Gastkommentar über den Weltwassertag Das Klima und das Klo

Wer weiß schon, dass der Sanitär- und Abwassersektor für drei Prozent des globalen Treibhausgases verantwortlich ist? Klima und Klo stehen daher in einem engen Zusammenhang, schreibt Fabio Nicoletti.
22.03.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Fabio Nicoletti

Es verwundert kaum, dass der Klimawandel das Motto des diesjährigen Weltwassertages am heutigen 22. März ist. Das Gros aller Klimawandel-Folgen wirkt sich auf den Wasserkreislauf aus, etwa bei der Verfügbarkeit von Trinkwasser, bei Dürren und im Anstieg des Meeresspiegels. Wer allerdings weiß schon, dass der Sanitär- und Abwassersektor für drei Prozent des globalen Treibhausgases verantwortlich ist? Da wir in Zukunft weiter aufs Klo gehen müssen, sind die Vermeidung und Einsparung von Emissionen sowie die Anpassung an Klimaveränderungen rund um das Klo wichtig – bei uns und auch im Globalen Süden.

Emissionen fallen dabei an verschiedenen Stellen der Sanitärversorgungskette an: Exkremente selbst enthalten Methan, ein Treibhausgas, das noch klimawirksamer ist als das stets präsente CO2. Der Betrieb von Pumpen, Transportvorgänge und die Behandlung von Abwasser schlagen bei der Energiebilanz von Kläranlagen zu Buche. Wird der Energiehunger mittels fossiler Rohstoffe gestillt, wirkt sich dies negativ auf die Emissionswerte aus.

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Die Sanitärinfrastrukturen in Ländern des Globalen Südens sind oft anfällig für Extremwetterereignisse: Kanalisationen und Klärtanks laufen bei Überschwemmungen oder Starkregen über oder werden zerstört. Das Funktionieren von Klärwerken ist bei Trockenheit und Wasserknappheit eingeschränkt, da der zur Reinigung benötigte Wasserzufluss unterbrochen wird. Tritt Abwasser aus Toiletten und Klärbehältern aus, verunreinigen Keime und Schadstoffe das Wasser. Krankheiten sind die Folge. Da wir unweigerlich alle irgendwann mal müssen, müssen wir etwas tun. Aber was?

Ein konsequenteres Zusammendenken von Klima- und Entwicklungspolitik und damit verbundene Investitionsentscheidungen sind sinnvoll. Dezentrale, nachhaltige Lösungen sind hier ein wichtiger Schritt zur Verringerung von klimaschädlichen Emissionen. Synergetisches Potential zur Emissionsvermeidung besteht in der Erzeugung von Biogas aus Methan, der Nutzung von Wasserkraft oder auch der Gewinnung von organischem Dünger aus getrockneten Fäkalien. Neben Klimaschutz lassen sich so Brücken zur Nahrungsmittelproduktion schlagen.

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BORDA verfolgt diesen Ansatz seit über 40 Jahren. Die UN-Agenda 2030 fordert bis zu diesem Jahr eine sichere und saubere Sanitärversorgung für alle. Ebenso müssen bis dahin große Schritte zurückgelegt sein, um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5°C zu begrenzen. Sanitärversorgung und Klimaschutz – das gehört zusammen, wie der Hintern auf die Schüssel.

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Zur Person

Unser Gastautor arbeitet als Eine-Welt Promotor für Umwelt, Klima und Wasser seit 2017 bei der Bremen Overseas Research and Development Association, kurz BORDA.

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