Werder-Zugang Stark "Gleich einen auf Chef zu machen, ist nicht meine Art"

Niklas Stark ist der zweite Innenverteidiger, den Werder Bremen in diesem Sommer ablösefrei verpflichten konnte. In einer Medienrunde sprach der 27-Jährige unter anderem über die Gründe für seinen Wechsel.
24.06.2022, 18:13
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Von Malte Bürger

Eine Sache muss sich dringend ändern im Leben von Niklas Stark. „Hier war es, ehrlich gesagt, schon immer eklig zu spielen“, gestand der 27-jährige Neu-Bremer lachend, als er am Freitagmittag an jenem Ort offiziell vorgestellt wurde, der ihm bislang eher durchwachsenen Erfolg beschert hat: dem Wohninvest Weserstadion.

Fünf Mal trat der Defensivakteur im Laufe seiner Karriere mit dem 1. FC Nürnberg oder Hertha BSC am Osterdeich an, herausgekommen sind dabei gegen den SV Werder ein Sieg, drei Unentschieden und eine Niederlage. Untermalt wurden die Auftritte meist von lautstark anfeuernden Werder-Fans. „Ich freue mich auf jeden Fall, dass ich jetzt auf der anderen Seite stehen kann“, meinte Stark grinsend.

Bei Werder sind sie ähnlich begeistert. Stark bewegte sich einst im Dunstkreis der deutschen Nationalmannschaft, hat zwei Länderspiele auf dem Konto. In Nürnberg reifte er zum Profi, anschließend durchlebte er sieben prägende Jahre in Berlin mit zahlreichen Höhen und Tiefen. Seine Mannschaft führte er dabei zwischenzeitlich als Kapitän auf den Platz. Obendrein kam er jetzt noch ablösefrei. Ein Gesamtpaket, das den Bremern angesichts der wirtschaftlichen Lage natürlich ganz besonders gut gefällt.

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Mit Niklas Stark verteidigt da also künftig einer, der nicht nur aufgrund seiner bisherigen 199 Bundesliga-Spiele ganz genau weiß, was er kann und was von ihm verlangt wird. Nach dem Abgang von Ömer Toprak ist bei Werder sogar der Platz als Abwehrchef neu zu vergeben, doch Stark hält nichts davon, direkt den großen Boss zu geben. „Ich bin ganz neu hier. Jetzt hier gleich einen auf Chef zu machen, das ist nicht meine Art", betonte er. „Es geht darum, dass alle zusammen etwas erfolgreich aufbauen und wir unser Ziel erreichen."

Worte, die ganz nach dem Geschmack von Ole Werner sein dürften. Werders Trainer war an diesem Transfer logischerweise ebenso beteiligt wie an dem von Starks Abwehrkollege Amos Pieper. Und beiden stellt der 34-Jährige ein mehr als gutes Zeugnis aus. „Sie sind offene Typen, von denen ich überzeugt bin, dass sie in unsere Kabine und zu Werder Bremen passen“, lobt Werner. „Ich bin zuversichtlich, dass wir mit ihnen in der kommenden Saison guten, erfolgreichen Fußball zeigen können. Beide haben nachgewiesen, dass sie in der ersten Liga mithalten und gute Spiele machen können.“

Stark auch als Sechser denkbar

Dem Chefcoach gefällt vor allem die Zweikampfstärke und das Tempo des Duos, Stark bringt zudem reichlich Erfahrung als defensiver Mittelfeldspieler mit. Somit kommt er für Werder auch als Sechser in Frage – eben jene Position, die seit Jahren als Bremer Baustelle gilt. „Beides macht Spaß, als Sechser hat man immer etwas mehr den Ball und kann das Spiel auch mal auf die Seiten verlagern“, erklärte der gebürtige Franke. „Hinten hat man dagegen das ganze Spiel vor sich und kann besser dirigieren.“

Klingt nach einem Gleichstand bei den Sympathiepunkten, doch Niklas Stark hat dann doch eine klare Vorliebe: „Ich sehe mich in erster Linie ein bisschen weiter hinten, weil ich dort öfter gespielt habe. Wenn ich der Mannschaft aber im defensiven Mittelfeld mehr helfen kann, dann gehe ich auch gern eine Position nach vorne.“

Zuletzt bei der Hertha, unter Trainer Felix Magath, hat die Sache mit dem Sechser ganz gut geklappt. Überhaupt nahm die Zeit in der Hauptstadt ein gutes Ende für Niklas Stark. Sein Abschied stand bereits fest, als er mit seinem Team noch in die Relegation gegen den Hamburger SV musste. Letztlich klappte der Klassenerhalt – und da Werder kurz vorher den Wiederaufstieg gesichert hatte, konnte die Zukunftsplanung des 1,90 Meter großen Profis endlich abgeschlossen werden. „Wir standen schon länger in Kontakt, wollten aber erst unsere jeweiligen Herausforderungen abschließen, bevor wir in die abschließenden Gespräche gehen“, schilderte Stark.

Selke schwärmt von Werder

Und dann ging es ganz schnell. Auch weil sich Niklas Stark noch ein bisschen umgehört hatte. In Berlin hatte ihm Davie Selke von Werder vorgeschwärmt, darüber hinaus gibt es Verbindungen zu Niclas Füllkrug aus gemeinsamen Nürnberger Tagen oder zu Leonardo Bittencourt, mit dem er gemeinsam für die deutsche U21 auflief. „Wir kennen und schätzen uns, deswegen fällt es mir auch relativ leicht, Anschluss zu finden“, erzählte Stark. Fehlen also nur noch die Fans, mit denen die erste Kontaktaufnahme nach den Trainingseinheiten auch bereits bestens funktionierte.

Der ganz große Rahmen kann also kommen. Im August hat er nämlich die Gelegenheit, die alten Bilder aus der Vergangenheit endgültig zu vergessen. Schließlich steht dann das erste Heimspiel gegen den VfB Stuttgart an. Da Stark nun das W auf dem Trikot trägt, sollte ihm die Zuneigung der Zuschauer dieses Mal sicher sein. „Hier war immer ein Hexenkessel, es war stets sehr laut“, erinnerte er sich. „Solch eine positive Stimmung hat mich schon auch begeistert und findet man nicht so oft in der Bundesliga.“ Die Atmosphäre kann Niklas Stark nun häufiger genießen. Ohne dass es eklig wird. Er steht ja nun auf der richtigen Seite.

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