Auftritt im "Sportstudio" Nach Impfpass-Betrug: Wie Markus Anfang im ZDF um Entschuldigung bat

Erstmals nach Bekanntwerden der Impfpass-Affäre hat sich Ex-Werder-Trainer Markus Anfang am Samstagabend öffentlich geäußert. Im ZDF-"Sportstudio" gab sich der 47-Jährige reumütig.
20.03.2022, 10:58
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips

Vier Monate lang hatte Markus Anfang geschwiegen, nun äußerte sich der ehemalige Coach des SV Werder Bremen erstmals öffentlich zu seinem Impfpass-Betrug im vergangenen November.  „Ich bedanke mich, dass ich die Chance bekomme, hier zu sein“, sagte der 47-Jährige am späten Samstagabend im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF.

Und es verging nicht viel Zeit, bis Anfang zum Punkt kam. direkt am Anfang bat er darum, eine Erklärung abzugeben: „Ich möchte mich für das, was ich gemacht habe, einfach offiziell entschuldigen. Ich bin meiner Vorbildfunktion in keiner Weise gerecht geworden. Ich habe viele Menschen, die viel Vertrauen in mich gesetzt haben, die mich unterstützt haben, enttäuscht. Ich habe sie belogen. Ich habe meiner Familie einen großen Schaden zugefügt, was mir auch wahnsinnig wehtut. Und zu guter Letzt möchte ich mich natürlich auch bei Werder Bremen entschuldigen. Gerade bei allen Verantwortlichen von Werder Bremen – Hubertus Hess-Grunewald, Klaus Filbry, Frank Baumann, Tarek Brauer – möchte ich mich entschuldigen. Auch bei der Mannschaft und beim Staff.“ Anfang berichtete zudem, dass er aus Angst vor Nebenwirkungen immer noch nicht geimpft ist.

Markus Anfang muss 36.000 Euro Strafe zahlen

Der 47-Jährige war im vergangenen November überführt worden, dem Bremer Gesundheitsamt ein gefälschtes Impfzertifikat vorgelegt zu haben. Er täuschte damit eine Impfung gegen das Coronavirus vor, wurde intern nicht mehr getestet und brachte damit andere Personen in Gefahr.

Kurz nachdem die Vorwürfe gegen ihn öffentlich geworden waren, trat der Coach von seinem Posten bei Werder zurück. Ebenso wie sein Co-Trainer Florian Junge, der sich des gleichen Vergehens schuldig gemacht hatte. Anfang ließ am vergangenen Donnerstag die Einspruchsfrist gegen den Strafbefehl des Amtsgerichts Bremen verstreichen. Er muss nun eine Geldstrafe in Höhe von 36.000 Euro zahlen, gilt aber nicht als vorbestraft. Bei Junge beträgt die Geldstrafe 4.200 Euro.

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Lange bevor das juristische Urteil gegen die beiden Trainer feststand, hatte im Januar bereits das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Strafen gegen Anfang und Junge ausgesprochen. Anfang wurde vom Verband rückwirkend zum 20. November ein Jahr lang mit einem Berufsverbot als Trainer belegt. Zudem musste der ehemalige Coach des SV Werder Bremen 20.000 Euro Geldstrafe zahlen. Junge wurde vom DFB zu einer Strafe in Höhe von 3.000 Euro verurteilt und darf rückwirkend zum 20. November zehn Monate lang nicht als Trainer arbeiten.

Natürlich wünscht man sich eine zweite Chance, aber man kann es nicht erwarten.
Ex-Werder-Trainer Markus Anfang im ZDF-Sportstudio

„Natürlich wünscht man sich eine zweite Chance, aber man kann es nicht erwarten“, sagte Anfang ganz am Ende des Gesprächs mit ZDF-Moderater Sven Voss, als es um die Zukunft ging. Zuvor hatte Anfang versucht, sein Verhalten zu erklären. Er habe extrem an seinem Job als Trainer des SV Werder Bremen gehangen. „Das war eine Riesenchance für mich“, so Anfang. Doch als Ungeimpfter hätte er stets für 14 Tage in Quarantäne gemusst, wenn es einen positiven Corona-Fall in seinem Umfeld gab. Da hatte er Sorge, dass Werder dies als Arbeitgeber nicht dauerhaft hinnehmen könne.

Hinweise in diese Richtung habe er von den Verantwortlichen allerdings nicht erhalten. Trotzdem entschied er sich dazu, sich einen gefälschten Impfpass zu besorgen. „Ich habe den nicht selbst gefälscht“, betonte der Rheinländer, ging auf dieses Thema dann aber nicht weiter ein. Aber warum hat er sich nie impfen lassen?  „Ich habe große Angst vor der Impfung. Ich kämpfe immer noch gegen diese Angst. Ich habe mit vielen Ärzten gesprochen. Es kann mir kein Arzt die Angst nehmen, dass mir nicht auch so etwas passiert“, sagte Anfang und spielte damit auf Herzprobleme innerhalb seiner Familie an.

Anwalt soll Markus Anfang von TV-Auftritt abgeraten haben

Er selbst habe schon einmal eine Herzmuskelentzündung gehabt. Noch schlimmer hatte es seinen Vater erwischt, der während eines Spiels, bei dem Markus Anfang als Trainer des 1. FC Köln am Spielfeldrand stand, einen Herzinfarkt erlitten hatte. „Mein Vater musste neun Mal wiederbelebt werden“, erzählte Anfang. Diese Bilder würden ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Zwischendurch wirkte es schon so, als kämpfe der ehemalige Werder-Coach mit den Tränen, dann wirkte er wieder ganz gefasst. Sein Anwalt hätte ihm von diesem TV-Auftritt abgeraten, ließ Anfang wissen. Aber er wollte sich unbedingt entschuldigen, hätte das auch gerne schon früher gemacht, doch in einem laufenden Verfahren sei das nicht möglich gewesen.

Die Frage, warum er sich mit dem gefälschten Impfpass auch Zutritt bei einer großen Karnevalsveranstaltung in Köln verschafft habe, ließ er unbeantwortet. Er verwies lieber darauf, dass der Zeitraum seiner Lüge nur acht Wochen betragen habe und durch zwei Länderspielpausen in Bezug auf Werder ja eigentlich nur sechs Wochen andauerte. „Ich habe mich auch jeden Morgen getestet. Ich habe wirklich alles getan, damit kein positiver Fall vorkam“, behauptete Anfang und betonte: „Ja, ich habe eine Straftat begangen, aber ich bin grundsätzlich kein krimineller Mensch.“ 

Mit Werder-Sportchef Frank Baumann stehe er weiter in Kontakt, wofür er auch sehr dankbar ist. Wie es für ihn weitergehe, darüber habe er sich aber noch keine Gedanken gemacht.

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