Weltwassertag am 22. März

Bremer Verein Borda startet Initiative gegen Tode durch Schmutzwasser

Mehr als 2000 Menschen sterben täglich weltweit an den Folgen von verschmutztem Wasser. Eine Bremer Organisation will die sanitären Zustände in Tansania verbessern.
17.03.2020, 20:09
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Verein Borda startet Initiative gegen Tode durch Schmutzwasser
Von Jean-Pierre Fellmer

Wenn wir auf die Taste für die Spülung drücken, passiert etwas für uns Selbstverständliches. Das Wasser fließt, nimmt den Schiet mit sich und bahnt sich seinen Weg in den Untergrund. Eine Anlage klärt das Wasser und führt es zurück in den Kreislauf.

Die meisten Europäer kennen es nicht anders. Eine Selbstverständlichkeit, die global betrachtet keine ist: 4,5 Milliarden Menschen, also etwa 60 Prozent der Weltbevölkerung, haben dem Verein Borda zufolge keinen Zugang zu einer hygienischen Sanitärversorgung – also zu sauberen Toiletten und Abwassersystemen. Das ist nicht nur unappetitlich, sondern vor allem lebensbedrohlich: Durch Fäkalien verschmutztes Wasser verursacht Cholera und Diarrhoe, täglich sterben Borda zufolge mehr als 2000 Menschen an diesen Krankheiten, mehr als die Hälfte davon seien Kinder.

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Der Verein Borda (Bremen Overseas Research and Development Association) setzt sich für bessere Lebensverhältnisse im globalen Süden ein, also etwa in Afrika oder Asien. Er hat anlässlich des Weltwassertags am 22. März eine Initiative gestartet, bei der Borda mit Patenschaften Hygienestandards verbessern will.

90 Prozent der Einwohner haben nur Zugang zu Plumpsklos

Das Problem: In vielen Ländern gibt es keine ordentlichen Toiletten. Borda nennt die sambische Hauptstadt Lusaka als Beispiel. Dort leben etwa 2,4 Millionen Einwohner, 90 Prozent der Bevölkerung würden 'pit latrines' nutzen, zu deutsch: Plumpsklos. Oft teilen sich viele Familien gemeinsam eine Toilette. Der Bau einer weitläufigen Kanalisation als zentrale Abwasserbeseitigung ist dort teuer. Der Untergrund der Stadt ist dafür ungünstig, der Grundwasserspiegel hoch. Es brauche daher dezentrale Lösungen, die Fäkalien abzutransportieren.

Aber selbst da, wo Abwassersysteme vorhanden sind, gibt es ein weiteres Problem: In vielen Ländern fehle ein funktionierendes Gebührensystem zur Abwasserbeseitigung. „Ganz grob gesagt zahlen wir in Deutschland für einen Kubikmeter Wasser etwa einen Euro und für die Abwasserbehandlung zwei“, sagt Stefan Reuter, der für strategische Partnerschaften bei Borda zuständig ist. In den betroffenen Regionen würde oft nur ein Bruchteil, weniger als zehn Prozent dafür aufgewendet. „Man kann von einer Art Staatsversagen sprechen“, sagt Thorsten Reckerzügl, Geschäftsführer von Borda.

Paten sollen Betreiber mitfinanzieren und Versorgung sichern

Für die Beseitigung der Fäkalien vor Ort gibt es daher Kleinunternehmer, die Fäkalien aus Gruben abtransportieren und kleine Kläranlagen betreiben. Sie würden oft von den Menschen in den Haushalten direkt bezahlt. Hier setzt Borda an. Mit Patenschaften sollen die Kleinunternehmer finanziell unterstützt werden, damit sie ihre Kosten decken und ihre Arbeit weiterhin leisten können.

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Borda habe ermittelt, dass mit vier Euro pro Jahr pro Haushalt à sechs Personen eine regelmäßige Entleerung von Klärgruben und die Behandlung des Abwassers gewährleistet werden kann. Reuter rechnet hoch: Wer 50 Euro pro Jahr spende, der verbessere die Gesundheit von 75 Personen.

Die Initiative starte ab sofort, sagt Reuter. Zunächst werde sich auf die tansanische Küstenstadt Daressalam konzentriert. Dort seien nur drei Prozent der Haushalte an die Kanalisation angeschlossen. Mehr als fünf Millionen Menschen leben dort, viele in Slums. Auch in Bremen habe es einst die Cholera gegeben, sagt Reuter, schon vor 120 Jahren. Das Problem habe man aber in den Griff bekommen, durch eine intensive Wasserwirtschaft.

Info

Zur Sache

Über Borda und den Weltwassertag

Den Verein Borda gibt es seit 1977, mittlerweile ist er in 25 Ländern aktiv und hat unter anderem 3500 Anlagen für dezentrale Wasser- und Abwasserbehandlung auf den Weg gebracht. Mehr Informationen zur Borda und zur Initiative unter www.borda.org. Anlässlich des Weltwassertags am 22. März ruft das Wasserforum Bremen zudem zu einem sorgsamen Umgang mit der Ressource Trinkwasser auf.

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