Spiel gegen Regensburg Das Millionenspiel: Um wie viel Geld es bei Werders Aufstieg geht

Gegen Regensburg geht es für Werder um viel mehr als nur die Ligazugehörigkeit. Eine Rechnung zeigt aber, dass der Verein aus Geldgründen nicht aufsteigen müsste. Aber eine Rückkehr macht vieles einfacher.
13.05.2022, 06:43
Lesedauer: 4 Min
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Von Maik Hanke
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So unromantisch es auch klingen mag: Im Profi-Fußball geht es irgendwo auch immer ums Geld. Für den SV Werder Bremen gilt das am Sonntag im Heimspiel gegen Jahn Regensburg (15.30 Uhr) ganz besonders. Denn die Einnahmen in der ersten und zweiten Liga unterscheiden sich schon enorm. Das haben die Grün-Weißen vor einem Jahr als Absteiger deutlich zu spüren gekommen.

Jetzt winkt der umgekehrte Weg, der Aufstieg ist zum Greifen nahe. Unsere Deichstube hat nachgerechnet, was finanziell in dieser einen Partie auf dem Spiel steht – mindestens 30 Millionen Euro, wahrscheinlich sogar noch mehr.

Werder würde beim TV-Geld großen Sprung machen

Hier wird der Unterschied zwischen den Ligen am deutlichsten. Als Aufsteiger würde sich Werder zwar im TV-Ranking weit hinten wiederfinden, aber laut der Internetplattform „fernsehgelder.de“ immerhin etwas über 40 Millionen Euro kassieren. Im letzten Erstliga-Jahr waren es noch 49 Millionen Euro. Dabei ist zu beachten, dass der neue TV-Vertrag der Bundesliga nicht mehr ganz so üppig ausgefallen ist. Und nun zum großen Ligen-Unterschied: Für ein zweites Jahr im Bundesliga-Unterhaus würde Werder nur 20 Millionen Euro bekommen.

Werder-Sponsoren zahlen in der Bundesliga deutlich mehr 

Hauptsponsor Wiesenhof ist da aktuell ein gutes Beispiel. Der Geflügelproduzent hat seinen Vertrag gerade um ein Jahr verlängert – und dabei zwei Optionen vereinbart: In der 1. Liga würde das Unternehmen aus Niedersachsen dem Vernehmen nach 6,5 Millionen Euro überweisen, eine Klasse tiefer 3,5. Werder-Boss Klaus Filbry hatte nach dem Abstieg mal erklärt, dass die meisten Sponsoren nun 40 Prozent weniger zahlen würden. Alle Geldgeber zusammengerechnet bedeutet das: Rund 25 Millionen gibt es im Oberhaus, etwa 15 im Unterhaus.

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Werder kann in der Bundesliga mit mehr Ticketing-Einnahmen rechnen

Trotz des Abstiegs senkte Werder die Eintrittspreise nicht und verwies dabei auch auf die stärkste zweite Liga aller Zeiten. Lediglich im Business-Bereich wurde ein Rabatt von 20 Prozent gewährt, dort sind die Ticketpreise aber auch um ein Vielfaches höher, das geht schon in Richtung Sponsoring. In dem Bereich wird Werder in der 1. Bundesliga wieder mehr einnehmen. Ob die Preise für Dauerkarten und Einzeltickets stabil bleiben, hat der Club noch nicht entschieden. Da dürften auch die steigenden Kosten für Personal (Mindestlohn) und Energie eine Rolle spielen.

Eines ist klar: Im ersten Zweitliga-Jahr blieben die Fans treu, so weit das in der Corona-Pandemie möglich war. Alle 27.000 angebotenen Dauerkarten wurden verkauft. Der Zuschauerschnitt lag vor dem letzten Heimspiel bei 27.835. Sollte es in der neuen Saison keine Corona-Beschränkungen mehr geben, dürfte das Weserstadion wieder viel häufiger mit 42.100 Besuchern ausverkauft sein. Kommen im Pokal noch ein paar Heimspiele dazu, sind vielleicht wieder 28 Millionen Euro an Ticket-Einnahmen wie in der Saison 2018/19 drin. Eine Liga tiefer dürfte die Summe nicht ganz erreichbar sein, weil einige Gegner kaum Fans mitbringen und auch für das heimische Publikum nicht so attraktiv sind.

Transfers: Werder hätte bei Nicht-Aufstieg wenig Spielraum 

„Wir müssen auch in diesem Sommer ligaunabhängig einen Transferüberschuss erzielen, der aber bei Weitem nicht so hoch sein muss wie im vergangenen Sommer“, hat Sportchef Frank Baumann unlängst betont. Das Plus vor knapp einem Jahr lag bei über 20 Millionen Euro, weil Werder das Geld zum Überleben brauchte und Spieler wie Milot Rashica, Josh Sargent, Maximilian Eggestein und Ludwig Augustinsson unbedingt wegwollten. Bei einem Nicht-Aufstieg ist das auch bei Profis wie Marco Friedl, Marvin Ducksch oder Niclas Füllkrug denkbar, für die Werder immerhin noch eine Ablöse bekommen würde. Die Verträge von Jiri Pavlenka, Milos Veljkovic und Ömer Toprak laufen aus, könnten aber nach einem Aufstieg verlängert werden.

Unabhängig von der Liga wird sich Werder nicht gerade wenig auf dem Transfermarkt umschauen müssen – als Erstligist mit ein bisschen mehr Geld, als Zweitligist wohl nur auf der Suche nach Schnäppchen und vor allem ablösefreien Spielern. Folgender Aspekt ist auch noch ganz wichtig: Werder will seine Mittelstandsanleihe von 17 Millionen Euro in vier Jahren vor allem mithilfe von Transfererlösen zurückzahlen – und da sind Ablösesummen für Spieler aus der 1. Liga weitaus höher als für Zweitliga-Kicker.

Werder müsste in der Bundesliga höhere Gehälter zahlen

Wohl dem, der einen Alt-Vertrag hat, der noch mindestens ein Jahr läuft – wie zum Beispiel Niclas Füllkrug, Marco Friedl oder Leonardo Bittencourt. Deren Gehalt steigt bei einem Aufstieg automatisch um 40 Prozent, so wie es nach dem Abstieg auch gesunken ist. In dieser Saison gibt Werder für seinen Kader etwas unter 20 Millionen Euro aus. Das Budget müsste bei Nicht-Aufstieg sicher etwas gekürzt werden. Bei einem Aufstieg sind 30 Millionen Euro plus X für den Kader vorgesehen. Diese Summe ist übrigens weit entfernt von den 47 Millionen Euro aus der letzten Erstliga-Saison.

Fazit

Werder muss aus finanziellen Gründen nicht unbedingt aufsteigen, könnte sich ein weiteres Jahr in der 2. Liga durchaus leisten, aber eine Rückkehr würde vieles leichter machen – auch das Bedienen der Kredite (20 Millionen Euro) und die Zinszahlungen für die Anleihe (17 Millionen Euro/6,5 Prozent pro Jahr). Und dauerhaft wird die 2. Liga auch nicht so attraktiv sein wie in dieser Saison, die Einnahmen dürften weiter sinken. Werder sollte diese Millionen-Chance also unbedingt nutzen.

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