Aktion in Delmenhorst Zu Fuß statt mit dem Eltern-Taxi

Weniger Fahrservice zur Schule, mehr Bewegung für Kinder und Stärkung der Gemeinschaft: Das sind die Hauptziele des neuen Bewegungspasses in Delmenhorst.
09.04.2019, 17:02
Lesedauer: 3 Min
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Von Nico Brunetti

Immer mehr Mütter und Väter bringen ihre Kinder metergenau in die Schule. Aber nicht nur das: Wenn der Unterricht für den jeweiligen Tag abgeschlossen ist, holen sie ihre Kinder auch wieder ab. Es sind die sogenannten Eltern-Taxis, die in ihrer Häufigkeit zunehmen.

Für Schulen und den Straßenverkehr birgt das Probleme. Zudem ist der angesprochene Fahrservice hinsichtlich der Entwicklung zur Selbstständigkeit des Kindes wenig förderlich – diese Meinung hat sich nun in Delmenhorst durchgesetzt. Und dagegen möchte man jetzt auch angehen.

Die Hoffnungen in diesem Zusammenhang ruhen auf dem Bewegungspass: ein Projekt, das unter anderem deshalb gestartet wurde und dessen Umsetzung für mindestens zwei Jahre festgesetzt ist. Ausgearbeitet hat den Bewegungspass die Sportregion Delmenhorst/Oldenburg-Land, vertreten durch den Stadtsportbund Delmenhorst, in Zusammenarbeit mit der Handelskrankenkasse (HKK), der Gesundheitsregion Delmenhorst und der Verkehrswacht.

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Mit der Projektleitung sind dabei Victoria Becker und Alexandra Bruns, beide Mitarbeiterinnen der Sportregion, betraut. „Allgemein und weltweit gibt es einen Bewegungsmangel bei Kindern. Das haben mehrere Studien festgestellt“, erklärte Victoria Becker bei einem Pressetermin in den Räumlichkeiten des Stadtsportbundes in Delmenhorst.

Basierend auf einer Idee der SG Letter 05 aus Niedersachsen sieht ihr Konzept einen Bewegungspass vor, der Platz für 20 Unterschriften bietet. Die freien Felder füllen Lehrer und Erzieher aus. Sie unterschreiben für jeden Tag, den das Kind zu Fuß, mit dem Roller oder dem Fahrrad zur Schule, Kindergarten oder Kindertagesstätte kommt.

Weiter bekommen die teilnehmenden Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren eine Broschüre ausgehändigt. Hier finden sie eine Anzahl an Möglichkeiten, um sich die zusätzlichen fünf Stempelflächen auf dem Bewegungspass abzeichnen zu lassen. Einen Stempel gibt es für ein Schnuppertraining bei einem Verein.

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Auch für eine bestehende Vereinsmitgliedschaft, Schwimm- und Sportabzeichen, Bundesjugendspiele, Mini-Sportabzeichen, Fahrradführerschein sowie Vereinsaktionen können Stempel gesammelt werden. Zeit alle Felder auszufüllen, haben die Kinder in diesem Jahr im Aktionszeitraum vom 25. April bis zum 20. Juni. Bei einem vollständig ausgefüllten Pass gibt es eine Urkunde sowie ein Geschenk der HKK.

„Wir nennen bewusst nicht, was man dafür bekommt: Das soll eine Überraschung sein. Wir haben aber Aktivität und Kind berücksichtigt“, meinte Constanze Schwaiger von der HKK. An der Aktion beteiligen sich im ersten Durchlauf 14 Einrichtungen der Stadt Delmenhorst, darunter befinden sich jeweils sieben Grundschulen und Kitas. Damit erreicht man die Hälfte aller angesprochenen Kinder: Insgesamt nehmen 2056 Kinder, die sich aus 653 Kita-Kinder und 1403 Grundschülern zusammensetzen, teil.

Verstärkung durch Sportvereine

Unterstützung liefern auch die Sportvereine: Delmenhorster Turnverein, Hockey-Club Delmenhorst, Judo-Club Bushido Delmenhorst, TV Deichhorst und TuS Heidkrug. Sie ermöglichen es, dass Kinder unter anderem in Hockey, Judo und Tanzen reinschnuppern können. Hierdurch soll ihnen der Sport im Verein näher gebracht werden, aber auch der Austausch zwischen den Sportvereinen und den teilnehmenden Einrichtungen verstärkt werden.

Ein Hauptziel des angebotenen Bewegungspasses ist es, die Zunahme der Eltern-Taxis zu bekämpfen und wieder einzudämmen. „Wir haben ein großes Interesse, dem entgegenzuwirken. Für mich ist das ein gesellschaftliches Problem, das sich in den letzten drei Jahren verdichtet hat.

Man hört, am liebsten würden die Eltern ihre Kinder ins Klassenzimmer begleiten – auch an weiterführenden Schulen. Sie sind besorgt und unsicher“, berichtete Hendrik Abramowski, Geschäftsführer der Verkehrswacht Delmenhorst und Leiter des Fachdienstes Verkehr der Stadt Delmenhorst. Dabei glaubt er an die gewünschte Verbesserung: „Das Belohnungssystem ist ein Anreiz für Kinder und Eltern, den Schulweg zu Fuß zu gehen.“

Förderung des sozialen Aspektes

Es gibt darüber hinaus weitere Ziele, die mit dem Bewegungspass verknüpft sind. So schielt Wolfgang Ritter, der bei der HKK für den Bereich Prävention und Gesundheitsförderung zuständig ist, auf einen anderen Effekt als dem, dass sich Kinder mehr bewegen. „Uns ist der soziale Aspekt genauso wichtig.

Es kann die Gemeinschaft stärken, weil sich Gruppen zusammenschließen können, die gemeinsam Unterschriften und Stempel sammeln wollen“, sagte er. Und wenn es nach Hendrik Abramowski geht, dann etabliert sich der Bewegungspass in den nächsten Jahren als fester Bestandteil in Delmenhorst.

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