Crow Mountain Survival

Ab durch den Schlamm

Dreck, Schweiß und Regen: Bremens erster Hindernislauf Crow Mountain Survival hatte es in sich. Trotzdem schafften es alle Teilnehmer ins Ziel.
23.09.2018, 20:36
Lesedauer: 3 Min
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Ab durch den Schlamm
Von Elena Matera
Ab durch den Schlamm

Jeanette Spernat kämpft sich durch die Matschgrube. Hier trifft sie auch ihre späteren Verbündeten: Christina und Nicola.

Christina Kuhaupt

Die Grube ist voller Matsch. In der Luft liegt ein modriger Geruch. Auch das bräunliche Wasser sieht nicht gerade sehr einladend aus. Jeanette Spernat zögert kurz. Ein skeptischer Blick, dann rutscht sie ganz leicht in den Schlamm hinein. Ihr Gesicht verzieht sich, aber sie geht weiter. In der Hocke bewegt sie sich vorsichtig voran.

Aufrecht gehen darf sie nicht, denn über ihr sind Holzbalken befestigt, unter die sie hindurchklettern muss. Ihre beiden Freunde, die am Rand stehen, feuern Jeanette an. Sie kann sich nicht mehr in der Hocke halten und fällt auf die Knie. Noch ein paar Schritte, dann hat sie es geschafft. Voller Schlamm richtet sich Jeanette auf und läuft los. Das nächste Hindernis wartet.

Jeanette Spernat nimmt beim Crow Mountain Survival teil, Bremens erstem Hindernislauf. Organisiert wird er von dem Unternehmen bremenRAcing und vom Sportverein ATS Buntentor. Bei sogenannten Obstacle Course Racings, kurz OCR-Rennen, müssen die Teilnehmer einen Langstreckenlauf mit verschiedenen Hindernisse überwinden.

In der Matschgrube kennengelernt

Eine körperliche und mentale Herausforderung. Bei dem Crow Mountain Survival in Bremen können die Teilnehmer drei Distanzen absolvieren: vier, acht und zwölf Kilometer – als Einzelteilnehmer oder im Team. Jeanette ist Einzelläuferin. Die 36-Jährige ist bereits in Hamburg bei einem Hindernislauf mitgelaufen. Bei dem Crow Mountain Survival läuft sie die Vier-Kilometer-Strecke. Das reicht ihr.

Sie hat wenig geschlafen, denn die Zahnmedizinische Fachangestellte hat auch noch einen Nebenjob: Sie kellnert. Bis drei Uhr nachts musste sie arbeiten. Ein Energydrink und die Vorfreude müssen für diesen Lauf ausreichen. Das nächste Hindernis steht bevor: der Werdersee. Brusthoch müssen die Läufer in ihren Klamotten durch das Wasser waten.

Die Läufer der Acht-Kilometer-Strecke müssen durch den See schwimmen. Jeanette Spernat hat sich mittlerweile mit zwei anderen Frauen verbündet, die ebenfalls alleine gestartet sind: Christina und Nicola. In der Matschgrube haben sich die drei Teilnehmerinnen kennengelernt. Gemeinsam kämpfen sie sich durch Matsch und Dreck und treiben sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Und das ist gut so, denn viele der Hindernisse sind alleine nur schwer zu bewältigen.

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„Ohne Teamwork geht es nicht“, sagt Herwig Renkwitz von bremenRAcing. „Es geht hier nicht um Schnelligkeit. Es soll doch vor allem Spaß machen. Ich bin sehr glücklich und stolz, dass wir das hier alles auf die Beine gestellt haben.“ Renkwitz hat mit seinem Kollegen Thomas Adick den Lauf organisiert. Auch Tim Krüger und Gerrit Lubitz vom ATS Buntentor haben keine Mühen gescheut.

Die Beiden haben alle künstlichen Hindernisse selbst gebaut – die letzten in der Nacht vor der Veranstaltung. Ob Sprossenwände, Hangelstangen, Netze zum Unterkriechen oder Betonröhren – die Hindernisse haben es in sich. Auch natürliche Hindernisse müssen bewältigt werden. Der Werdersee, verschiedene Kriechhindernisse und das Brombeergebüsch sind nur einige Beispiele.

Jeanette und ihre neu dazugewonnenen Mitstreiter stehen mittlerweile einem lebenden Hindernis gegenüber: dem Footballteam Ritterhude Badgers. Das Team ist extra für den Hindernislauf angereist. Die fünf muskulösen Männer sehen mit ihren Helmen und Schutzpolstern unüberwindbar aus. Die Frauen müssen hindurch, aber wie?

Dreckig, erschöpft und überglücklich

Sie rennen immer wieder gegen die Männer. Auch andere Läufer erreichen das Hindernis. Einige versuchen, die Spieler abzulenken, andere rennen gegen sie. Und dann haben sie es geschafft – die menschliche Wand ist durchbrochen. Auch hier sieht man: Ohne Teamgeist geht es nicht. Jeanette, Christina und Nicola laufen immer weiter.

Sie klettern über Wände und auf Container, sie kriechen unter Netze hindurch und balancieren auf einer Slackline. Es ist kalt und es regnet. Die Frauen sind nass, außer Atem, ihre Arme und Beine sind voller Dreck. Doch das ist ihnen egal. Es scheint, als würde ihnen jedes überwundene Hindernis einen Motivationsschub geben. Das Adrenalin lässt sie zur Höchstform auflaufen. Ihr Ehrgeiz ist längst geweckt.

Nach mehr als einer Stunde erreichen Jeanette, Christina und Nicola Hand in Hand endlich das Ziel. Auf die vorderen Plätze haben sie es nicht geschafft, aber das ist ihnen egal. Jetzt heißt es erst einmal: trinken, essen und feiern. Immer mehr Teilnehmer trudeln in das Ziel ein. Einige rennen, andere gehen langsam. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind dreckig, erschöpft und überglücklich. Auch die Organisatoren freuen sich mit den einlaufenden Teilnehmern und legen jedem einzelnen eine Medaille um – denn sie alle haben es ins Ziel geschafft.

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