Urlaub in der Corona-Krise

Kaum Chancen auf Reisen zu Ostern

Die Corona-Pandemie lässt die Chancen auf Reisen zu Ostern schwinden. Die Tourismus-Branche fordert eine Strategie, um Urlaube unabhängig von den Impfungen zu ermöglichen.
14.01.2021, 20:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Nico Schnurr und Florian Schwiegershausen

Urlaubsreisen werden wegen der Corona-Pandemie noch über Monate nur eingeschränkt möglich sein. Experten erwarten, dass der Tourismus auch in den Osterferien ruhen wird. „Ich glaube, dass Reisen etwas ist, das die nächsten zwei, drei Monate noch sehr schwer vorstellbar ist“, sagte der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU).

Mit Blick auf die Mutationen des Coronavirus aus anderen Ländern betonte Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Institutes, am Donnerstag: „Wer nicht unbedingt muss, sollte im Moment nicht verreisen.“ Alle aktuell bekannten Fälle, in denen die neuen Varianten nachgewiesen wurden, seien von Reisenden nach Deutschland gebracht worden.

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An der niedersächsischen Nordseeküste rechnet man nicht mit einem schnellen Ende der Corona-Beschränkungen. Bis Ende März blieben weite Teile der touristischen Infrastruktur an der Küste vorsorglich heruntergefahren, sagt Sonja Janßen. Die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Niedersachsen geht von einem Andrang auf das Bundesland in der zweiten Jahreshälfte aus: „Im Sommer wird sich Niedersachsen kaum vor Touristen retten können.“ Bis dahin dürften es schwere Monate für den Tourismus in der Region werden, sagt Janßen: „Bei anhaltender Infektionslage könnte es sehr eng werden für Reisen zu Ostern.“

Alexis Papathanassis, Touristik-Professor und Rektor der Hochschule Bremerhaven, hält Inlandsreisen erst ab dem Frühsommer für möglich, „aber das ist sehr optimistisch gedacht“, sagt er. Papathanassis erwartet, dass in diesem Jahr eine Art des Reisens dominieren wird, die er „Kapseltourismus“ nennt: „mit dem Wohnmobil oder Auto eine Ferienwohnung ansteuern, um größere Menschenmengen zu meiden".

Offene Fragen erschweren die Urlaubsplanung

Wer lange mit einer Buchung warte, müsse sich auf Kompromisse einstellen, sagt Papathanassis. Als Ersatz für abgesagte Reisen hätten viele Kunden noch Reisegutscheine. Wer derzeit einen Urlaub für den Sommer oder Herbst buche, entscheide sich meist für Inlandsreisen oder Pauschaltrips ins benachbarte Ausland. Noch gebe es offene Fragen, die eine Urlaubsplanung erschwerten. Vor allem die Reisebeschränkungen und die Quarantäneregeln schreckten viele Urlauber ab.

„Es wird ein absolutes Kurzfristjahr“, sagt Marija Linnhoff. Die Vorsitzende des Verbandes unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR) vertritt nach eigenen Angaben bundesweit mehr als 6000 Mitglieder. Sie sagt, die Zahl der Frühbuchungen halte sich derzeit in Grenzen. Es sei auch richtig, dass viele Reisebüros ihren Kunden von kurzfristigen Reisen zu Ostern abrieten.

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„Wir diskutieren in Deutschland gerade über einen 15-Kilometer-Bewegungsradius in Hotspots“, sagt Linnhoff, „da wäre es einfach falsch, jetzt den Eindruck zu erwecken, im Frühjahr können alle wieder 3000 Kilometer durch Europa fliegen“. Linnhoff setzt auf einen „Buchungsboom ab Mai“. Unklar sei aber, wie viele Reisebüros bis dahin überhaupt überlebten. Linnhoff geht davon aus, dass ungefähr 40 Prozent der Reiseagenturen nach dem ersten Corona-Jahr vor der Insolvenz stehen.

„Wo momentan alles noch so ungewiss ist, sollten Verbraucher genau überlegen, ob es wirklich sein muss, in den kommenden Monaten zu verreisen“, sagt Nicole Mertgen-Sauer, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Bremen. "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt halte ich es für unmöglich, risikolos zu buchen.“

Keine Zweiklassengesellschaft beim Reisen

Um Tourismus in diesem Sommer zu ermöglichen, wirbt der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis für ein europäisches Impfzertifikat. Wer nachweislich gegen Corona geimpft sei, solle wieder europaweit frei reisen können. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung lehnt Sonderrechte für Geimpfte ab. Im Sommer werde das Reisen sicherer, sagte Bareiß dem Sender RTL, „wenn wir im zweiten Quartal in Deutschland wirklich die meisten Menschen geimpft haben“. Eine Zweiklassengesellschaft dürfe es beim Reisen nicht geben: „Wir wollen, dass jeder ganz normal behandelt wird, egal ob geimpft oder nicht geimpft.“

Auch der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft sieht Reiseprivilegien kritisch. Michael Frenzel sagte den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“: „Im schlimmsten Fall würde ein Freifahrtschein per Gesundheitspass für Geimpfte ein Reiseverbot für Nicht-Geimpfte nach sich ziehen.“ Frenzel fordert eine Strategie von der Politik, um das Reisen schnell wieder allen Menschen zu ermöglichen. Schnellteststrategien für Reisende seien ein erster Schritt.

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