Lange Nacht der Museen in Bremen-Nord Es wird auch gruselig

Nachts - ausgerüstet mit der Taschenlampe - lassen sich Museen und Galerien ganz neu erleben. Sieben Häuser in Bremen-Nord haben sich für den 25. Mai etwas einfallen lassen.
03.05.2019, 18:30
Lesedauer: 6 Min
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Von Sylvia Wörmke

Es ist schlichtweg unmöglich, alle Angebote bei der Langen Nacht der Museen am 25. Mai in ganz Bremen wahrzunehmen. Alle sieben Häuser in Bremen-Nord zu besuchen – allein das ist schon ein Kraftakt. Der Veranstaltungstag soll vor allem Interesse wecken und als Werbung für die vielen Museen und Angebote – und den Bremer Norden verstanden werden.

Die Veranstaltungsorte in Bremen-Nord – Denkort Bunker Valentin, Haus Lesmona, Havengalerie, Museum Schloss Schönebeck, Overbeck-Museum, Stiftung Haus Kränholm und Vegesacker Geschichtenhaus – feilen schon seit Wochen an ihren Angeboten. Die Programme sind dort sowie im Info-Point im Kito erhältlich. Außerdem gibt es alle Informationen zur Langen Nacht der Museen unter www.bremen.de/kultur/veranstaltungen/highlights/die-lange-nacht-der-museen. Auch die Abfahrtszeiten für Busse und Schiffe sind hier verzeichnet.

Unter der Regie der Wirtschaftsförderung hat sich der Bremer Norden in einer eigenen Projektgruppe um das Organisatorische gekümmert. Hier wurde organisiert, dass Traditionsschiffe ab 18 Uhr einen Shuttle-Verkehr nach Farge zum Denkort Bunker Valentin anbieten. „Es wird Durchsagen zu den Abfahrtszeiten von der Signalstation geben,“ freut sich die für den Bremer-Norden zuständige Projektkoordinatorin Elvira Krol.

Auf der Weser in die Stadt

Die „Alma“ der Schreiber Reederei fährt auch als Shuttle nach Bremen und zurück, bereits ab 16.30 Uhr ab Vegesack, ist dann um 18 Uhr am Martinianleger, fährt weiter zum Weserstation und kommt um 20 Uhr ab Martinianleger wieder zurück nach Vegesack. Auswärtige wiederum können auf dem Wasser ab 21.30 Uhr von Vegesack wieder in die Stadt gelangen und sind um 23 Uhr zurück.

Auch mit dem Bus können Interessierte sich in Bremen-Nord von einem Veranstaltungsort zum nächsten fahren lassen. Ein Shuttle-Bus fährt zum Denkort Bunker Valentin, an Bord ist ein Tourismus-Guide, der Gästen die Fahrtzeit mit vielen Hintergrundinformationen vertreibt. Ein weiterer Bus nimmt die Tour Schloss Schönebeck, Haus Kränholm, Galerie Lesmona. Die Fahrten starten an der Tourismusbus-Haltestelle Ecke Zur Vegesacker Fähre/Sagerstraße. Radfahrer können sich mit der Bike-it-App von einem Haus zum anderen navigieren lassen.

„Über-Leben“ lautet das Motto der Langen Nacht der Museen in diesem Jahr – die beteiligten Einrichtungen haben es auf ihre eigene Weise umgesetzt. Im Vegesacker Geschichtenhaus gibt es von 18 bis 20.30 Uhr, je zur vollen und halben Stunde, Spielführungen durch die Ausstellung. Vor dem Geschichtenhaus erzählt die „Stelzensippe“ des Kulturladens Huchting von 19 bis 22.30 Uhr von Auswanderung früher und heute und präsentiert um 21 Uhr in der Hafenschänke Lieder und Gedichte vom Aufbruch in eine bessere Welt.

Nach Sonnenuntergang erscheinen auf der Fassade des Alten Speichers Schatten und Bilder aus einer Legende der Inuit. „Es wird auch Dialoge aus den Fenstern geben“, sagt Johanna Pätzold, die mit Mitarbeiterinnen in der Werkstatt noch an den Figuren für das Theater mit Schauspiel arbeitet. Falls das Wetter zu schlecht sein sollte, wird die Projektion ins Haus verlegt. Im Obergeschoss wird ab 20 Uhr durch eine Ausstellung von Werken der Schüler der Malschule Jörns geführt. Titel: Der genaue Blick.

Von 22.30 bis 0.30 Uhr, je zur vollen und halben Stunde, wird es dann bei den Nachtwächterführungen gruselig. Es geht mit Laternen und Tranfunzeln auf die Spur des Klabautermanns bei den Spielführungen. „Wir sind alle gefordert“, erzählt Johanna Pätzold vom Einsatz der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an diesem besonderen Tag.

Im Schloss Schönebeck startet die Lange Nacht für die Kinder um 18 Uhr mit einer Führung durch das Schloss. Es folgen weitere Führungen um 18.15 und 20 Uhr. In Kooperation mit der Arbeitnehmerkammer folgen Veranstaltungen: „Das tollste Ding, das je erfunden wurde“ lautet um 21 Uhr eine Vortragsschau von Thomas Herbrich. Im Kabinett der Museumssammlung veranschaulicht Herbrich, dass ohne die Erfindung der Kerze sich die Kultur längst nicht so weit entwickelt hätte. Ab 22 Uhr gibt es Gambenmusik aus Versailles. Zu hören sind Premek Hájek (Barockgitarre, Theorbe), Anja Engelberg und Claas Harders (Viola da Gamba). Von 24 Uhr bis 1 Uhr erfolgt der Ausklang der Langen Nacht in der Schlossküche im Keller. Hier gibt es von 18 bis 22 Uhr auch etwas zu essen.

Mit der Taschenlampe

„Schaut mal her! Fröhlicher Kunstgenuss mit den Kindern der Overbeck-Klasse“ heißt es um 18 Uhr im Overbeck-Museum. Danach wird um 19 Uhr mit der Lupe auf ungewöhnliche Weise durchs Museum geführt. Museumsleiterin Katja Pourshirazi hat sich das für kleine und große Besucher ausgedacht. Um 20 Uhr folgt eine szenische Führung mit Bärbel Fuhrmann. Titel: „ Aus meinem Leben – Hermine Overbeck“. Bilder-Geschichten werden um 21 Uhr erzählt, ab 22 Uhr folgt eine besondere Art, das Museum kennenzulernen. Booky, das Buchgespenst, ist bei dem Gang mit der Taschenlampe dabei.

In der Havengalerie ist zurzeit die Ausstellung „Tot aber lustig“ des Cartoonisten Michael Holtschulte zu sehen. Er wird an diesem Abend anwesend sein und mit kurzen Lesungen, jeweils zur halben Stunde, unterhalten. Die Sängerin und Pianistin Ella Winkelmann tritt ebenfalls auf.

Von 23 Uhr bis Mitternacht wird bei Fackelschein und Käuzchenrufen im Haus Lesmona, der Galerie von Birgit und Jürgen Waller, im Skulpturengarten ein neues Werk enthüllt. Bereits um 18 Uhr übernimmt Birgit Waller eine Führung durch Haus und Garten. Die Klanginstallation des Worpsweder Bildhauers S. O. Stolle, die noch nicht ganz fertig war, wird ebenfalls eingeweiht. Von 19.30 Uhr bis 23 Uhr kann der erste Teil einer vierteiligen Ausstellung von Jürgen Waller (eine Retropektive zum 80. Geburtstag des Künstlers und ehemaligen Rektors der Bremer Hochschule für Künste) mit Bildern, Zeichnungen und Keramiken angeschaut werden. Natürlich gibt es dazu Informationen. Birgit Waller erzählt ab 20.30 Uhr, getreu dem Motto der Langen Nacht, vom „Überleben“ des Hauses Lesmona.

Zur Langen Nacht der Museen ist die Scheune der Stiftung Haus Kränholm, sonst nur bei Feiern geöffnet, Schauplatz einer Ausstellung mit dem Titel „Känozoikum“, Malerei auf Papier und Leinwand von Bernd Schwarting, durch die um 18.45 und 20 Uhr geführt wird. Bereits um 18 Uhr gibt es Informationen im Kunstcafè zu den Werken von Menno Fahl. Danach kann das Café aufgrund einer Veranstaltung nicht mehr genutzt werden.

In der Scheune geht es weiter. Um 20.15 und 22 Uhr heißt es: „Having never written a note for percussion“. Eine Klangperformance mit Stefan Rapp am Tam-Tam wird angeboten. Kuratorin Inga Harenborg ist neugierig, wie das Publikum darauf reagieren wird. Es handle sich um ein Erlebnis, das durchaus für Zuhörer eine Grenzerfahrung darstellen könnte. Ab 23.30 Uhr folgt eine Dunkelführung durch den Skulpturengarten. Treffpunkt ist jeweils die Bar im Haus Kränholm. Wer nicht an einer Führung teilnehmen möchte, kann sich auch selbstständig auf Entdeckungstour begeben.

Im Denkort Bunker Valentin wird es viele Infos geben. Das Programm von 18 bis 24 Uhr: Teile des Rundwegs und die Ausstellung können besichtigt, der Multimediaguide ausgeliehen werden. Eine Medienprojektion informiert über die Geschichte des Baus. Zur vollen Stunde werden kurze Vorträge geboten. Treffpunkt ist das Informationszentrum. Das Programm: 18 Uhr: Woher kamen die Zwangsarbeiter und warum wurden sie zu Zwangsarbeitern? 19 Uhr: Bilder der Baustelle: Was sie zeigen und was nicht. Welche Rolle spielte Albert Speer beim Bunkerbau? 20 Uhr: Wer hat das Mahnmal „Vernichtung durch Arbeit“ vor dem Bunker gestaltet und was bedeutet es heute? 21 Uhr: Wie kam es zum Ende des Bunkers im März 1945 und was passierte danach? 22 Uhr: Wie leben die überlebenden Zwangsarbeiter nach Haft, Gewalt und Hunger weiter?

Info

Zur Sache

Einmal Eintritt für alle Häuser

Die Teilnahme an der Langen Nacht der Museen kostet zwölf Euro für Erwachsene, ermäßigt neun Euro für Abo-Card-Besitzer des WESER-KURIER, Kinder, Studierende, Arbeitslose, Menschen mit Beeinträchtigungen (freier Eintritt für Begleitperson). Familien zahlen 24 Euro (maximal zwei Erwachsene, drei Kinder im Alter von vier bis 17 Jahren). Es gibt auch Ermäßigungen für Familien. Das Late-Night-Ticket ab 23 Uhr kostet sechs Euro. Im Vorverkauf werden die Eintrittsbänder bei den beteiligten Museen, in der Geschäftsstelle der NORDDEUTSCHEN, Reeder-Bischoff-Straße 33, in Vegesack, und im Pressehaus des WESER-KURIER, Martinistraße 43, verkauft. Sie gelten auch als Fahrscheine im Tarifgebiet 1 des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen, auf den Schiffen und in den Shuttle-Bussen sowie für die Abschlussparty ab 24 Uhr im Alten Pumpwerk in Findorff, Salzburger Straße 12.

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