Volle Konzentration auf die EM

Friedl: "Die Zukunft blende ich aus"

Marco Friedl nimmt mit der österreichischen Nationalmannschaft an der EM teil. Ob er danach noch einmal für Werder spielt, ist fraglich, doch aktuell will sich der Abwehrspieler nicht zu seiner Zukunft äußern.
12.06.2021, 17:39
Lesedauer: 2 Min
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Von Carsten Sander
Friedl: "Die Zukunft blende ich aus"

Im EM-Test gegen England (hier mit Harry Kane) durfte Marco Friedl über 90 Minuten ran.

Scott Heppell/PA Wire/dpa

Im Kopf? Nur Nordmazedonien! Gegen den Überraschungsgast bei der EM-Endrunde startet Werder-Profi Marco Friedl am Sonntag (18 Uhr) mit der österreichischen Nationalmannschaft in die EM-Endrunde. Oder vielleicht muss es besser heißen: Österreich startet – aber ohne Marco Friedl? Denn die Chancen des Verteidigers auf einen Platz in der Startelf sind eher klein. Seine Erwartungen an das Turnier aber groß. „Wir haben hier die Chance, Geschichte zu schreiben“, sagt der 23-Jährige in einem Interview mit dem Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB).

Für Friedl ist die Europameisterschaft der „Großen“ nach der U21-EM vor zwei Jahren das neue Karriere-Highlight – und vielleicht auch das Karriere-Sprungbrett. Sollte er in den Gruppenspielen gegen Nordmazedonien, die Niederlande (Donnerstag) und die Ukraine (21. Juni) wider Erwarten doch zu ausreichend Spielzeit kommen, könnte er auf der internationalen Bühne auf sich aufmerksam machen und für sich werben. Zwar steht Friedl bei Werder noch bis 2023 unter Vertrag, doch dass einer mit seiner Perspektive tatsächlich den Gang in die 2. Liga antritt, ist kaum vorstellbar. Zumal Werder ihn längst auf die Verkaufsliste gesetzt hat.

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Die Verhältnisse sollten also geklärt sein, dennoch will Friedl seine Zukunftspläne so kurz vor dem EM-Start nicht zum Thema gemacht wissen. Die Frage, was er vorhat, lässt er folglich professionell an sich vorbei gleiten: „Was nach der EM sein wird, damit beschäftige ich mich jetzt nicht. Ich lege meinen Fokus klar auf die Euro. Was in Zukunft passiert, blende ich aus.“ Allerdings sagt er auch, dass „alles andere“ von „anderen“ entschieden werden müsste. Soll wohl heißen: Wenn Angebote kommen, liegt es an Werder, ihn gehen zu lassen oder nicht.

Friedl geht eben nicht so offensiv um mit seinen Absichten wie Ludwig Augustinsson. Der Schwede hatte zuletzt im Lager seines Nationalteams deutlich erklärt, dass Werder und die 2. Liga nicht seine Ansprüche erfüllen. Er habe „höhere Ambitionen“. Friedl hat die auch. Aber wie gesagt: Erstmal EM, erstmal Nordmazedonien. Dann die Niederlande. Dann die Ukraine. Und dann gerne noch mehr. „Wir wollen diese Gruppenphase überstehen“, sagt der Mann, der in den vergangenen beiden Saisons bei Werder zum Stammspieler geworden war und im vergangenen Oktober im Freundschaftsspiel gegen Griechenland (2:1) sein Nationalmannschaftsdebüt feiern durfte. Ein weiterer Kurzeinsatz im März gegen Dänemark (0:4) reichte, um den Sprung in den EM-Kader zu schaffen. Es folgte noch ein 90-Minuten-Auftritt im EM-Test gegen England (0:1).

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Mit nur drei Länderspielen auf dem Konto ist Friedl das Greenhorn im ÖFB-Kader, und weil er zudem auch der zweitjüngste Spieler ist, muss er im Teamquartier in Seefeld/Tirol, nur eine Autostunde von seinem Heimatort Kirchbichl entfernt, viele Wasserkisten und Trainingstore schleppen. Aber klar, er macht es gerne. Denn: Überhaupt dabei sein zu dürfen, „ist für mich die Erfüllung eines Kindheitstraums“, erklärt Friedl.

Er weiß: Die Verlegung der Euro 2020 ins Jahr 2021 war für ihn das große Glück. „Letztes Jahr wäre das Turnier für mich noch zu früh gekommen, ganz klar“, sagt er und genießt es nicht nur, Teil des Nationalteams zu sein („Ich sauge jeden Moment auf“), sondern auch, dass er so nahe der Heimat endlich auch mal wieder so reden darf, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: „Im Hotel mit den Leuten auch mal Tirolerisch sprechen zu können, das ist schön.“

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