter Mlodoch

Die Bremer Landesbank (BLB) soll 100-prozentige Tochter der NordLB werden. Mit dem Vorschlag geht nach Informationen des WESER-KURIER der Hauptanteilseigner am Freitag in die Sitzungen des Risikoausschusses.

Die Bremer Landesbank (BLB) soll 100-prozentige Tochter der NordLB werden. Mit diesem Vorschlag geht nach Informationen des WESER-KURIER der Hauptanteilseigner – die Nord/LB hält 55 Prozent der BLB – am Freitag in der Hansestadt in die Sitzungen des Risikoausschusses und dann des Aufsichtsrats des krisengeschüttelten Bremer Instituts. Danach will die NordLB die Bremer Anteile der BLB komplett kaufen. Standort und Name der BLB blieben dabei erhalten; das Land Bremen wäre allerdings seinen Einfluss los. Außerdem würden die Geschäftsfelder der beiden Banken untereinander neu sortiert. Wie viele Arbeitsplätze dadurch verloren gingen, war am Donnerstag zunächst unklar.

„Nach meiner Einschätzung kommt nur eine Lösung in Betracht, bei der die BLB vollständig unter die Kapitaldeckung der NordLB kommt“, sagte Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD) dem WESER KURIER. Zuvor hatte der Ressortchef, der Aufsichtsratschef der NordLB und Vize bei der BLB ist, den Haushaltsausschuss des Landtages in vertraulicher Sitzung über die durch faule Schiffskredite ausgelöste Schieflage unterrichtet und die verschiedenen Lösungswege erläutert.

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Danach will Niedersachsen das von Bremen favorisierte Modell, wonach die NordLB frisches Geld in die BLB pumpt, auf keinen Fall mittragen. „Einseitige Kapitalmaßnahmen würden aller Wahrscheinlichkeit nach erheblich negative Auswirkungen auf die NordLB haben“, betonte der Finanzminister.

„Das ist aus Sicht der insgesamt fünf Träger der NordLB keine Option.“ Neben dem Land Niedersachsen, das knapp 60 Prozent hält, sind das der Sparkassenverband Niedersachsen, das Land Sachsen-Anhalt sowie zwei ostdeutsche Sparkassenverbände. Eine Finanzspitze aus Hannover würde bei der NordLB hohe Abschreibungen auslösen und diese selbst schwer belasten, hieß es in Bankenkreisen unter Berufung auf ein Wirtschaftsprüfer-Gutachten.

Teilkauf scheidet aus niedersächsischer Sicht aus

Ein Teilkauf der Bremer Anteile scheidet aus niedersächsischer Sicht aus, weil dadurch die gemeinsame Risikoabdeckung und Eigenkapitalquote nicht erreicht würden, also die BLB weiter schutzlos dastünde. „Vollen Schutz gibt es nur als 100-prozentige Tochter“, meinte ein Branchenkenner. Dafür existiert in Hannover bereits ein Vorbild: Die Deutsche Hypothekenbank ist eine 100-prozentige Tochter der NordLB. Der Mutterkonzern kann nach Ansicht von Bankenkreisen auch die für den Kauf der Bremer Anteile notwendigen Finanzmittel aufbringen.

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Das Modell, bei dem Bremen seinerseits die eigenen Anteile in die NordLB einbringt und sich dort dadurch zumindest einen Rest-Einfluss sichert, wird in Hannover kritisch gesehen. Dieser Weg sei deutlich komplizierter, warnen Insider und verweisen nicht zuletzt darauf, dass dafür neue Staatsverträge zwischen den beteiligten Ländern notwendig würden. „Das Rauskaufen ist die schnellere und sichere Lösung.“

Finanzminister Schneider nahm den Vorstand der BLB gegen Vorwürfe des Missmanagements in Schutz. „Die jetzt eingetretenen Verwerfungen haben mit der weltweiten Marktentwicklung auf den Schiffsmärkten zu tun. Die sind weder durch die BLB noch die NordLB zu steuern.“ Der Ressortchef wies außerdem Berichte über verhärtete Fronten zwischen Niedersachsen und Bremen vehement zurück. „Mit meiner Bremer Kollegin Frau Linnert habe ich ein ausgesprochen herzliches Verhältnis.“

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