Sky-Experte Mattuschka über Werder: „Ole Werner hat alles richtig gemacht“

Torsten Mattuschka hat lange in der 2. Bundesliga gespielt, mittlerweile verfolgt er die Geschehnisse als Experte. Für uns hat er die Lage des SV Werder Bremen eingeschätzt.
01.01.2022, 18:39
Lesedauer: 4 Min
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Von Hans-Günter Klemm

„Werder hat größere Chancen, den Aufstieg zu schaffen, als Schalke oder Hamburg.“ Torsten Mattuschka, die Legende von Union Berlin und aus Cottbus, hat sich festgelegt. „Tusche“, wie der 41-Jährige gerufen wird, gilt als Experte der 2. Liga und tritt in dieser Funktion auch als Co-Kommentator während des Spitzenspiels am Samstagabend für „Sky“ auf. Seit 2019 ist er für den TV-Sender im Einsatz. Sein Urteil hat Gewicht. Auf Bitten unserer Deichstube blickt Mattuschka auf die bisherige Zweitliga-Saison zurück – natürlich mit einem besonderen Augenmerk auf Werder.

Die Szene: „Es gab diesen unglaublichen Moment am 14. Spieltag mit Bremer Beteiligung, mit dem Unparteiischen Tobias Steiler sowie dem Video-Assistant-Referee. In der Nachspielzeit kam Roger Assalé nach einem Duell mit dem Schalker Henning Matriciani zu Fall. Werder forderte einen Elfmeter, aus meiner Sicht nie und nimmer berechtigt. Der VAR schaltete sich ein, Stieler schaute sich die Szene minutenlang an, zeigte schließlich auf den Punkt. Eine Fehlentscheidung, von der die Bremer profitierten. Füllkrug verwandelte in der sage und schreibe 99. Spielminute.“

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Das Spiel: „Es gab etliche gute Partien. Zu meinen Highlights zählt die Begegnung Düsseldorf gegen Werder am 31. Juli. Ein intensives Spiel, dramatisch und spannend, mit allen Zutaten, die ein gutes Spiel braucht. Erst der Ausgleich der Fortuna in der 94. Minute, und das war noch nicht das Ende. Zwei Minuten später leistete sich Narey ein Foul an Agu. Maxi Eggestein, eine seiner letzten guten Taten für Werder, zeigte Nervenstärke und verwandelte zum 3:2.“

Die Überraschung: „Ganz eindeutig Darmstadt. Völlig überraschend haben sich die Hessen an der Spitze etabliert. Ebenso sensationell war die Hinserie der Regensburger, die zuletzt etwas schwächelten und 28 Punkte geholt haben. Insgesamt eine stabile Leistung und enorme elf Punkte Vorsprung auf Rang 16.“

Die Enttäuschung: „Hannover 96 an erster Stelle noch vor Holstein Kiel. Hannover ist in einen wahren Negativlauf geraten, steckt mittendrin im Abstiegskampf und muss höllisch aufpassen. Ich denke, sie bereuen inzwischen, dass sie Ducksch an Werder abgegeben haben. Die Elf hat die wenigsten Tore geschossen, nur 14 Treffer wie auch Ingolstadt. Doch sie werden sich behaupten. Christoph Dabrowski, der Ex-Bremer, macht einen guten Job, er wird zum Retter. Kiel tut sich auch schwer. Es ist oft so, dass eine Mannschaft nach einem Leistungshoch und einem knapp verpassten Ziel in ein Loch fällt.“

Die besten Spieler: „Da muss ich einige erwähnen. Den Hannoveraner Kerk wegen der Standards, der Hamburger Kittel ist ein überragender Fußballer. Dann die Torjäger Burgstaller und Terodde, der jetzt sogar Rekordschütze ist. Und nicht zuletzt das Duo aus Darmstadt: Tietz und Luca Pfeifer, eine bessere Doppelspitze gibt es in dieser Spielklasse nicht. Ich halte das hessische Tandem noch für stärker als die Bremer Kombination Ducksch und Füllkrug.“

Die Trainer: „Die Anführer der beiden führenden Mannschaften stehen in meiner Gunst ganz oben: Timo Schultz macht einen herausragenden Job auf St. Pauli, Torsten Lieberknecht steht ihm in Darmstadt nichts nach. Ein Lob gebührt auch Mersad Selimbegovic beim Sensationsteam aus Regensburg.“

Die Werder-Elf mit Anfang: „Mal den nicht zu akzeptierenden Impfpass-Skandal beiseite gelassen, hat Anfang nach schweren Zeiten zu Beginn, als der Kader sich oft veränderte und Verletzungen von Stützen vieles erschwerten, Werder auf den richtigen Weg geführt. Ich hätte ihm durchaus zugetraut, die Kurve zu kriegen.“

Die Werder-Elf mit Werner: „Ole Werner hat alles richtig gemacht. Drei Spiele, drei Siege – die Bilanz spricht für ihn. Ich halte ihn für einen Glücksgriff für Bremen. Zum einen, weil Werner ein anerkannter Fachmann ist, wie seine vortreffliche Arbeit in Kiel bewiesen hat. Doch noch aus zwei anderen Gründen: Er kennt die Liga bestens, und er favorisiert einen ähnlichen Fußball wie Anfang, was ihm den Einstieg erleichtert hat und ihm auch in der Rückrunde helfen wird.“

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Das Werder-System: „5-3–2 gegen den Ball, 3-5-2 bei Ballbesitz. So hat Anfang zuletzt operieren lassen, so tut es nun auch Werner. Der Erfolg gibt dem neuen Trainer recht, er hat keinen Grund, etwas zu verändern an der Grundformation. Und noch etwas spricht für diese Ordnung: Wer mit Ducksch und Füllkrug zwei solche Ausnahmestürmer im Aufgebot hat, muss beide bringen – Seite an Seite.“

Der Torwartwechsel: „Pavlenka war lange verletzt. Daher hat zunächst Zetterer den Vorzug erhalten. Aber für mich war es nur eine Frage der Zeit, wann es zu einem Wechsel kommt. Es war absehbar, dass ein Nationalspieler wie Pavlenka wieder zwischen die Pfosten rückt.“

Das Werder-Aufgebot: „Es ist ein toller Kader, viel Qualität, nur wenige Rivalen können auf ein solches Personalangebot zurückgreifen. Es fängt hinten an: Toprak ist der Chef, ein Führungsspieler mit vielfältigen Fähigkeiten, vor allem auch mit Stärken im Aufbau. Friedl hat mich anfangs enttäuscht, weil er seinen Wechsel auf unlautere Art erzwingen wollte. Nun läuft er wieder zu Form auf. Dazu noch Veljkovic, Jung und Agu, ein Bittencourt im Mittelfeld neben Roman Schmid, Niklas Schmidt und Mbom. Und vorne der schon angesprochene Supersturm.“

Die Aufstiegsfavoriten: „St. Pauli geht hoch, kein Zweifel. Sie haben kaum Druck, was ein Vorteil ist. Darmstadt hat auch Chancen. Es ist brutal eng. Die Favoriten kommen im neuen Jahr. Werder traue ich am meisten zu, mehr als Hamburg und Schalke. Weil der Kader auch in der Breite am besten besetzt ist. Sollte Werder von Verletzungen verschont bleiben sowie im Winter-Transferfenster nicht gezwungen sein, Leistungsträger aus finanzieller Not heraus zu veräußern, steigt die Mannschaft auf – möglicherweise sogar über die Relegation. Denn gegen den Drittletzten der Bundesliga, wer auch immer das sein wird, ist diese Werder-Truppe mehr als konkurrenzfähig.“

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