Fähren Bremen-Stedingen An Bord herrscht Maskenpflicht

Die Fährgesellschaft Bremen-Stedingen hat eine Kampagne zur Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen gestartet. Sollte die Aktion nicht greifen, wird ein externer Sicherheitsdienst eingesetzt.
24.08.2020, 19:03
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An Bord herrscht Maskenpflicht
Von Julia Ladebeck

Ab dem 1. September läuft der Fährverkehr an allen drei Fährstellen zwischen Bremen-Nord und der Wesermarsch wieder im Normalbetrieb. Das hat Andreas Bettray, Geschäftsführer der Fährgesellschaft Bremen-Stedingen, jetzt angekündigt. Der Hintergrund ist seinen Worten nach die deutliche Zunahme der Beförderungszahlen, insbesondere durch neue Fährkunden, die im Zuge der Corona-Krise bewusst von öffentlichen Verkehrsmitteln auf „Individual-Mittel, also Pkw und Fahrrad“ umgestiegen seien.

Zum Schutz der Fahrgäste und der Fährbesatzung gilt an Bord die Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen. Das heißt: Radfahrer und Fußgänger müssen während der gesamten Fährfahrt eine Maske tragen, Autofahrer beim Abkassieren und wenn sie aussteigen. Außerdem sollen Abstände eingehalten und Gruppenbildungen vermieden werden. Auch für die Fährmitarbeiter selbst gilt eine Maskenpflicht.

„Mehr als 60 Prozent der Fährkunden halten sich bereits an diese Schutzmaßnahmen, sind verständnisvoll und diszipliniert. Das ist sehr positiv“, betont Bettray. Um auch die übrigen Kunden davon zu überzeugen, Masken zu tragen und Abstände einzuhalten, hat die Fährgesellschaft jetzt eine Kampagne gestartet.

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„Uns war es wichtig, das Thema augenzwinkernd und positiv zu vermitteln“, sagt Bettray. „Aus diesem Grund haben wird uns in einem ersten Schritt nicht für Restriktionen wie Beförderungsverbote oder Einbindung der Ordnungsbehörden entschieden, sondern für eine pfiffige und optimistische Werbekampagne.“ Beauftragt wurde die Grafik-Designerin Ulrike Rank, die eine Werbeagentur in Schwanewede betreibt.

Sie hat sich passende Illustrationen überlegt und den „Flaggenmann“ entworfen, der zur Verdeutlichung des nötigen Abstands die Arme ausbreitet und in beiden Händen Flaggen hält. Außerdem hat Rank sich die „Silbermöwen-Spannbreite“ ausgedacht, die ebenfalls die erforderlichen 1,5 Meter Abstand veranschaulichen soll. Unter der Überschrift „Fähr-Play“ weisen Flaggenmann und Möwen nun an Bord aller fünf Fähren die Fahrgäste auf die Regeln an Bord hin. Sie finden sich auf Flyern, Aufstellern an den Schiffsanlegern und auf Folierungen, die an verschiedenen Stellen der Fährschiffe angebracht wurden.

„Das war eine Herausforderung, weil die Flächen sich in den vergangenen Wochen bei den hohen Temperaturen zum Teil auf 45 Grad aufgeheizt hatten“, erzählt Nadine Rogge, Inhaberin der Firma Werbeschnipsel, die mit den Folierungen beauftragt wurde. Auch eine Belohnung für besonders verantwortungsbewusste Fahrgäste hat Grafik-Designerin Ulrike Rank sich ausgedacht: einen Gutschein für „Die kleinste Kreuzfahrt der Welt“, der eine Hin- und Rückfahrt für eine Person ohne Auto auf den Schiffen der Fähren Bremen-Stedingen GmbH beinhaltet. „Das ist auch eine tolle Idee, weil sie unseren Optimismus zum Ausdruck bringt“, zeigt sich Andreas Bettray begeistert von dem Einfall.

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Der Geschäftsführer hofft nun, dass die Kampagne, in die eine fünfstellige Summe investiert wurde, Wirkung zeigt. „Angesichts der steigenden Infektionszahlen mit über 1700 Fällen, die das Robert-Koch-Institut für einen einzigen Tag gemeldet hat, startet sie genau zum richtigen Zeitpunkt“, ist der Geschäftsführer überzeugt. „Ich habe die große Erwartung und Hoffnung, dass es eine erfolgreiche Aktion wird.“ Neben der Verantwortung gegenüber den Kunden, für die die Fährgesellschaft verlässlich bleiben will, spiele die Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern eine wichtige Rolle.

Norbert Müller, Betriebsratsvorsitzender bei der Fährgesellschaft, betont: „Es geht auch um unseren Schutz. Denn wir müssen täglich an zahlreiche Fahrer und Fußgänger herantreten, wenn wir das Fahrtgeld kassieren.“ Er erläutert, was es bedeutet, wenn die Crewmitglieder immer wieder mit Passagieren diskutieren müssen, die es nicht einsehen, eine Maske zu tragen: „Wir haben dafür einfach nicht die Zeit, weil wir kassieren müssen. Und es gehört auch nicht zu unseren Aufgaben.“ Mehrfach habe es bereits Auseinandersetzungen gegeben. Auf einem Fährschiff, das zwischen Vegesack und Lemwerder pendelt, sei es fast zu einer Eskalation gekommen.

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Bettray setzt nun auf den Erfolg der Kampagne und die Einsicht der Fahrgäste, denn er möchte keine Aggressionen an Bord der Fährschiffe und Restriktionen eigentlich vermeiden. „Sollte sich jedoch herausstellen, dass die Kampagne bei Maskenmuffeln und -verweigerern nicht greift, werden wir im Interesse unser Fährkunden und Fährbesatzungen die notwendigen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz ergreifen und umsetzen“, kündigt der Geschäftsführer an. Dazu gehöre der Einsatz eines externen Kontrolldienstes. „Wir möchten das natürlich möglichst vermeiden, denn das ist nicht nur eine unangenehme Aufgabe, sondern auch eine teure“, betont Bettray.

Trotzdem habe er bereits Kontakt zu einem privaten Sicherheitsunternehmen aufgenommen, dass bereitstehe und jederzeit die Arbeit auf den Fähren aufnehmen könne. Auch Beförderungsverbote werde die Fährgesellschaft aussprechen, sollten Fahrgäste partout ablehnen, eine Maske zu tragen, oder sich weigern, die Abstandsregeln einzuhalten. „Notfalls wenden wir das Fährschiff und verweigern die Beförderung sofort“, nennt Norbert Müller eine weitere Möglichkeit, mit uneinsichtigen Passagieren umzugehen. Die soll jedoch möglichst nicht zum Einsatz kommen.

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