Werder-Talent Gruev nach Vertragsverlängerung: „Das soll mein Startschuss sein“

Talent Ilia Gruev hat seinen Vertrag bei Werder Bremen verlängert. Warum die Entscheidung - trotz Angeboten von anderen Vereinen - die richtige für ihn war, erklärt der 22-Jährige unserer Deichstube.
27.06.2022, 16:32
Lesedauer: 4 Min
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Von Björn Knips

Gerade für junge Spieler ist es nicht immer so einfach, im Medienraum des SV Werder Bremen auf dem Podium zu sitzen und die Fragen der Journalisten zu beantworten. Nicht wenige fühlen sich auf dem Rasen wesentlich wohler, bei Ilia Gruev ist das anders. Der 22-Jährige antwortet so souverän und klar, dass ihn ein Medienvertreter nicht nur ausdrücklich dafür lobt, sondern auch wissen will, ob das schon immer so gewesen sei.

„Erst mal danke für das Kompliment, das freut mich“, erwidert ein kurzzeitig etwas verlegener Gruev und fügte dann lächelnd an: „So etwas liegt mir, ich mag das. In der Schule war das auch schon so.“ In Erfurt sei er zwei Jahre Klassensprecher gewesen, verriet er. Aber natürlich ging es bei dem Termin auch um Fußball, schließlich hat der defensive Mittelfeldspieler gerade seinen Vertrag verlängert. Und speziell bei diesem so aufgeräumten Spieler lohnt sich ein Ilia Gruev über …

... seine Vertragsverlängerung

„Das ist mein vierter Vertrag bei Werder. Und es macht mich sehr stolz, für diesen großen Verein spielen zu dürfen“, schwärmt Gruev – und es wirkt einfach ehrlich. Dazu passt auch sein Rückblick. „Ich war 15, als ich aus Erfurt nach Bremen kam. Das war ein Riesending für mich. Natürlich träumt man davon, dass es so kommt, wie es jetzt ist. Aber man weiß doch, dass es die Ausnahme ist.“ Bei Werder habe er sich optimal entwickeln können – und genau das sei nun auch in den Vertragsverhandlungen ausschlaggebend gewesen. Natürlich habe auch Ole Werner eine Rolle gespielt, aber kein Trainer könne Einsatzzeiten versprechen. „Mir ging es noch mehr um den Verein im Allgemeinen, das hat mir Stabilität gegeben, einen längerfristigen Vertrag zu unterschreiben. Hier kann ich als junger Spieler meinen Weg weitergehen.“

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„Es ist nicht so einfach, Gerüchte zu kommentieren“, sagt Gruev und verschafft sich bei dem heiklen Thema zunächst etwas Zeit, um dann doch noch klarer zu antworten: „Mein Berater hat Gespräche mit anderen Vereinen geführt, so ehrlich kann ich sein. Aber für mich war klar, dass Werder die Nummer eins ist. Das ist mein Verein. Ich denke, nach acht Jahren steht es mir zu, mein Verein zu sagen.“

... sein Ziel

„Ich glaube, dass es erst jetzt richtig losgeht für mich. Das soll der Startschuss sein.“ Schließlich liege eine gute Saison hinter ihm, die erste echte im Profi-Bereich, wie er noch betont. „Ich möchte mich in der Bundesliga empfehlen und hoffe auf viele Einsätze.“ Im Fußball-Oberhaus seien die Spieler einfach schneller, robuster und besser. „Man misst sich mit den besten Spielern der Welt, dem gucke ich mit Freude entgegen.“

... einen Stammplatz

„Hier bei einer Pressekonferenz zu sagen, dass ich erwarte, Stammspieler zu werden, wäre völlig verkehrt“, zieht er dem Thema sofort den Stecker: „Ich weiß, dass ich mich im Training und den Testspielen beweisen muss – und dann auch in der Bundesliga. Am Ende entscheidet dann Ole. Aber ich bin schon sehr optimistisch, dass ich an letzte Saison anknüpfen kann.“ Da absolvierte er immerhin 26 von 34 Zweitligaspielen, elf von Beginn an.

... die Merkmale eines guten Sechsers

„Das ist eine ganz wichtige Position“, erklärt Gruev und zählt die Eigenschaften eines guten Sechsers auf: „Vororientierung, Passspiel, defensives Verhalten, Zweikampfstärke, Kommandos geben und eine gewisse Ausstrahlung.“ Er könne sicher noch an allen Punkten arbeiten und sich verbessern. „Da gibt es kein Limit.“ Auf dem Platz wirkt er manchmal noch etwas sehr konzentriert und deshalb vielleicht etwas ruhig. „Es geht nicht darum, nur laut zu sein“, erwidert der 22-Jährige. Aber in so eine tragende Rolle würde man als junger Spieler auch nur langsam reinwachsen, das gehe nicht auf Knopfdruck.

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„Ich weiß davon“, sagt er und äußert ein bisschen Unverständnis: „In meiner Zeit haben doch ganz große Spieler auf dieser Position gespielt wie Philipp Bargfrede und Nuri Sahin. Von denen konnte ich mir viel abgucken.“ Damals wie heute wurde trotzdem von vielen Fans eine Neuverpflichtung auf der Position gefordert. Nun setzt Werder neben Christian Groß in diesem Bereich auch auf Gruev. „Natürlich will ich mich langfristig auf dieser Position etablieren“, sagt der bulgarische U21-Nationalspieler und demonstriert dabei ganz gezielt Selbstbewusstsein: „Nur zu sagen, mal gucken, was passiert, das wäre nicht ich.“

... Schnelligkeit

„Gefühlt wird das Niveau jedes Jahr schneller.“ Doch Gruev ist deswegen nicht bange. „Auf meiner Position geht es vor allem um Schnelligkeit im Kopf. Da bin ich ganz gut aufgestellt, wobei ich mich natürlich auch noch verbessern kann.“ Und nicht nur da. „Ich bin sicher nicht der Breiteste, aber trotzdem schon stabil. Wir besprechen aber mit der Athletikabteilung, was wir da noch machen können.“

... Vater Ilia Gruev

Der Vater war selbst Profi und dann Coach  – kurzzeitig sogar als Co-Trainer bei Werder und damit auch vom eigenen Sohn. „Ich treffe zwar allein meine Entscheidungen, aber mein Vater ist komplett informiert. Er mischt sich nicht ein, hilft mir aber, wenn ich das wünsche.“ Gerade nach Spielen würde viel gesprochen.

... die Nationalmannschaft

„Ich hoffe, dass ich im September nominiert werde. Das wäre wichtig für mich“, sagt Gruev und meint damit nicht die U21, seine bisherige sportliche Heimat bei den Bulgaren. Sein Ziel ist die A-Nationalmannschaft, es habe auch schon Kontakt zum Co-Trainer gegeben. Gruev ist in Sofia geboren, dann aber wegen der Profi-Karriere seines Vaters in Deutschland aufgewachsen.

... das Trainingslager

„Klar, es wird anstrengend, aber das ist ja auch der Sinn.“ Trotzdem freut sich Gruev auf die Reise am Donnerstag ins Zillertal. „Das Hotel ist super, man hat viel Zeit mit den Kollegen. Aber am Ende geht es vor allem darum, auf ein höheres Level zu kommen.“

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