Übernahme von Anteilen Bremen bewertet Werders Stadionpläne mit Wohninvest als "kritisch"

Die Übernahme von Anteilen an der Bremer Weserstadion GmbH durch den Werder-Sponsor Wohninvest wird in Bremen kritisch bewertet. Die Stadt sei zudem bisher nicht an der Planung beteiligt, so Senatorin Vogt.
24.01.2022, 14:57
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Björn Knips

Der SV Werder Bremen hofft in Sachen Wohninvest Weserstadion auf eine finanzielle Entlastung durch den Einstieg der Wohninvest Holding GmbH – doch der Weg dorthin ist noch weit und offenbar auch sehr steinig. Die Stadt Bremen steht den ersten Plänen eher kritisch gegenüber, wie eine Nachfrage unserer Deichstube bei Kristina Vogt, der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa, die auch stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Bremer Weserstadion GmbH (BWS) ist, ergab. Die BWS - und damit auch das Weserstadion - gehört jeweils zu 50 Prozent der Stadt Bremen und dem SV Werder. Wohninvest möchte Anteile an der BWS übernehmen, möglicherweise auch die Mehrheit, um dann das Geschäftsmodell Brainhouse247 mit Coworking Spaces im VIP-Bereich der Arena auszurollen.

„Die Freie Hansestadt Bremen (FHB) war bislang nicht involviert. Ende letzter Woche haben das fachaufsichtsführende Wirtschaftsressort und der Hauptgesellschafter, das Finanzressort, eine erste Projektskizze zur Kenntnis bekommen. Diese erste Projektskizze wurde von beiden Ressorts vorläufig bewertet. Diese Bewertung fiel kritisch aus“, teilte Linken-Politikerin Vogt mit und kündigte an: „Die Freie Hansestadt Bremen wird auf dieser ersten Grundlage keine Entscheidung fällen können, daher muss jetzt eine Arbeitsstruktur geschaffen werden, an der die FHB beteiligt wird.“

Lesen Sie auch

Die BWS hat immer wieder finanzielle Probleme. Durch den letzten Umbau im Jahr 2011 müssen noch Kredite in Höhe von etwa 65 Millionen Euro bedient werden. Diese Last trägt allein Werder als Hauptnutzer der Arena. Jährlich müssen für Zinsen und Tilgung rund sechs Millionen Euro aufgebracht werden. Der Aufsichtsrat habe deshalb beschlossen, „die Nutzung des Weserstadions zu optimieren“, so Vogt: „Deswegen wurde mit Herrn Otto ein neuer Geschäftsführer eingestellt, der diese Optimierung voranbringen soll. Einer besseren Auslastung des Stadions durch Dritte stehen wir nicht im Weg. Allerdings bedarf es dazu nicht zwingend eines Gesellschafterwechsels in der BWS.“ Vogt präsentiert dabei für Wohninvest und den Coworking Space eine andere Idee: „Eine bessere Auslastung des Stadions könnte auch durch eine Vermietung erreicht werden. Dies muss jetzt geprüft werden.“

Ob Wohninvest das ausreichen wird? Dem Vernehmen nach ist das Immobilienunternehmen, das 2019 für zehn Jahre als Namenssponsor des Weserstadions eingestiegen ist und dafür jährlich drei Millionen Euro zahlt, bestrebt, die Immobilien für ihr bundesweites Brainhouse247-Projekt zu kaufen oder zumindest maßgeblich daran beteiligt zu sein. Wie zum Beispiel schon in Hannover oder auch in Stuttgart. Das Unternehmen will sich in den nächsten Tagen zu seinen Plänen äußern, teilte eine Sprecher auf Nachfrage unserer Deichstube mit. In jedem Fall wird Geduld gefragt sein, bevor das Weserstadion womöglich aus städtischer und grün-weißer Hand in den privaten Schoß von Wohninvest gelegt wird. „Unabhängig vom emotionalen Wert des Weserstadions gibt es bei solchen Szenarien immer Risiken, für den Verein wie für die Stadt. Deswegen wird es keine Schnellschüsse geben“, betonte Vogt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+