Fans machen Ärger über Werder Luft Ränge in Rage

Nach 70 Spielminuten in Sandhausen bekam das Team von Markus Anfang keine akustische Unterstützung der Werder-Fans mehr - vielmehr schallte es wütende Proteste von den Rängen.
25.10.2021, 19:23
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Von Daniel Cottäus

Exakt 70 Minuten waren am Sonntagnachmittag in Sandhausen gespielt, als die Werder-Fans damit begannen, ihrem angestauten Ärger lautstark Luft zu machen. Die Unterstützung für das eigene Team schlug in wütende Proteste um.

Bereits Mitte August, während der 1:4-Heimpleite gegen den SC Paderborn, war dieses akustische und für Bremer Verhältnisse doch ziemlich ungewohnte Phänomen aufgetreten. Beim 2:2 in Sandhausen nun bereits zum zweiten Mal in einer erst elf Spieltage alten Saison.

Es begann mit „Baumann raus“-Rufen aus dem Gästeblock, denen sich wenig später die Fan-Unmuts-Klassiker „Wir woll’n euch kämpfen seh’n“ und „Wir ham die Schnauze voll“ anschlossen – all das zu einem Zeitpunkt übrigens, als das zwischenzeitliche 2:1 für Sandhausen noch gar nicht gefallen, der Tiefpunkt des Nachmittags noch gar nicht erreicht war.

Bei Werder haben sie die wenig erfreulichen Gesänge selbstredend registriert, alles andere wäre ob der Lautstärke, mit der diese durch das Stadion am Hardtwald schallten, auch verwunderlich gewesen. Clemens Fritz, der Leiter Profi-Fußball, begegnete der Fan-Kritik am Tag nach dem Spiel mit einer Mischung aus Verständnis und beschwichtigender Erklärung – und garnierte das Ganze mit einem deutlichen Appell ans Team.

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„Natürlich können wir den Frust der Fans nachvollziehen“, sagte der Ex-Profi im Gespräch mit unserer Deichstube, die Erwartungshaltung in Umfeld und Öffentlichkeit sei nach dem Abstieg eben sehr groß. Erfüllen konnte Werder sie bisher höchstens punktuell. Mit Platz zehn nach elf Spieltagen insgesamt aber ganz sicher nicht. „Absolut verständlich“, nennt es Fritz, „dass die Fans nach den vergangenen Jahren nach Erfolgserlebnissen lechzen.“ Innerhalb des Clubs sei das nicht anders. Trotzdem warb der 40-Jährige einmal mehr für Geduld mit Mannschaft, Trainerteam und sportlicher Führung: „Man darf nicht vergessen, dass es nach einem großen Umbruch, wie wir ihn nach dem Abstieg hatten, mit vielen, zum Teil erst späten Wechseln, einfach Zeit braucht, bis sich gewisse Dinge finden.“

Es ist ein Satz, der durchaus als Rechtfertigung aufgefasst werden könnte für die zum Teil erschreckend schwachen Auftritte in dieser Saison, die sich bei Werder bis dato regelmäßig wiederholen. Genau das möchte Fritz damit aber nicht ausdrücken. „Bitte nicht falsch verstehen. Wir wollen garantiert nichts schönreden. Fakt ist, dass wir selbst sehr unzufrieden sind und ganz andere Ansprüche an uns haben“, hob der Ex-Profi hervor – und forderte mit Blick aufs Team: „Wir müssen stabiler und besser werden. Zuletzt haben wir den Gegnern viel zu einfache Tore zugestanden.“

Cheftrainer Markus Anfang hatte sich nach dem 2:2 in Sandhausen ebenfalls ernüchtert ob des Bremer Auftritts präsentiert und davon gesprochen, dass sich seine Mannschaft durch individuelle Fehler selbst verunsichert habe, was auf dem Platz in der Tat mehr und mehr zu beobachten gewesen war. Werder geriet immer wieder ins Schwimmen, leistete sich zum Teil haarsträubende Abspielfehler und ließ den Gegner gewähren. Und auf der Tribüne mussten die Fans einen Schreckmoment nach dem anderen verkraften. „Dass wir damit leben müssen, dass dann eine gewisse Unruhe aufkommt, ist klar“, sagte Anfang. Die große Frage ist nur, wie diese junge Bremer Mannschaft mit dem rauer werdenden Ton von den Rängen und auch in den Medien zurecht kommt.
„Natürlich sind wir alle Profi genug und stellen uns dem“, sagte Fritz. Mit den Spielern werde über die Einflüsse von außen gesprochen: „Markus Anfang spricht auch diese Themen klar an.“ Nachhaltig bessern lässt sich das allgemeine Klima rund um den Club aber nur durch eines: Siege. Grundsätzlich stimmt Fritz dem zu, allerdings nicht ohne folgenden Hinweis: „Es sollte nicht der Gedanke da sein, dass in der 2. Liga alles selbstverständlich ist. Wir müssen uns jeden Punkt hart erarbeiten.“

Möglicherweise liegt genau darin das Problem, dass die Fans derzeit nämlich nicht den Eindruck haben, dass Werder auf dem Platz wirklich beißt, kratzt und spuckt. „Wir woll’n euch kämpfen seh’n“ lässt sich in diese Richtung interpretieren. Es war in Sandhausen eine lautstarke Forderung, die nicht an den Adressaten vorbeigegangen ist. Fritz: „Wir haben zuletzt einfach zu viel liegen gelassen und müssen das schnellstmöglich ändern.“
 

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