Kommentar über den Bamf-Skandal

Aktionismus

Seehofer schließt quasi die Bremer Bamf-Außenstelle. Opfer in dieser Affäre sind viele Asylsuchende, deren Verfahren in Bremen jetzt nicht mehr bearbeitet werden, schreibt Mathias Sonnenberg.
23.05.2018, 22:05
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Aktionismus
Von Mathias Sonnenberg
Aktionismus

Für seine Härte bekommt der Innenminister Horst Seehofer viel öffentlichen – und zu erwartenden – Applaus.

dpa

Die Drohungen der Opposition haben offenbar gefruchtet. Immer tiefer geriet Horst Seehofer zuletzt unter Druck, weil quasi im Tagesrhythmus neue Fehlleistungen im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) an die Öffentlichkeit kamen. Und es ging um Nachrichten und Anrufe, die in Seehofers Büro eintrafen, aber den CSU-Politiker nie erreicht haben sollen.

Wer so in die Enge getrieben wird, sucht nach einem Befreiungsschlag. Am Mittwoch kam er. Seehofer schließt quasi die Bremer Bamf-Außenstelle, denn nichts anderes ist ja das Verbot, bis auf Weiteres über das Asyl von Flüchtlingen zu entscheiden. Für so viel Härte bekommt der Innenminister viel öffentlichen – und zu erwartenden – Applaus. Motto: Endlich greift er durch.

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Aber der Vorgang zeugt von Aktionismus. Denn während zehn andere Außenstellen, die mittlerweile auch im Brennpunkt stehen, weiter arbeiten dürfen, wird die Bremer Außenstelle unter Generalverdacht gestellt. Opfer in dieser Affäre sind viele Asylsuchende, deren Verfahren in Bremen jetzt nicht mehr bearbeitet werden. Und die sehr lange auf eine Entscheidung für ihr weiteres Leben warten müssen.

mathias.sonnenberg@weser-kurier.de

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