Sind ja nur die Frauen? Wolfsburgs Frauen holen Double und dürfen nicht feiern - aus Rücksicht auf Herrenmannschaft

Sie sind eine der besten deutschen Frauenfußballmannschaften und haben das am Samstag in Köln auch wieder bewiesen: die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg haben das Double geholt, dürfen aber nicht feiern.
28.05.2017, 09:51
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Wolfsburgs Frauen holen Double und dürfen nicht feiern - aus Rücksicht auf Herrenmannschaft
Von Stefanie Heitmann

Sie sind eine der besten deutschen Frauenfußballmannschaften und haben das am Samstag in Köln auch wieder bewiesen: die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg haben das Double geholt, dürfen aber nicht feiern.

Gleich zwei Titel haben die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg in dieser Saison geholt: Die Bundesliga-Spielerinnen wurden zum dritten Mal in Folge den DFB-Pokalsiegerinnen und haben den Meistertitel holen können.

Groß feiern, nämlich öffentlich am Wolfsburger Rathaus mit den Fans, dürfen sie den sportlichen Erfolg aber nicht - aus Rücksicht auf die sportlich mäßige Herrenmannschaft: Wie der VfL auf seiner Homepage erklärt, soll sich "der gesamte VfL in diesen Tagen natürlich komplett auf die Relegation" konzentrieren "weshalb die grün-weiße Party für die Frauenmannschaft bewusst erst zum Start der kommenden Saison stattfinden wird".

Die Herrenmannschaft ist vom Abstieg aus der Bundesliga bedroht und muss am Montag im Relegations-Rückspiel gegen Eintracht Braunschweig antreten.

Trainer Ralf Kellermann, der mit seinem Team in den vergangenen vier Jahren neun Titel holte - zwei Champions-League-Siege, drei Meisterschaften, vier Pokalerfolge - und dem VfL viel Sympathien einbrachte, zeigte sich erschüttert. Schon auf der Pressekonferenz vor dem Finale in Köln konnte der 48-jährige frühere Fußball-Profi Ärger und Enttäuschung über das mangelnde Feingefühl gegenüber den Spielerinnen nicht verbergen. "Das tut weh, es hat uns hart getroffen", gestand der Frauen-Welttrainer von 2014, "vor allem die Art und Weise, wie es kommuniziert wurde."

Erst auf konkrete Nachfrage der Deutschen Presse Agentur erläuterte Kellermann, dass die Spielerinnen es erst aus den Medien erfahren hatten. Dass die Party im August nachgeholt werden soll, klingt wie Hohn. Und ist kein Trost. Zudem wandte Kellermann ein: "Einige Spielerinnen sind dann gar nicht mehr da. Zudem liegt alles dann schon lange zurück."

Wolfsburg sollte sich nicht wundern, wenn diese Geschichte trotz des demonstrativen Lobs und der Glückwünsche der Bosse auf der Homepage einen weiteren Imageschaden hervorruft. In den Foren und Sozialen Medien wimmelt es von Kommentaren erboster Frauenfußball-Fans. Die im Internet häufig geäußerte Vermutung, umgekehrt hätte es sicher keine Absage einer Männer-Party gegeben, ist zwar nicht zu beweisen, aber eher wahrscheinlich.

Trotz des Tiefschlags bewiesen die Frauen und ihr Trainer Größe. Wie sie denn jetzt feiern? Kellermann: "Wir werden das Männer-Spiel am Montag gemeinsam in der Kabine schauen und ihnen die Daumen drücken. Vielleicht können wir danach ja gemeinsam feiern." (mit Material von dpa)

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