Kurz vor Verkaufsstart Stadt, Land, Bus: Wo sich das Neun-Euro-Ticket lohnt

Das große Experiment in Bussen und Bahnen steht kurz bevor. Über das Neun-Euro-Ticket entscheidet nun das Parlament, in wenigen Tagen soll der Verkauf beginnen. Doch für wen lohnt es sich eigentlich?
20.05.2022, 10:32
Lesedauer: 2 Min
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Von dpa
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Für nur neun Euro im Monat bundesweit Bus und Bahn fahren im Nahverkehr – das soll von Juni an für drei Monate möglich werden. Es ist ein beispielloser Versuch, Pendler zu entlasten und von einem Umstieg auf die Bahn zu überzeugen.

Befürworter sehen eine große Chance für mehr klimafreundlichen Verkehr – Kritiker fürchten ein Strohfeuer und warnen, dass übervolle Busse und Bahnen mögliche neue Nutzer eher abschrecken. Doch welche Kunden haben überhaupt etwas vom Neun-Euro-Ticket?

ÖPNV-Stammkunden

Für Pendler mit Abo für den Nahverkehr, mit Monats- oder Jahreskarte lohnt es sich in jedem Fall. Ihnen werden für die Monate nur neun Euro abgebucht oder sie erhalten eine Erstattung. Viele Verkehrsverbünde hoffen, mit den drei günstigen Start-Monaten dauerhafte Abo-Kunden zu gewinnen.

Auto-Pendler

Drei Viertel der Haushalte, die regelmäßig ein Auto nutzen, hielten in einer KfW-Umfrage im Winter einen häufigeren Wechsel auf Busse und Bahnen für vorstellbar. Gut bedient mit einem Umstieg sind diejenigen von ihnen, die passende Bus- und Bahn-Verbindungen zur Arbeit haben, etwa in Ballungsräumen, Großstädten und vielen Mittelstädten. Sie sparen bares Geld, wenn sie ihren Wagen stehen lassen und öffentlich fahren. Denn das 9-Euro-Ticket kostet je Werktag weniger als 50 Cent. So günstig kommt man mit dem Auto kaum hin und her, selbst wenn wie geplant der Spritbonus kommt. Drei Monate lang sollen die Energiesteuern auf Kraftstoffe gesenkt werden.

Ausflügler

Für viele Tages- und Wochenendausflüge, selbst für manche Urlaubsreise in Deutschland kann sich der Kauf lohnen. Zeitungen und Medien-Websites sind längst voll mit Neun-Euro-Ticket-tauglichen Ausflugstipps; Touristiker rechnen mit großem Andrang. Zum Start und Abschluss langer Wochenenden wie zu Pfingsten (5./6. Juni) und Fronleichnam (16. Juni) rechnet der Fahrgastverband Pro Bahn jedoch mit Chaos in den Zügen Richtung Küste und Berge.

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Dorfbewohner

Nicht so viel bringt das Aktionsticket für Bus und Bahn, wenn am Wohnort nur selten Busse oder gar Züge halten. Das ist in vielen Dörfern der Fall. An mehr als jeder dritten Haltestelle kann man nach Berechnungen der Bahn-Tochter Ioki nicht mal einmal pro Stunde in die eine oder die andere Richtung fahren. Man kann auch dort Sprit und Parkgebühren mit dem Neun-Euro-Ticket sparen, muss zeitlich aber sehr flexibel sein.

Radfahrer

Das hängt stark von Reisetag und -uhrzeit ab. Es könnte für Fahrgäste mit Rad mitunter eng werden in den Zügen. Denn die Zahl der Stellplätze ist begrenzt. Wenn es zu voll wird, kann das Zugpersonal entscheiden, keine weiteren Fahrräder einzulassen - auch wenn die Besitzer schon ein Extra-Ticket fürs Rad gekauft haben. Das brauchen sie in den meisten Verkehrsverbünden ohnehin; denn im Neun-Euro-Ticket ist die Mitnahme nicht enthalten.

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Familien

Laut Deutscher Bahn brauchen Sechs- bis 14-Jährige ein eigenes Neun-Euro-Ticket oder einen anderen Fahrschein; die kostenfreie Mitnahme ist beim Neun-Euro-Ticket ausgeschlossen. Kinder unter sechs Jahren reisen generell kostenfrei. Wer viele Kinder hat und nur einmalig einen Ausflug machen möchte, ist möglicherweise mit einem normalen Ticket besser bedient; es beinhaltet die kostenfreie Mitnahme von Kindern bis 14 Jahren.

Fernreisende und Fernpendler

Das Neun-Euro-Ticket gilt nicht im Fernverkehr, also weder in ICE, Intercity und Eurocity noch in den Nachtzügen unterschiedlicher Anbieter, noch in Flixtrain oder Flixbus. Das DB-Fernverkehrsticket beinhaltet in 130 deutschen Städten außerdem das sogenannte City-Ticket: die kostenlose Anfahrt zum Bahnhof und Weiterfahrt zum Zielort mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch hierfür ist das Neun-Euro-Ticket dort nicht nötig.

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