Werder gewinnt 2:0 gegen Darmstadt Ein hartes Stück Arbeit

Werder gewinnt das dritte Spiel in Folge. Das Team von Trainer Alexander Nouri schlägt Abtiegskonkurrent Darmstadt mit 2:0, dank der beiden Treffer von Max Kruse.
04.03.2017, 17:17
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Ein hartes Stück Arbeit
Von Oliver Matiszick

Werder hat es geschafft: Mit dem dritten Sieg in Folge, dem ersten Erfolg im Jahr 2017 vor eigenem Publikum, hat die Mannschaft von Alexander Nouri einen weiteren wichtigen Schritt im Kampf gegen den Abstieg gemacht.

Beim Wiedersehen mit Werder-Legende Torsten Frings schlugen die Bremer dessen Darmstädter, den abgeschlagenen Tabellenletzten, durch zwei Tore von Max Kruse mit 2:0 (0:0). Doch so erwartungs- und standesgemäß sich das liest, war es am Sonnabend nicht im Weserstadion. Ganz und gar und überhaupt nicht.

Denn die Hoffnungen, nach den beiden Auswärtserfolgen in Mainz und Wolfsburg nun als Favorit den nächsten dreifachen Punktgewinn einzutüten, erfüllten sich nicht so ohne weiteres. Dafür brauchte es ein hartes Stück Arbeit. Viel härter als es angesichts der Ausgangslage zu erwarten gewesen war.

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Nouri hatte seiner Mannschaft zwar offensiv ausgerichtet – doch der erhoffte Effekt wollte sich nicht einstellen. Trotz Max Kruse und Claudio Pizarro im Angriff, denen Fin Bartels und Serge Gnabry auf den Außenpositionen assistierten. Zlatko Junuzovic dagegen war neben Clemens Fritz ins defensive Mittelfeld gerückt.

Doch Werder fand zunächst überhaupt nicht in diese Partie hinein. Viel zu passiv, viel zu abwartend, viel zu weit weg vom Gegenspieler und vor allem: ohne die nötige Sicherheit. Und Darmstadt? Machte das Spiel, hatte nahezu 70 Prozent Ballbesitz – und Torchancen. Gute Torchancen. Die erste ließ nicht einmal drei Minuten auf sich warten. Dass sie nicht den frühen Bremer Rückstand bedeutete, lag einzig an Felix Wiedwald. Werders Torwart zahlte das Vertrauen, das Nouri ihm anstelle von Jaroslav Drobny geschenkt hatte, mit einem fantastischen Reflex auf der Linie zurück. Nach einem Eckball war Darmstadts Innenverteidiger Aytac Sulu trotz der Gesellschaft von Claudio Pizarro (sprang nicht hoch genug), Theodor Gebre Selassie (rutschte weg) und Clemens Fritz (stand einen Schritt entfernt) völlig frei zum Kopfball gekommen. Sechs Meter nur betrug die Distanz zum Werder-Tor. Wiedwald lenkte den Ball ganz stark über die Querlatte.

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Nur fünf Minuten später stockte den 41.000 Zuschauern abermals der Atem. Dieses Mal rettete nicht Wiedwald, sondern der rechte Pfosten für die Bremer. Das Frings-Team hatte gekontert und Marcel Heller den Ball im Bremer Strafraum quer über die Mitte in Richtung des zweiten Pfostens gehoben. Antonio-Mirko Colak köpfte ihn ans Aluminium (8.). Das 0:0 – es war nach nicht einmal zehn Minuten bereits ein glückliches.

An diesem Umstand sollte sich in der Folge wenig ändern. Denn Darmstadt agierte, Werder reagierte nur. Keine Frage: Torsten Frings hatte seine neue Mannschaft im Spiel gegen seinen alten Arbeitgeber hervorragend eingestellt. Alexander Nouri auf der Gegenseite wirkte angesichts des mutlosen Treibens seiner Elf konsterniert – und das Publikum war es. War die Unterstützung von den Rängen am Anfang beherzt und lautstark gewesen, hatte sie sich nach gut 25 Minuten bereits merklich abgekühlt. Zu diesem Zeitpunkt waren die Lilien gerade zu ihrem sechsten Eckball gekommen. Werder dagegen hatte sich keinen einzigen erspielen können – das sollte sich erst unmittelbar vor der Pause ändern. Max Kruse hatte ihn bei einem Konter herausgespielt, die Ausführung indes war kläglich. Als Schiedsrichter Guido Winkmann zur Pause pfiff, setzte es auch von den Rängen reichlich Pfiffe. Und sie hatten ihre Berechtigung: Eine mut-, ja geradezu hilflose Werder-Elf hatte in diesen ersten 45 Minuten auf ganzer Linie enttäuscht.

Und schlimmer noch: Sie hatte nach nicht einmal 40 Minuten bereits zweimal verletzungsbedingt wechseln müssen. Trainer Nouri sah sich gezwungen, die Doppel-Sechs im defensiven Mittelfeld innerhalb weniger Minuten komplett zu ersetzen, weil erst Zlatko Junuzovic, dann Clemens Fritz aufgeben mussten. Junuzovic war bereits in der 5. Minuten im Rasen hängen geblieben, als er versuchte, eine Gnabry-Hereingabe zu erreichen – gut 25 Minuten später ging es nicht mehr, für den Österreicher kam Maximilian Eggestein. Schwerwiegender noch schien die Verletzung von Kapitän Fritz: Nach einem Zweikampf mit Jerome Gondorf hatte er lange behandelt werden müssen und humpelte schließlich mit einer Blessur am Sprunggelenk vom Platz. Florian Grillitsch nahm seinen Platz ein und postierte sich an der Seite von Eggestein vor der Abwehr. Sie sollten helfen, ihrer Mannschaft nach der Pause endlich so etwas wie Leben einzuhauchen.

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Und tatsächlich tat sich nach Wiederanpfiff das, was eigentlich von der ersten Minute an erwartet worden war: Die Bremer störten den Spielaufbau der 98er früher und bekamen nun auch Struktur in ihre Aktionen hinein. So dauerte es ganze 62 Sekunden, bis Claudio Pizarro das vorherige Geschehen im Weserstadion hätte vergessen machen können. Max Kruse hatte von rechts prima geflankt, Innenverteidiger Peter Niemeyer, der Ex-Werderaner, war mit dem Kopf nicht an den Ball gekommen – und Altmeister Pizarro konnte hinter ihm ungestört zum Flugkopfball ansetzen. Er strich knapp am Tor von Darmstadts Ersatzkeeper Daniel Heuer Fernandes vorbei (46.).

Es war ein erstes Warnsignal für Frings und seine Elf gewesen, weitere sollten folgen. Gebre Selassie verpasste das mögliche 1:0 nach einer Hereingabe von Robert Bauer aus nur vier Metern ebenfalls unbedrängt per Kopf (51.), Serge Gnabry wiederum scheiterte nach Kruses guter Vorarbeit mit seinem Schuss an Heuer Fernandes (57.). Drei gute bis sehr gute Chancen innerhalb weniger Minuten – nach fast einer Stunde war das Spiel nun wenigstens ausgeglichen. Immerhin. Und dennoch viel zu wenig für die Bremer Erwartungen und Ansprüche.

Dass diese Ansprüche doch noch erfüllt werden konnten, es war aus Darmstädter Sicht bitter. Denn es war ein Strafstoß, der Werder schließlich doch noch an die ersehnten und irgendwie ja auch erwarteten drei Punkte heranführte. Gnabry hatte sich bis an die Grundlinie vorgearbeitet, den Ball in die Mitte gepasst, wo Pizarro über ihn wegsäbelte. Und einen Wimpernschlag holte Sulu den Bremer Stürmer von den Beinen. Schiedsrichter Winkmann zögerte lange mit dem Pfiff, hielt über sein Headset Rücksprache mit seinem Assistenten - aber er pfiff. Max Kruse, zuvor der engagierte Vorarbeiter für seine Mitspieler, trat nun selber an. Und verwandelte vom Elfmeterpunkt aus ins linke Eck zum 1:0 (75.).

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Es hatte lange gedauert, bis alles gut war bei Werder, grauenhafte 45 Minuten plus ordentliche 30 Minuten lang. Aber: Es war am Ende gut. Auch weil Kruse in der Nachspielzeit gleich noch seinen zweiten Treffer an diesem Tag folgen ließ – dieses Mal aus dem Spiel heraus nach Bartels‘ Pass (90.+2). Hatte in Wolfsburg noch Gnabrys Doppelpack den Sieg gebracht, war es nun an Kruse, sich das Prädikat „Mann des Tages“ anheften zu lassen.

Dass es am Ende sogar sehr gut für die Bremer, lag am Geschehen auf den anderen Plätzen. Weil Wolfsburg unter seinem neuen Trainer Andries Jonker in Mainz nur zu einem Unentschieden und Verfolger Ingolstadt in Hoffenheim unter die Räder kam, ist Werder mit 25 Punkten nach 23 Spielen nun Tabellen-14.

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