Verkehrsprobleme in Bremen-Nord Schaefer will Nordwestbahn abmahnen

Staus auf der Lesumbrücke, Zugausfälle auf der Strecke zwischen Hauptbahnhof und Farge – in Vegesack diskutierten IHK und Unternehmer mit Senatorin Maike Schaefer über die Verkehrsprobleme im Bremer Norden.
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Gabriela Keller

Verkehrssenatorin Maike Schaefer will die Nordwestbahn abmahnen wegen der Zugausfälle und Verspätungen auf der Regio-S-Bahn-Strecke zwischen Hauptbahnhof und Farge. Das ist die Nachricht des Abends beim Dialogforum in der Strandlust. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bremen und der Wirtschafts- und Strukturrat haben die Senatorin eingeladen, um mit ihr über die verkehrspolitischen Baustellen in Bremen-Nord zu diskutieren.

Über die Probleme bei der Nordwestbahn regen sich nicht nur Pendler auf. Auch Firmen beklagen, dass ihre Mitarbeiter verspätet zur Arbeit kommen. Aus dem Kreise der Unternehmer muss sich Maike Schaefer Kritik anhören, ihr Ressort habe nicht genug Druck auf das Bahnunternehmen ausgeübt. Das soll sich jetzt ändern. „Wir sind dabei, eine Abmahnung auszusprechen und zu schreiben“, sagt die Verkehrssenatorin wörtlich. Eine Abmahnung sei bei der öffentlichen Hand aber nicht von heute auf morgen möglich, gibt Schaefer zu verstehen. „Es gibt ein mehrstufiges Verfahren, das wir einhalten müssen.“ Mehr sagt sie dazu an diesem Abend nicht.

Lesen Sie auch

Ein Grund für die Probleme bei der Nordwestbahn ist der Triebfahrzeugführer-Mangel. Erst in diesem Jahr hat Bremen den Vertrag mit dem Bahnunternehmen bis 2036 verlängert. „In unserer Ausschreibung haben wir vorgeschrieben, dass eine bestimmte Anzahl an Lokführern auszubilden ist“, sagt Schaefer.

Zum Nadelöhr Lesumbrücke wiederholt die Senatorin Bekanntes: „Bis Ende 2020 soll die Brücke komplett saniert sein.“ Und bis zur geplanten Fertigstellung des Neubaus in 2028 genutzt werden. Die Sanierung muss laut Schaefer europaweit ausgeschrieben werden. Bei der IHK erwartet man, dass das Ressort dabei Gas gibt. „Die EU-Ausschreibung muss flott erfolgen, damit die Baustelle den Unternehmen nicht so viel Geld kostet“, fordert Präses Janina Marahrens-Hashagen.

Stauzeit von fünf bis sieben Minuten

Laut Schaefer haben Echtzeit-Messungen eine durchschnittliche Stauzeit von fünf bis sieben Minuten auf der Lesum-Brücke ergeben. Aus dem Publikum wird die Aussage mit Gelächter quittiert. Auf dem Podium berichten drei Unternehmensvertreter von ihren Erfahrungen. „Im Schnitt verlieren wir bei jeder Fahrt über die Brücke 15 Minuten Zeit. Dadurch entstehen uns über das Jahr gesehen zusätzliche Kosten von mehreren tausend Euro“, sagte Achim Boot, Geschäftsführer der Werbeagentur Designland. Durch die Verkehrsbehinderungen sei das Unternehmen weniger flexibel und im Wettbewerb mit Firmen in der Innenstadt im Nachteil. Die könnten niedrigere Preise kalkulieren.

Zeit und Geld kostet die Teilsperrung der Brücke auch die Nehlsen AG, macht Geschäftsführer Frank Kuhna deutlich. Früher habe das Unternehmen für Firmenkunden täglich acht große Container zwischen Bremen-Nord und der Müllverbrennungsanlage in der Innenstadt hin und her gefahren, heute seien es fünf. „Für einen Auftrag brauchen wir heute eineinhalb Stunden, früher war es eine Stunde.“ Für das Unternehmen und damit auch für die Kunden bedeute das zusätzliche Kosten. „Wir freuen uns auf den Wesertunnel“, meint Kuhna. Auch eine grüne Welle durch optimierte Ampelschaltungen auf dem Heerstraßenzug in Burg, wie sie die IHK seit langem fordert, könnte helfen. „Der Heerstraßenzug ist für uns eine wichtige Ausweichstrecke“, so Kuhna.

Lesen Sie auch

Strandlust-Chef Philipp Thiekötter berichtet von Gästeschwund wegen der Staus auf der Lesum-Brücke. „Für Stadtbremer ist es jetzt noch unattraktiver geworden, nach Bremen-Nord zu kommen. Gäste, die ihren Flieger kriegen müssen, schlafen nicht mehr hier, sondern fahren nach einer Veranstaltung zur Übernachtung in die Innenstadt.“ Auch Veranstaltungen sind laut Thiekötter wegen der Stauprobleme auf der Brücke schon abgesagt worden. „Eine große Weihnachtsfeier für 60 Personen, die wir sonst jedes Jahr im Dezember ausrichten, findet aus diesem Grund diesmal nicht statt.“ Vergangenes Jahr hätten Gäste aus der Innenstadt zwei Stunden im Stau gestanden.

Die Probleme bei Brücke und Nordwestbahn machen dem Strandlust-Chef aus einem weiteren Grund Sorgen: „Als Arbeitgeber werden wir unattraktiv.“ Eine Gefahr, die auch die Handelskammer sieht. Zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Bremen-Nord sei eine verlässliche Verkehrsanbindung wichtig, betont Janina Marahrens-Hashagen. Bei der Handelskammer setzt man auch auf den Wesertunnel. Der Bau der Weserquerung müsse zügig vorangetrieben werden, fordert die Präses. Auch ihr gehe es beim Tunnel zu langsam, sagt Senatorin Maike Schaefer. „Wir hoffen, dass das Projekt 2024 endlich fertig wird.“

Drittes Gleis in Burg

Mit dem dritten Gleis in Burg bringt Marahrens-Hashagen eine weitere Forderung der IHK zur Sprache. Weil der Güterverkehr auf der Strecke zwischen Bremen und Bremerhaven Vorrang hat, müssen Züge der Regio-S-Bahn in Burg oft warten. Ein drittes Gleis soll Abhilfe schaffen. „Wir machen da Druck beim Bund“, sagt Maike Schaefer. In einem Brief an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer habe sie sich dafür eingesetzt, dass Bremen für die geplante Maßnahme Geld aus dem Milliardentopf erhält, mit dem der Bund in den kommenden zehn Jahren Modernisierungen auf der Schiene fördern will.

Der Blumenthaler Ortsamtsleiter Peter Nowack meldet sich im Publikum zu Wort, macht einen weiteren Vorschlag. Es gebe, sagt Nowack, ein Forschungsprojekt für eine Weser-Schnellfähre mit innovativem Antrieb als Verbindung zwischen der Innenstadt und Bremen-Nord. „Die industriellen Kapazitäten für den Bau einer solche Fähre hätten wir im Bremer Norden, die Fähre könnte in den Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen eingebunden werden“, meint Nowack. Finanzierbar sei das Ganze auch. Nowacks Vorschlag einer Machbarkeitsstudie greift Schaefer auf. Für andere Bereiche in der Stadt würden derzeit neue Fährverbindungen untersucht. „Vielleicht lässt sich der Bremer Norden mit einbinden.“

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+