Trotz vieler Ausfälle Füllkrug schießt Werder zum Sieg im Topspiel gegen Darmstadt

Werder hat das Spitzenspiel in der 2. Bundesliga gewonnen. Ein Treffer von Niclas Füllkrug reichte am Ende für den knappen Sieg gegen Darmstadt 98. Knackpunkt war ein Platzverweis.
19.03.2022, 22:45
Lesedauer: 4 Min
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Von Björn Knips

Über diesen Tag und diesen Abend werden sie beim SV Werder Bremen noch sehr, sehr lange sprechen. Denn mit einer Notelf – gleich fünf Stammspieler fehlten – besiegten die Bremer den Spitzenreiter aus Darmstadt mit 1:0 (0:0) und verbuchten damit einen ganz wichtigen Dreier im Aufstiegsrennen der 2. Liga.

Punktemäßig schloss Werder damit zum neuen Tabellenführer FC St. Pauli auf. Den Siegtreffer erzielte Niclas Füllkrug in der 57. Minute nach feiner Vorarbeit von Eren Dinkci. Da agierten die Gäste bereits in Unterzahl, Klaus Gjasula hatte in der 24. Minute nach Video-Beweis für ein Foul an Romano Schmid die Rote Karte gesehen. Das spielte den Gastgebern natürlich in die Karten, aber sie verdienten sich auch mit viel Leidenschaft und spielerischer Klasse diesen besonderen Sieg.

„Bis zur Roten Karte war es ein offener Schlagabtausch. Dann haben wir mit einer jungen Mannschaft eine reife Leistung gezeigt. Das habe ich nach einer Roten Karte auch schon mal anders erlebt. Deswegen können wir auch stolz sein“, meinte Torschütze Füllkrug.

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Trainer Ole Werner sagte: „Am meisten hat mich gefreut, dass wir nach einem nervösen Start immer mehr Mut gezeigt haben. Großer Respekt, was gerade die jungen Spieler geleistet haben.“ Darmstadts Coach Torsten Lieberknecht haderte dagegen mit dem Platzverweis: „Für mich war das keine Rote Karte. Ich habe solche Tritte als Profi oft abbekommen. Das war der Knackpunkt des Spiels.“

Ducksch und Bittencourt fehlten wegen Corona-Infektion

Der SV Werder hatte eine ganz üble Woche hinter sich, fast jeden Tag gab es nach der 1:2-Niederlage in Heidenheim eine personelle Hiobsbotschaft. Verletzungsbedingt meldeten sich Ömer Toprak, Marco Friedl und  Mitchell Weiser gleich für mehrere Wochen ab. Am Donnerstag wurde dann Marvin Ducksch positiv auf Corona getestet, am Spieltag folgte Leonardo Bittencourt, der sich umgehend in Quarantäne begab. Eine ruhige Vorbereitung geht gewiss anders.

„Es macht die Sache nicht leichter, wenn noch eine tragende Säule ausfällt“, meinte Trainer Ole Werner vor dem Anpfiff bei Sport1, gab sich aber betont kämpferisch: „Gejammert wird nicht! Die Gier ist in der Kabine spürbar. Wir wollen als Gruppe zeigen, dass wir auch über diese Widerstände gehen können.“ Für Ducksch ließ er im Angriff den jungen Eren Dinkci ran, für Bittencourt im Mittelfeld Niklas Schmidt. Und hinten? Dort übernahm etwas überraschend Ersatzkapitän Christian Groß die Rolle des Abwehrchefs. Mit ihm bildeten Milos Veljkovic und Anthony Jung die Dreierkette, außen verteidigten Manuel Mbom und Felix Agu. Den Part des Sechsers übernahm Nicolai Rapp von Groß.

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Fast schon zwangsläufig nach den vielen Umstellungen fehlte Werder zu Beginn die Sicherheit. Da half auch die große Unterstützung von den Rängen zunächst nichts. Die Ultras feierten ihre Rückkehr nach Ende der Corona-Beschränkungen ins mit 41.000 Zuschauern bis auf den Gästebereich ausverkaufen Wohninvest Weserstadion mit einer großen Choreografie, die sich sehen lassen konnte. Auf dem Feld setzten dagegen die Gäste die Akzente und die Bremer dabei gleich gehörig unter Druck.

Tim Skarke verpasste das 1:0 mit einem verdeckten Schuss nur knapp (8.). Die starken Darmstädter schwächten sich dann selbst – in Person von Klaus Gjasula, der seit Jahren Gelbe Karten sammelt wie andere Briefmarken. Für sein Foul an Romano Schmid zeigte ihm Schiedsrichter Robert Schröder sofort Gelb, es wäre die zwölfte Verwarnung des Albanders im 19. Saisonspiel gewesen. Doch der Video-Assistent meldete sich zu Worte, schickte den Unparteiischen an den Spielfeldrand – und der zeigte Gjasula nach Ansicht der Video-Bilder Rot (24.). Absolut nachvollziehbar, denn der Darmstädter hatte Schmids Knie mit der offenen Sohle getroffen.

Werder nach Roter Karte gegen Gjasula am Drücker

Sofort kippte die Partie, in Überzahl waren nun die Bremer am Drücker. Niclas Füllkrug hätte nach feiner Kombination über Dinkci und Schmid das 1:0 machen müssen, scheiterte aber an Keeper Marcel Schuhen (26.) - genauso wie drei Minuten später nach toller Vorarbeit von Schmidt. Der wiederum traf kurz vor der Pause nur den Pfosten (43.). Und Agu zwang Schuhe zur nächsten Glanzparade (45.). Werder hätte nach der ersten Halbzeit also durchaus führen können, war aber hinten selbst auch ein bisschen im Glück.

Da gab es einige Lücken, besonders auffällig waren dabei Mboms Fehlpässe, die Werder oft in den Rückwärtsgang zwangen. Doch Darmstadts Marvin Mehlem verdaddelte einen eigentlich brandgefährlichen Konter (28.) und Aaron Seydel (31.) schoss ganz knapp drüber. Werder musste weiter höllisch aufpassen gegen diese bissigen Hessen.

Da ist es immer die beste Idee, selbst nach vorne zu spielen. Und das machten die Grün-Weißen nach dem Wechsel. Schmid schickte den schnellen Dinkci auf die Reise. Und der 20-Jährige setzte sich geschickt gegen den erfahrenen Jannik Müller (28) durch und flanke perfekt auf Füllkrug, der eiskalt zum 1:0 vollstreckte (52.). Sein 14. Saisontreffer, ein tolles Tor. Das Weserstadion bebte.

Füllkrug grüßte seinen fehlenden Sturmpartner Ducksch mit dessen typischen Torjubel. Wer hätte das alles nach den vielen Ausfällen gedacht?  Gerade von Dinkci war nach dessen schwachen Auftritten in den vergangenen Wochen nicht viel erwartet worden – und dann so eine starke Aktion! Er hätte sogar selbst nachlegen können, vielleicht sogar müssen, entschied sich aber allein vor dem Tor für die kurze Ecke, die Müller dicht machte (63.).

Werder bestimmte in Überzahl weiter das Spielgeschehen. Nur Rapp konnte da nach großem Laufpensum nicht mehr mitmachen, geplagt von Krämpfen ging er vom Platz, für ihn kam Ilia Gruev (74.). Schmid hatte die Vorentscheidung auf dem Fuß, setzte den Ball aber nur an den Pfosten (79.). Also musste weiter gezittert werden. Vor allem auch, weil der eingewechselte Nick Woltemade nach feiner Einzelleistung es mit einem Kunststück versuchte und scheiterte. Ein Flitzer auf dem Rasen verlängerte zudem die Spielzeit. Doch dann war Schluss – und es begann eine grün-weiße Party.

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