Werder-Mitgliederersammlung Ohlmeyer, Hiller, Wintermann und Weiß in den Aufsichtsrat gewählt

Es gibt einen neuen Aufsichtsrat bei Werder Bremen: Harm Ohlmeyer, Ulrike Hiller, Dirk Wintermann und Florian Weiß. Das Team muss aber noch bei der Vereins-Hauptversammlung bestätigt werden.
05.09.2021, 19:51
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Von Björn Knips

Die Mitglieder des SV Werder haben gewählt und vier neue Mitglieder für den Aufsichtsrat bestimmt. Harm Ohlmeyer, Ulrike Hiller, Dirk Wintermann und Dr. Florian Weiß ersetzen Marco Bode, Andreas Hoetzel, Thomas Krohne und Kurt Zech, die allesamt nicht mehr zur Wahl angetreten sind. Das neue Quartett bildet jetzt für die kommenden vier Jahre gemeinsam mit den vom Verein entsandten Marco Fuchs und Axel Plaat den neuen Aufsichtsrat. Seine Arbeit wird das Gremium aber erst in etwa vier Wochen aufnehmen können, zuvor müssen die vier gewählten Kandidaten noch durch die Hauptversammlung des Vereins bestätigt werden. Nicht gewählt wurden die Bewerber Henning Lühr, Oliver Spalthoff und Alexander Schnitger.

Es war die spannendste und vor allem hitzigste Mitgliederversammlung seit vielen, vielen Jahren erwartet worden – inklusive eines Besucherrekords. Zumindest der dürfte mit knapp 1000 Gästen im Wohninvest Weserstadion, wo die Versammlung wegen der Corona-Pandemie als Freiluftveranstaltung stattfand, geknackt worden sein. Ansonsten lief es fast so ruhig ab wie in früheren Veranstaltungen in der Werder-Halle mit nur rund 300 Mitgliedern. Die Werder-Welt blieb sich also auch in der Krise treu. Klar, es gab ein paar mehr Wortmeldungen als sonst, aber wirklich viel Kritik wurde dabei nicht geäußert. Und wenn doch, dann sehr sachlich.

Der Wunsch von Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald („Im Mittelpunkt jedes Wortbeitrages muss heute das Wohl des SV Werder Bremen stehen“) war in Erfülllung gegangen. Seine Geschäftsführer-Kollegen Klaus Filbry und Frank Baumann, die sich auf einer extra vor der Nordtribüne aufgebauten Tribüne in langen Vorträgen erklärt hatten, kamen anders als erwartet sehr glimpflich davon. Heiß wurde es trotzdem, das lag allerdings an der September-Sonne, die den Mitgliedern auf der Nordtribüne den Schweiß auf die Stirn trieb.

Im Mittelpunkt standen die sieben Kandidaten, die sich für die vier freien Plätze im Aufsichtsrat zur Wahl stellten – plus Peter Eilers, der Vorsitzende des Wahlauausschusses. Dem Gremium war vorgeworfen worden, keine Frau und keinen Fußball-Experten nominiert zu haben. Dann wurde auch noch bekannt, dass Kandidat Oliver R. Harms offenbar so gar nicht zur Wertevorstellung des SV Werder passt. Der Kandidat musste kurzerhand gestrichen werden, dafür rückte in Ulrike Hiller dann doch eine Frau auf die Liste – und sorgte für einen großen Lacher bei ihrer Vorstellung auf dem Podium: „Sie erleben ja jetzt mal eine ganz andere Tonalität, weil nach fünfeinhalb Stunden die erste Frau spricht.“ Die Werder-Welt hatte sich bis dahin nur männlich präsentiert.

Neben Hiller fiel auch Alexander Schnitger bei seiner rund fünfminütigen Vorstellung auf: Der 36-Jährige trat nicht nur im Werder-Trikot an, sondern versuchte sich auch an einem Werder-Bremen-Schlachtruf, bei dem ihm aber nur wenige Mitglieder folgten. Als einziger Kandidat hatte er vor dem Stadion Werbeflyer mit einer kleinen Tüte Gummibärchen verteilt. Auch die „Kein-weiter-so“-Bewegung um die zur Aufsichtsratswahl nicht zugelassene Maria Yaiza Stüven Sanchez war mit Flugblättern vor der Arena präsent, hielt sich dann im Stadioninneren aber zurück.

Zurück zu Eilers, der ließ die Kritik an der Arbeit seines Gremiums regungslos abprallen und auch Nachfragen zur Nicht-Nominierung von Ex-Profi Benno Möhlmann unbeantwortet. Allen 22 Bewerbern, mit denen mindestens zwei Stunden gesprochen worden war, sei Vertraulichkeit zugesichert worden. Damit war das Thema für Eilers erledigt, er verkündete nur noch das vom Wahlausschuss beschlossene Ranking der Kandidaten: Harm Ohlmeyer, Dr. Florian Weiß, Oliver Spalthoff, Henning Lühr, Dirk Wintermann, Alexander Schnitger und Ulrike Hiller.

Die Mitgliederversammlung war bereits fast sechs Stunden alt, bis endlich gewählt wurde. Aus sieben Kandidaten sollten vier Nachfolger für die nicht mehr angetretenen Bode, Hoetzel, Krohne und Zech werden. Krohne hatte vor wenigen Wochen sogar seinen vorzeitigen Rückzug verkündet und fehlte deshalb genauso – wie allerdings etwas überraschend – auch Zech. Der Unternehmer habe andere Termine, hieß es.

Vielleicht lag es an der Hitze, aber von den 854 Voll-Mitgliedern waren bis zur Wahl offenbar viele schon wieder gegangen. Es wurden nur 607 Stimmen abgegeben. Dabei erreichten Ohlmeyer (479), Hiller (389) und Wintermann (353) die im ersten Durchgang notwendige absolute Mehrheit. Das Trio war also durch. Im zweiten Wahldurchgang setzte sich dann Weiß (191) vor Lühr (116), Spalthoff (89) und Schnitger (53) durch.    

Damit stand die Besetzung des Aufsichtsrates fest. Wer jedoch die Nachfolge von Marco Bode als Vorsitzender des Gremiums antritt, wurde am Sonntag noch nicht entschieden. Das wird erst auf der konstituierenden Sitzung in etwa vier Wochen festgelegt. Klar ist: Harm Ohlmeyer, der bei der Wahl der vier neuen Kandidaten die meisten Stimmen bekam, wird es nicht. „Ich stelle mich lieber erst in die zweite Reihe“, sagte der Adidas-Manager nach der Wahl und verwies auf die erfahrenen Aufsichtsratsmitglieder Marco Fuchs und Axel Plaat. „Wenn man vier neue Mitglieder im Aufsichtsrat hat, dann sollte man auf Erfahrung setzen. Ich würde mir wünschen, wenn es einer von ihnen wird."

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