Werder in der Verfolgerrolle So sieht es im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg aus

Werder Bremen wartet auf Platz sieben auf Patzer der Konkurrenz. Doch die schläft nicht. Unter den Aufstiegsanwärtern sind große Namen sowie so mancher Überraschungsklub, der eigentlich andere Ziele hatte.
14.01.2022, 20:22
Lesedauer: 5 Min
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Von Malte Bürger

Jahrelang musste in Bremen nach unten geschaut werden. Wenn zuletzt der Abstiegskampf in der Bundesliga tobte, war der SV Werder zumeist mittendrin. Lange Zeit ging es gut, auch wenn es selten schön war – bis das Frühjahr 2021 kam. Mit dem Gang in die Zweitklassigkeit haben sich immerhin die Perspektiven verschoben. Spätestens seit den drei Siegen vor dem Weihnachtsfest darf die Mannschaft von Trainer Ole Werner nach oben auf die Spitzenplätze der Tabelle schauen. Noch ist der Weg weit, die Konkurrenz groß. „Wir sind eindeutig der Verfolger“, betont Werders Coach. Doch auch Verfolger haben bekanntlich Chancen. Wie also ist die Lage bei den Aufstiegskandidaten der 2. Bundesliga?

FC St. Pauli (Platz 1, 36 Punkte, 37:23 Tore)

Trainer Timo Schultz ist sich sicher: „Ich glaube nicht, dass wir einbrechen werden.“ Der Mann, der jüngst seinen Vertrag verlängerte, hat aus dem einst abstiegsgefährdeten Klub einen Tabellenführer geformt. Zwar sieht er seine Mannschaft weiterhin als Außenseiter – und trotzdem ist die große Chance da, nach elfjähriger Abstinenz ins fußballerische Oberhaus zurückzukehren. Die Ausgangslage ist aufgrund des Vorsprungs prächtig. Großer Trumpf ist die Heimstärke, alle acht Partien im eigenen Stadion wurden gewonnen. Im Gegenzug hakt es auswärts etwas, wo es nur drei Erfolge bei zehn Versuchen gab.

In der Winterpause sollte es eigentlich gemeinsam mit Werder nach Spanien gehen, letztlich flog der Kiezklub aufgrund der kurzfristigen Bremer Trainingslager-Absage aber allein. Im Süden Europas wurde insbesondere am Spiel gegen den Ball gearbeitet, damit es am Ende tatsächlich etwas mit dem Aufstieg wird. Durchaus gern an der Seite des Stadtrivalen Hamburger SV, wie Timo Schultz erklärt: „Ich hätte auch nichts gegen einen Doppel-Aufstieg.“

SV Darmstadt 98 (Platz 2, 35 Punkte, 41:20 Tore)

Als im Vorfeld der Saison darüber philosophiert wurde, welche Vereine sich um den Aufstieg streiten werden, wurde der SV Darmstadt 98 nicht wirklich erwähnt. Ein knappes halbes Jahr später sieht das komplett anders aus, denn die bisherige Überraschungsmannschaft darf von der Rückkehr in die Bundesliga träumen. „Es ist schwierig, um dieses Thema herumzureden“, gesteht Trainer Torsten Lieberknecht, betont aber auch: „Es gibt viele Teams in der Liga, die sich um das Thema wesentlich mehr Gedanken machen müssen als wir.“ Die Hessen möchten zu gern weiterhin den Spielverderber für die Konkurrenten geben, wollen dafür schlichtweg an die bisherigen Leistungen anknüpfen. „Alles andere wird ein Nebenprodukt sein, das wir vielleicht irgendwann nicht mehr aufhalten können“, sagt Lieberknecht, der sich bislang besonders auf Phillip Tietz und Luca Pfeiffer verlassen konnte, die jeweils zwölf Tore erzielt haben.

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Hamburger SV (Platz 3, 31 Punkte, 32:19 Tore)

Werders großer Nordrivale nimmt den nächsten Anlauf in Sachen Rückkehr ins Oberhaus. Drei Jahre lang verspielte der HSV regelmäßig in der zweiten Saisonhälfte den Aufstieg und möchte sich eine Fortsetzung dieser Misere gern sparen.

Immerhin: Statt großer Töne gibt es dieses Mal andere Worte von der Elbe zu hören. So steht laut Sportdirektor Michael Mutzel die „Entwicklung der Mannschaft“ im Vordergrund. Diese macht ihre Sache vor allem in der Abwehr sehr gut, kein Team der Liga kassierte bislang weniger Gegentreffer (18). Und auch personell kann sich der Kader abermals sehen lassen, wenngleich der sofortige Verlust von Talent Faride Alidou droht, der sich mit Eintracht Frankfurt bereits über einen Wechsel im kommenden Sommer einig ist.
Trainer Tim Walter verschließt sich deshalb nicht vor Wintertransfers, ist aber auch so von der Qualität seines Kaders überzeugt: „Wir wissen auch, dass wir nicht unbedingt etwas machen müssen.“ Der Start ins neue Jahr ist dem HSV am Freitagabend nicht vollends geglückt. In Dresden gab es ein 1:1, wodurch die Hamburger ihren dritten Platz im Laufe des Wochenendes verlieren könnten.

FC Schalke 04 (Platz 4, 30 Punkte, 34:23 Tore)

So richtig ruhig wurde es auch eine Liga tiefer nicht, Chefcoach Dimitrios Grammozis stand und steht bei nicht wenigen Fans weiter in der Kritik. Dabei stimmte nach einem unruhigen Liga-Auftakt zuletzt die Ausbeute, aus sieben Spielen holten die Schalker sechs Siege – und kletterten Platz für Platz nach oben. „Vor uns liegen wichtige Monate mit einer sehr spannenden Tabellenkonstellation“, sagt der neue Vorstandsvorsitzende Bernd Schröder. Dieser weiß auch um die millionenschweren wirtschaftlichen Sorgen, wodurch der Aufstieg eigentlich dringend benötigt wird.

Entscheidender Faktor soll weiter Simon Terodde sein, der bereits zwölf Treffer erzielte und nach einer Verletzungspause nun wieder zur Verfügung steht. Darüber hinaus schlug der Verein aus Gelsenkirchen gleich doppelt auf dem Winter-Transfermarkt zu: Auf Leihbasis kam Rechtsverteidiger Andreas Vindheim (Sparta Prag), ablösefrei wurde Innenverteidiger Marius Lode vom norwegischen Meister FK Bodö/Glimt verpflichtet.

1. FC Nürnberg (Platz 5, 30 Punkte, 27:21 Tore)

Jahrelang gab es nicht allzu rosige Nachrichten aus dem Frankenland, nun mischt der Traditionsverein plötzlich wieder im Aufstiegsrennen mit – und das ist weitaus mehr, als Trainer Robert Klauß und Sportvorstand Dieter Hecking ursprünglich geplant hatten. Zumindest zu diesem Zeitpunkt, denn sie wollen den Klub sukzessive weiterentwickeln. Rang fünf bis acht lautet die Saisonvorgabe, aktuell liegt das Team also voll im Soll. Schon siebenmal spielten die Nürnberger zu null, was bislang sonst nur Darmstadt gelungen ist. Angreifer Felix Platte hat jedenfalls Lust auf mehr: „Wir wollen uns in der oberen Hälfte festbeißen“, kündigte er an.

1. FC Heidenheim (Platz 6, 30 Punkte, 23:24 Tore)

In Bremen ist die Erinnerung an die Relegation der Saison 2019/2020 noch frisch, als Werder hauchdünn den 1. FC Heidenheim dank der inzwischen abgeschafften Auswärtstorregel bezwang und die Klasse hielt. Immer wieder mal schnupperten die Baden-Württemberger in den vergangenen Jahren zaghaft am Aufstieg, geklappt hat es noch nie.

In dieser Spielzeit war ein Sprung auf die vorderen Plätze eigentlich gar nicht vorgesehen, stattdessen ging es einzig und allein um den Klassenerhalt. Dieser dürfte für die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt zeitnah erreicht sein, zuletzt wurden vier von fünf Begegnungen gewonnen. Im weiteren Verlauf gehe es nach Angaben des Coaches nun darum, konstanter zu werden. „Wir wollen das nicht an einem Tabellenplatz oder an Punkten festmachen.“

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SV Werder Bremen (Platz 7, 29 Punkte, 32:25 Tore)

Turbulente Monate liegen hinter den Bremern, vor allem der Impfpass-Skandal um Markus Anfang erschütterte den Verein. Inzwischen hat Ole Werner das Traineramt übernommen und sich direkt mit drei Siegen eingeführt. Plötzlich ist der Glaube zurück, dass der sofortige Wiederaufstieg doch noch gelingen kann. Klar ist aber auch: Werder darf sich bei aktuell sechs Punkten Rückstand auf Tabellenplatz zwei nicht mehr allzu viele Patzer erlauben, sonst ist die Rückkehr auf direktem Wege schnell vom Tisch. Dann bliebe lediglich noch die Hoffnung auf den Notnagel Relegation. „Ich merke schon seit dem ersten Tag, dass die Mannschaft erfolgreich sein möchte“, sagt Ole Werner. Das wollten allerdings auch die Werder-Teams der vergangenen Jahre. An der Umsetzung auf dem Platz ist es zumeist gescheitert.

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