Stadt verkündet neue Regeln Wie Delmenhorst jetzt gegen Corona kämpft

Oberbürgermeister Axel Jahnz, Corona-Krisenmanager Rudolph Mattern, Gesundheitsamtschef Helge Schumann und der stellvertretender Inspektionsleiter der Polizei, Carsten Hoffmeyer, haben neue Corona-Regeln verkündet.
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Wie Delmenhorst jetzt gegen Corona kämpft
Von Gerwin Möller

In Delmenhorst wird für die Gastronomen eine Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr angeordnet, öffentliche Veranstaltungen werden untersagt und private Treffen eingeschränkt. Die Maskenpflicht wird auf Kundenparkplätze von Einkaufszentren erweitert und Prostitution verboten. Die Zahl der Corona-Infizierten in Delmenhorst steigt rasant: Waren es am 6. Oktober noch 215 Betroffene, wurde am Sonntag die Zahl 475 gemeldet. Der für behördliche Auflagen entscheidende Inzidenzwert liegt bei 201,1 Fällen auf 100.000 Einwohnern innerhalb einer Woche, schon ab dem Wert 50 muss gehandelt werden.

Im Rathaus verkündeten Oberbürgermeister Axel Jahnz, sein Corona-Krisenmanager Rudolf Mattern, Gesundheitsamtschef Helge Schumann und für die Polizei deren stellvertretender Inspektionsleiter Carsten Hoffmeyer neue Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Schon seit Sonntag sind alle Gottesdienste sowie sämtliche Sportveranstaltungen abgesagt. Ab sofort tritt eine Sperrstunde in Kraft, die Gastronomie schließt spätestens um 23 Uhr. Für private Feiern in der Gastronomie soll eine Obergrenze von 25 Personen gelten.

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Vereine dürfen künftig keinerlei öffentliche Veranstaltungen mehr durchführen. Stärker reglementiert werden auch private Zusammenkünfte. Es dürfen nur noch maximal zehn Personen aus zwei Haushalten in geschlossenen Räumen zusammenkommen. Auch bei Treffen unter freiem Himmel gilt diese Beschränkung. Die Maskenpflicht, seit vergangenem Mittwoch schon auf die gesamte Fußgängerzone ausgeweitet, gilt auch für weitere öffentliche Plätze, beispielsweise den Bahnhofsvorplatz. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung wird darüber hinaus auch auf den Kundenparkplätzen von Einkaufsmärkten verpflichtend.

Dort müssen die Händler die Einhaltung kontrollieren und sind auch für eine Bereitstellung von Desinfektionsmitteln in der Verantwortung. Auch die Prostitution wird in Delmenhorst wieder verboten. Oberbürgermeister Jahnz kündigte an, dass man die Einhaltung der Auflagen laufend kontrollieren werde. Er appelliere in erster Linie natürlich an die Eigenverantwortlichkeit der Bürgerinnen und Bürger. Die Stadtverwaltung könne nicht bis an jede Haustür alleinverantwortlich für die Kontrolle sein. Man werde Hinweisen aus der Bevölkerung auf „schwarze Schafe“ nachgehen. Regelverstöße dürften nicht geduldet werden.

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Am Wochenende hat die Polizei bereits gastronomische Betriebe überprüft. „Die meisten Gastronomen waren in Bezug auf die Einhaltung der Hygienemaßnahmen und des Führens von Kontaktpersonenlisten vorbildlich“, sagte Carsten Hoffmeyer. Aber es hatte auch fünf Betriebe gegeben, in denen die Listen unvollständig waren oder gar nicht vorgelegt werden konnten. Diese fünf Gaststätten wurden von der Polizei geschlossen. Axel Jahnz kennt in Bezug auf Regel-Verweigerer kein Mitleid, er werde den betroffenen Gastronomen ein ordentliches Bußgeld auferlegen, „manche verstehen eine andere Sprache wohl nicht“, sagte der Verwaltungschef.

Jahnz selbst sieht sich mit Vorwürfen aus den Reihen der CDU-Stadtratsfraktion konfrontiert. In sozialen Medien werde diskutiert, dass verschiedene Großhochzeiten in Bremen Auslöser des Infektionsgeschehens in Delmenhorst gewesen sein sollen, CDU-Fraktionschef Kristof Ogonovski schildert, dass sich Angehörige von städtischen Bediensteten ähnlich geäußert hätten. Er sieht das im Widerspruch zu Äußerungen „von offizieller Seite“. Es würde gesagt, dass die Delmenhorster Corona-Fälle keinem Muster folgen würden. „Das verstärkt nur den Eindruck vieler, dass ‚die da oben (Politik und Verwaltung)‘ der Bevölkerung Informationen vorenthalten“, schreibt Ogonovski in einem Schreiben ans Rathaus und verlangt eine Stellungnahme.

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Axel Jahnz räumte vor der Presse als Problem lediglich ein, dass es bisher in Bremen möglich war, dass sich mehr Menschen zu einer Hochzeit versammeln durften, als dies in Niedersachsen zulässig gewesen ist. Das sei aber korrigiert. Er wolle sich nicht an Generalisierungen beteiligen. Spekulationen, die daraus in sozialen Medien eine leichte Verbreitung erfahren hätten, „sind aber nicht hilfreich“. Es gebe in Delmenhorst keine Schwerpunkte bei der Corona-Verbreitung, es sei sehr arbeitsaufwendig, beim Nachweis einer Infektion die Rückverfolgung der Kontaktpersonen vorzunehmen.

Der Leiter des Gesundheitsamtes berichtete, wie aufwendig es sei, die Kontaktdaten von Infizierten nachzuverfolgen. Im Gesundheitsamt seien 50 Kräfte mit diesen Rückverfolgungen befasst. Die Bundeswehr ist am Wochenende um Amtshilfe gebeten worden. Oberbürgermeister Jahnz zeigt sich angesichts der aktuellen Lage bedrückt. Viele Menschen hätten die im Sommer vollzogenen Lockerungen von Regeln in eine zu „große Lockerheit“ ausarten lassen. Er ist sich sicher, dass die Krise gemeistert wird. Jetzt sei es aber erst einmal geboten, wie im Frühjahr, das Motto auszugeben: „Bleiben Sie zu Hause!“

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