Maskenpflicht in Bus und Bahn

Was Ordnungsamt und BSAG-Kontrolleure in Bremen-Nord erleben

Regelmäßig werden die Fahrausweisprüfer der BSAG von Mitarbeitern des Ordnungsamtes begleitet, um die Maskenpflicht in den Bussen durchzusetzen, auch im Bremer Norden.
21.08.2020, 07:00
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Was Ordnungsamt und BSAG-Kontrolleure in Bremen-Nord erleben
Von Aljoscha-Marcello Dohme
Was Ordnungsamt und BSAG-Kontrolleure in Bremen-Nord erleben

Wer im Bus sitzt aber keinen Maske trägt, bekommt vom Ordnungsamt eine, wenn der eigene Mundschutz etwa zu Hause liegt oder unterwegs kaputtgegangen ist.

Christian Kosak

Wer mit den Bussen und Bahnen der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) unterwegs ist, braucht neben einer gültigen Fahrkarte auch eine Maske, die sowohl den Mund als auch die Nase bedeckt und vor dem Coronavirus schützen soll. Angesichts steigender Infektionszahlen wird die Maskenpflicht in den Fahrzeugen der BSAG nun wieder von Mitarbeitern des Ordnungsamtes durchgesetzt, parallel zur Fahrausweisprüfung. An diesem Tag steht eine gemeinsame Schicht im Bremer Norden auf dem Programm, die an der Haltestelle Bahnhof Vegesack beginnt.

Am Bahnsteig A fährt gerade die Buslinie 92 in Richtung Rönnebeck ein. Verteilt über die drei Türen steigen die Mitarbeiter von BSAG und Ordnungsamt in den Bus ein. Dabei fällt der Blick gleich auf einen Mann, der zwar eine Maske trägt, die aber nicht die Nase bedeckt. „Setzten Sie bitte Ihre Maske richtig auf, sonst bringt das nichts“, ermahnt die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes. Der Mann sagt nichts, zieht die Maske aber mit einem schuldbewussten Blick sofort hoch. Wenige Sekunden später müssen sie den nächsten Fahrgast zur Ordnung aufrufen: „Einmal die Maske über die Nase ziehen.“

Lesen Sie auch

Bisher kommen Fahrgäste ohne Maske noch mit einer Verwarnung davon. Doch das könnte sich zeitnah ändern. Am kommenden Dienstag will sich der Senat mit dem Thema befassen. Nach Informationen des WESER-KURIER könnten schon bald Bußgelder zwischen 50 und 150 Euro für Maskenverweigerer fällig werden.

An der Haltestelle Fährgrund steigen die vier Fahrausweisprüfer der BSAG und die zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes wieder aus. „Wir gehen auf die andere Seite“, sagt der Teamleiter der Kontrolleure, der an diesem Tag den gemeinsamen Einsatz leitet. Als der Trupp die Haltestelle in Richtung Bahnhof Vegesack erreicht, verlässt ein junger Mann die Station kurzerhand. „Das erleben wir immer mal wieder. Die Menschen wollen nur eine kurze Strecke fahren und sich dafür kein Ticket kaufen. Wenn sie uns sehen, überlegen sie es sich anders und gehen doch zu Fuß“, erzählt der Teamleiter.

Schwarzfahrer wollen das Fahrzeug verlassen

Wenig später steigen die Frauen und Männer in den 94er Richtung Marßel ein. Zwei Schwarzfahrer wollen das Fahrzeug noch schnell verlassen, als sie die Fahrausweisprüfer sehen. Doch da ist es schon zu spät, ihre Daten werden erfasst. Für das Ordnungsamt gibt es in diesem Bus nichts zu tun, alle Fahrgäste tragen ihren Mundschutz richtig.

Weil die beiden Schwarzfahrer an der Haltestelle Gustav-Heinemann-Bürgerhaus aussteigen wollen, werden die Formalitäten kurzerhand außerhalb des Busses geklärt. Das sei wichtig, damit die Lage ruhig bleibe. Währenddessen kontrolliert das Ordnungsamt einen Bus der Linie 90 an der Haltestelle. Einen Verstoß gegen die Maskenpflicht können sie nicht feststellen. „Meine Erfahrung ist, dass die meisten Fahrgäste eine Maske tragen“, sagt der Mitarbeiter vom Ordnungsamt.

Lesen Sie auch

Dennoch muss das Team gleich wieder aktiv werden. Als der 91er am Gustav-Heinemann-Bürgerhaus seine Türen öffnet, steigt ein junges Mädchen ohne Maske aus. „Bei der nächsten Fahrt müssen sie eine Maske tragen“, wird sie ermahnt. Ein genervtes „Ja“ ist ihre Antwort. Bei den anderen Fahrgästen im Bus gibt es nichts zu beanstanden.

Anders sieht es bei einer Mutter und ihrer Tochter aus, auf die das Ordnungsamt in einem Bus der Linie 90 in Richtung Neuenkirchen trifft. „Wo ist Ihre Maske?“, fragen die Mitarbeiter und stellen fest, dass der Mundschutz bei beiden am Handgelenk baumelt. Die Mutter versucht die Situation zu klären. „Wir sind gerade vom See gekommen“, erzählt sie. „Trotzdem müssen sie im Bus eine Maske tragen. Alle anderen Fahrgäste haben doch eine auf“, entgegnen die Ordnungshüter. Dann zeigen sich die Frauen einsichtig, setzten ihre Maske auf und entschuldigen sich.

Ohne Maske und ohne Fahrschein

Zurück am Bahnhof Vegesack geht es mit der Linie 98 in Richtung Hammersbeck weiter. Sowohl eine Fahrkarte als auch eine Maske können alle Fahrgäste vorweisen. Doch an der Haltestelle Gerhard-Rohlfs-Straße steigen zwei Männer ohne Mundschutz zu. „Hier gilt Maskenpflicht“, sagt der Mitarbeiter des Ordnungsamtes. „Meine Maske ist kaputtgegangen. Wie soll ich das dann machen?“, fragt der Fahrgast. Auch auf solche Fälle ist das Team vorbereitet und gibt dem Mann eine Maske, die er sofort aufsetzt. Danach wollen die Fahrscheinprüfer der BSAG noch sein Ticket sehen. Doch auch das hat er nicht. Deshalb muss er innerhalb der nächsten zehn Tage in einem der drei Kundencenter der Verkehrsbetriebe 60 Euro Strafe bezahlen. Seinem Kompagnon bleibt das erspart. Er hat sowohl eine Fahrkarte als auch eine Maske dabei, die er umgehend nach der Ermahnung durch das Ordnungsamt aufgesetzt hat.

Direkt im Anschluss an die Tour durch Hammersbeck steigt der Tross an der Haltestelle Gerhard-Rohlfs-Straße in die Buslinie 94 Richtung Schwanewede um. „Wo ist denn Ihre Maske?“, fragt die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes eine Frau in dem Bus, die daraufhin ihre Nase und Mund mit einem Tuch bedeckt. „Beim nächsten Mal müssen sie das vor der Fahrt machen“, gibt sie der Frau noch mit auf den Weg. Daraufhin versucht ein anderer Fahrgast, Partei für die Frau zu ergreifen. „Es ist ja im Moment sehr warm und da ist es schon unangenehm, wenn Mund und Nase bedeckt sind“, sagt er. Auf eine Diskussion lässt sich die Mitarbeiterin jedoch nicht ein. „Die Maskenpflicht gilt auch bei Hitze“, entgegnet sie ihm. Im hinteren Teil des Busses entdecken sie eine weitere Frau ohne Maske. „Setzen sie bitte ihren Mundschutz auf“, sagt der Mann vom Ordnungsamt. „Ich bin doch schwanger“, sagt sie und darf ohne Maske weiterfahren.

Lesen Sie auch

Auf dem Rückweg in Richtung Marßel fällt dem Ordnungsamt erneut ein Fahrgast auf, der zwar einen Mundschutz trägt, der aber nicht die Nase bedeckt. Ein kurzer Hinweis und die Maske sitzt richtig. Ansonsten gibt es für das Team nichts zu beanstanden.

Mit Attest und ohne Fahrschein

Danach wechseln Fahrscheinprüfer und Ordnungsamt in die Buslinie 90 Richtung Gröpelingen. Dort treffen sie auf eine Dame ohne Mundschutz. Auf Nachfrage zeigt sie ein Attest von ihrem Arzt vor, wonach sie aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen muss. Während sie das Dokument ihres Arztes sofort griffbereit hat, kann sie etwas anderes nicht vorweisen: einen Fahrschein. Deshalb wird sie aufgeschrieben und muss eine Strafe von 60 Euro zahlen.

Nach vier Stunden endet die gemeinsame Schicht von BSAG und Ordnungsamt. Im Großen und Ganzen verlief der Dienst ruhig. Doch das ist nicht immer so. „Die Corona-Leugner wollen partout keine Maske tragen und fangen an, zu diskutieren. Aber auch für sie gibt es nur Möglichkeit A oder B: Maske auf oder aussteigen“, sagt die Frau vom Ordnungsamt. Die meisten Fahrgäste würden am Ende einen Mundschutz aufsetzen und könnten somit ihre Fahrt fortsetzen. „Ich selbst musste bisher niemanden des Busses verweisen“, erzählt sie. „Meine Kollegen aber schon.“

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+