Zweite Liga So erklärt Trainer Ole Werner Werders großen Teamgeist

Das Trainingslager ist zwar in diesem Winter ausgefallen, Rafting oder Klettern zur Stärkung des Teamgeistes hätte es aber auf jeden Fall nicht gegeben. Das brauche die Mannschaft nicht, findet der Trainer.
18.01.2022, 18:42
Lesedauer: 3 Min
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Von Malte Bürger

Das Fotomotiv ist so beliebt wie ausgelutscht. Immer dann, wenn es für eine Fußball-Mannschaft ins Trainingslager geht, tauchen schnell die gleichen Bilder auf: von behelmten Profis im Schlauchboot, vielleicht auch im Go-Kart oder angebunden im Hochseil-Parcours. Beim SV Werder Bremen hat es diese Schnappschüsse in diesem Winter nicht gegeben. Nun mag man denken, dass dies vor allem am ausgefallenen Trainingslager gelegen hat, doch selbst wenn die Bremer Entourage gen Murcia geflogen wäre, hätten die Fotografen vermutlich vergeblich auf derartige Szenen gewartet. Ole Werner ist nämlich kein allzu großer Fan davon.

„Von solchen Teamgeist-Events halte ich nicht allzu viel“, verriet Werders Cheftrainer am Dienstag in einer digitalen Medienrunde. „Folglich haben wir so etwas jetzt auch nicht gemacht. Die Möglichkeiten sind in Corona-Zeiten sowieso stark begrenzt.“ Aber irgendwo muss er ja hergekommen sein, dieser wiederentdeckte Teamgeist, der den Zweitligisten aktuell bis auf Tabellenplatz vier gebracht hat. In der Vergangenheit, auch in kriselnden Erstligajahren, haben Spieler und Verantwortliche zwar schon häufiger betont, dass die Chemie im Bremer Kader stimmt – nur auf dem Platz war das nicht immer zu sehen. Der Einsatz mag zumeist gestimmt haben, das Anpacken von Herausforderungen im Verbund nicht immer.

Ole Werner freut der Zusammenhalt, macht diesen aber keineswegs an seiner Person fest: „Ich habe das hier vom ersten Tag an erlebt, dass das eine Mannschaft ist, die eine klare Hierarchie hat und in der es viele Spieler gibt, die eine Richtung vorgeben können“, sagte er und betonte, dass genau darin für ihn ein ganz wichtiger Baustein des Erfolges liege: „Wir haben Führungsspieler, die Verantwortung übernehmen und Spieler, die sich an Regeln halten. Dann ist es nur logisch, dass eine klare Richtung für das Team entsteht. Ich habe da nicht speziell dran gearbeitet, das ist etwas, was die Mannschaft für sich organisiert.“

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Namen nennt der Chefcoach nicht, aber auch so ist klar, an wen er denkt. Es sind genau die Spieler, denen er auch auf dem Platz am häufigsten vertraut. Die, die das Gerüst jener Startformation bilden, die seit vier Spieltagen identisch ist. Und da der Erfolg stimmt, hält sich auch der Unmut und Frust derjenigen in Grenzen, die momentan nur zweite oder gar dritte Wahl sind. „Ich habe nullkommanull den Eindruck, dass sich da jemand hängen lässt“, sagte Werner. Zumal die Tür für die Reservisten ja nicht zu ist. Sofern sie sich weiter anbieten, werden die Gelegenheiten auf Spielzeit kommen, davon ist der Werder-Trainer überzeugt. Das Vertrauen in seine Stammelf habe jedenfalls bei allem Erfolg nichts mit irgendeiner Art von Aberglaube zu tun. „Ich glaube, dass es immer viel mit der Arbeit zu tun hat, die du unter der Woche machst. Unsere Aufgabe ist es, dass wir montags bis sonntags einen guten Job machen – alle, die wir da sind: Spieler, Funktionsteam und Trainer“, meinte Werner und fügte noch schmunzelnd an. „Es hat jetzt nichts damit zu tun, welche Socke ich als erstes anziehe.“

Da war er wieder, dieser trockene Humor, den Ole Werner gern mal in seine Äußerungen einbaut. Von einer Spaßbremse kann also bei weitem keine Rede sein – nur weil er erfrischende Rafting-Touren nicht ganz so dufte findet. Und wer Augenzeuge seines Trainings wird, der dürfte auch gar nicht erst auf den Gedanken kommen, dass Scherze verboten sind. Auch am Dienstag überraschte der Coach seine Spieler mit einer Übung, bei der gleich auf drei dicht beieinander stehende Tore gestürmt werden konnte. Die Profis kamen nicht nur ins Schwitzen, sondern teilweise auch aus dem Lachen nicht mehr heraus. Gute Laune durch die Abkehr vom Gewohnten – das ist eher das Credo von Ole Werner. Und so hält er es auch mit den Sonderaktionen während eines Trainingslagers: „Man kann so etwas schon mal machen, aber dann eher aus dem Gedanken heraus, dass man mal Abwechslung schaffen will, wenn man eine harte Vorbereitung hat und sich mit anderen Dingen beschäftigen will“, bekräftigte er. „Man lernt ja bei Kanu-Touren beispielsweise auch Spieler noch einmal anders kennen. Ich glaube aber, dass ein Teamgeist an sich im täglichen Zusammensein entsteht, wenn die Regeln und die Rollen klar sind. Und am Ende des Tages natürlich auch, wenn man zusammen erfolgreich ist und positive Erlebnisse hat.“

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Genau das ist aktuell bei Werder der Fall, entsprechend gut ist das Binnenklima in der Mannschaft. Und das soll möglichst lange so bleiben. Denn nur dann kann es in Ole Werners Augen auch etwas mit einer guten Platzierung in der Tabelle werden: „Du kannst das ganze Jahr Kanu fahren und dich durch die Klettergärten hangeln, aber du musst halt Spiele gewinnen“, betonte er. Ganz ohne Spaß. Der kommt dann schließlich von ganz allein. 

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