Fridays for Future & Co.

Wie Jugendliche in Bremen und umzu sich für Umwelt und Klima engagieren

Mehr als nur einmal die Woche demonstrieren: So können sich Jugendliche in Bremen-Nord und Umgebung für die Umwelt und das Klima engagieren - ein Überblick.
10.10.2019, 20:30
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Jörn Hildebrandt
Wie Jugendliche in Bremen und umzu sich für Umwelt und Klima engagieren

Die Ökologiestation setzt einen klaren Schwerpunkt auf die Arbeit mit Kindergarten- und Grundschulkindern, doch auch Jugendliche können bei der Garten- und Geländearbeit helfen.

Ökologiestation Bremen

Jugendlichen ist derzeit der Schutz von Umwelt und Klima wichtiger als der künftige Job, wie eine Umfrage des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung an der Technischen Universität Berlin jüngst zeigte. Die regelmäßigen „Fridays for future“-Demonstrationen, die auch auf dem Bremer Marktplatz stattfinden, sind eine besonders medienwirksame Aktion. Doch wo können Jugendliche, die sich für Klima-und Umweltschutz engagieren möchten, mehr tun, als einmal in der Woche ihren Protest zum Ausdruck zu bringen?

Klima-, Umwelt- und Naturschutz bilden einen Gesamtzusammenhang. Wer zum Beispiel Schulhöfe entsiegelt und dort neue Bäume, Büsche oder Wiese schafft, trägt dazu bei, dass Niederschläge im Boden versickern können und tut zugleich etwas für den Naturschutz. Und die Vegetation legt CO₂ in Form von Biomasse fest. Wer langfristig Amphibien in Mooren schützen will, muss für hohe Wasserstände sorgen, sodass Torfmoose wachsen und CO₂ binden können.

Lesen Sie auch

In der Region bieten mehrere Umweltorganisationen Aktivitäten an. Jugendliche, die sich längerfristig engagieren möchten, können dies mit einem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) tun. Es bietet für junge Leute zwischen 16 und 26 Jahren eine Möglichkeit, sich aktiv für den Umweltschutz einzusetzen. Das FÖJ wird als Bildungsjahr anerkannt, und die Teilnehmer erhalten ein Taschengeld in Höhe von 200 Euro, Unterkunft und Verpflegung oder eine Sachkostenersatzpauschale. Über ihr praktisches Tun hinaus erarbeiten sich FÖJler an 25 Seminartagen auch Kenntnisse zu Themen wie „Energie und Klima“ oder „Nachhaltiger Konsum“. FÖJ-Stellen bieten zum Beispiel die Biologische Station Osterholz (Bios), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Bremen oder auch der Naturschutzbund (Nabu) Bremen an.

Die Arbeit in Projekten oder Arbeitsgruppen von Umweltorganisationen ist hingegen weniger bindend und offener als ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Wer sich draußen in der Natur körperlich betätigen möchte, kann bei den zahlreichen Biotoppflegemaßnahmen der Aktionsgemeinschaft Bremer Schweiz (AGBS) mitmachen: „Wir kümmern uns zum Beispiel um eine Streuobstwiese in Knoops Park, und wir haben in Löhnhorst eine Feuchtwiese gepachtet, die wir regelmäßig pflegen“, sagt Susanne Wagner, Vorsitzende der AGBS, „doch wir machen auch politische Arbeit, indem wir uns zum Beispiel mit Bebauungsplänen auseinandersetzen. Jugendliche sind bei uns jederzeit willkommen.“

Schwerpunkt auf Arbeit mit Kindern

Die Ökologiestation in Bremen-Nord setzt einen klaren Schwerpunkt auf die Arbeit mit Kindergarten- und Grundschulkindern. „Doch auch Jugendliche können gern bei unserer Garten- und Geländearbeit helfen“, sagt Biologin Martina Schnaidt von der Ökologiestation. Dort wurde in diesem Jahr der große Garten mit Obstbäumen, Wildblumenwiese und Kräuterbeeten erneuert und bedarf weiterhin einer kontinuierlichen Pflege.

Speziell auf Jugendliche zugeschnittene Projekte bieten jedoch weder die AGBS noch die Ökologiestation an, und auch nicht die Biologische Station Osterholz (Bios), bei der gleichfalls Projekte mit Kindern den Schwerpunkt bilden; die Altersstufen sind jedoch nach oben hin offen. „Wir führen zum Beispiel mit Schulklassen Projekte zum Artenschutz und zum Schutz von Mooren durch“, sagt Imme Klencke, Geschäftsführerin bei der Bios. „Die Schüler lernen auf Exkursionen die heimische Tier- und Pflanzenwelt sowie Lebensräume kennen oder üben sich in praktischer Naturschutzarbeit, wie dem Bau von Insektenhotels.“

Lesen Sie auch

Das Regionale Umweltbildungszentrum der Bios bietet auch Jugendlichen Themenkoffer an, zum Beispiel zu Landschaft und Geschichte oder regionalen Lebensmitteln, und auf Radtouren wie dem Butenpaad können auch ältere Schüler mit Bios-Mitarbeitern die Landschaften von Moor und Geest erleben. Spezielle Angebote für Jugendliche sind jedoch nicht im Programm.

Beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Bremen gibt es für Bremen-Nord einen eigenen Arbeitskreis (AK). „Außer unserer umweltpolitischen Arbeit führen wir auch zahlreiche naturschutzpraktische Projekte durch und würden uns über die Mitarbeit von Jugendlichen freuen“, sagt Manfred Severit vom AK Bremen-Nord. Dort können sich Jugendliche auch in weitere BUND-Arbeitsgruppen einbringen, die zum Beispiel Fledermauskästen aufhängen, Krötenschutzzäune bauen und Blühstreifen anlegen. Eine zentrale Anlaufstelle für engagierte Jugendliche bietet die BUND-Jugend, die sich zweimal monatlich in der Geschäftsstelle Am Dobben trifft und für neue Anregungen offen ist. „Die BUND-Jugend ist in vielen Tätigkeitsfeldern aktiv, wir machen Aktionen wie Banner malen, Quizspiele und beteiligen uns an Demos“, sagt Konrad Kreutzer vom BUND Bremen. „In der Gruppe kann jeder seine eigenen Ideen einbringen.“

Pflanzenvielfalt in die Großstadt bringen

Die derzeit zwölf bis 15 Jugendlichen in der BUND-Jugend haben sich nicht auf bestimmte Themen festgelegt, die vielfältigen Aufgaben jedoch je nach Lust, Fähigkeiten und Kenntnissen aufgeteilt: „Einige übernehmen zum Beispiel das Netzwerken oder verschaffen sich einen Überblick über geplante Klima- und Umweltschutzaktionen, andere bedienen die sozialen Medien“, sagt Konrad Kreutzer. Zu den konkreten Aktionen gehört zum Beispiel das „guerilla gardening“, bei dem Samenbomben auf Plätzen verteilt werden, um mehr Pflanzenvielfalt in die Großstadt zu bringen und den Artenreichtum zu erhöhen.

Auch an den „Fridays for Future“ -Demos nehmen einige Mitglieder der BUND Jugend teil. „Wir haben dort zum Beispiel Gutscheine für einen Fair-Trade-Laden verteilt, um den fairen Handel unter den jungen Leuten bekannt zu machen. Wir wollen uns auf der Freitagsdemo jedoch nicht unbedingt nach vorn spielen“, sagt Kreutzer.

Lesen Sie auch

Der Nabu Stedingen, der in den Gemeinden Lemwerder und Berne aktiv ist, bietet eigene Projekte im Rahmen seiner Naturschutzjugend (Naju) an. „Unser Motto lautet ,all days for future‘ und nicht nur freitags“, sagt Hartmut Drebing, der die Nabu-Gruppe Stedingen leitet. „Wir wollen künftig eine eigene Jugendgruppe gründen, doch es fehlen uns einfach Erwachsene, die Jugendliche betreuen.“ Auf dieses personelle Defizit weisen auch andere Verbände und Vereine hin. Es mangelt an fachlich versierten Leuten, die sich engagierter Jugendlicher annehmen, denen der Schutz von Umwelt und Klima zur Chefsache geworden ist.

Informationen über die Aktivitäten für Jugendliche finden sich auf den Internetseiten der oben genannten Umweltverbände.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+