Klaassen, Sahin, Langkamp und Co. So schlagen sich die Werder-Abgänge bei ihren neuen Vereinen

Davy Klaassen, Nuri Sahin oder Fin Bartels: Wir haben einen Blick auf die Werder-Abgänge aus 2020 geworfen und nachgeschaut, wie sich die Ex-Bremer bei ihren neuen Clubs schlagen. Ein Überblick.
04.03.2021, 12:14
Lesedauer: 6 Min
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Von Marius Winkelmann

Der SV Werder Bremen hat im vergangenen Sommer einen radikalen Schnitt vollzogen: Viele jüngere Spieler kamen neu dazu, zehn überwiegend ältere Profis haben den Verein verlassen. Unter ihnen einige namhafte, verdiente Akteure, die allesamt einen mehr oder weniger großen persönlichen Fußabdruck an der Weser hinterlassen haben. Unsere DeichStube hat einen genaueren Blick auf die Werder-Abgänge aus 2020 geworfen und nachgeschaut, wie sich die Ex-Bremer bei ihren neuen Clubs schlagen. Ein Überblick.

Davy Klaassen (Ajax Amsterdam)

Rückkehr auf die große Bühne Champions League, Comeback in der Elftal und auf Titelkurs mit Ajax Amsterdam – Werders Rekordeinkauf Davy Klaassen (kam 2018 für 13,5 Millionen Euro vom FC Everton) hat mit der Rückkehr zu seinem Heimatverein so ziemlich alles richtig gemacht. Zwar zählte der 27-jährige Niederländer auch in seinen beiden Jahren beim SV Werder zu den unangefochtenen Stammspielern, aber in Amsterdam kommt Klaassens offensive Spiel- und Denkweise viel besser zum Tragen. Der Lohn: schon acht Liga-Treffer. Und ganz nebenbei spielt er mit Ajax um Titel. Klaassen: „Das Gefühl, am Ende der Saison etwas in der Hand halten zu können, hat mir sehr gefehlt.“ Mit Tabellenführer Ajax tanzt der Dauerläufer (lief bei Werder im Schnitt 11,5 Kilometer pro Spiel) noch auf drei Hochzeiten. In der Meisterschaft, im Pokal – wo Klaassen am Mittwoch gegen den SC Heerenveen mit seinem Treffer zum 1:0 höchstselbst den Einzug ins Finale ermöglichte – und in der Europa League, wo sich die Amsterdamer im Sechzehntel-Finale nach dem Ausscheiden in der Gruppenphase der Königsklasse gegen OSC Lille durchgesetzt haben.

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Nuri Sahin (Antalyaspor)

Die Erwartungen waren hoch, als Werder Nuri Sahin im Sommer 2018 für eine Ablösesumme von einer Million Euro vom BVB verpflichtete. Zwei Jahre und 40 Pflichtspiel-Einsätze später musste man konstatieren: Erfüllt hat Sahin die großen Hoffnungen in seine Person zu selten. Besser läuft es für 32-Jährigen bei seinem neuen Arbeitgeber Antalyaspor, dem derzeitigen Tabellenzehnten der Süper Lig. Beim Club von der Mittelmeerküste zählt der ehemalige türkische Nationalspieler zu den Säulen des Teams. 29 Pflichtspiel-Einsätze untermauern dies. Und: Genau wie Klaassen kann auch Sahin noch einen Titel holen. Am 17. März steigt für Antalya das Pokal-Halbfinale gegen Alanyaspor.

Fin Bartels (Holstein Kiel)

Obwohl er für den SV Werder in der dramatischen Relegation als Vorlagengeber des entscheidenden Augustinsson-Tores noch einmal wichtig geworden war, hatten die Verantwortlichen Fin Bartels nicht mehr zugetraut, bei den Grün-Weißen erneut eine tragende Rolle einzunehmen. Doch nach qualvollen Jahren in Folge seines Achillessehnenrisses und immer wieder neuen Blessuren erlebt der 34-Jährige bei seinem Heimatverein Holsten Kiel seinen dritten Frühling. Der Offensivallrounder klopft mit dem Zweitligisten nicht nur ans Tor zur Bundesliga, sondern warf ganz nebenbei auch noch den Abo-Sieger FC Bayern München aus dem DFB-Pokal. Und Bartels war daran nicht ganz unschuldig: Einmal traf er sehenswert in der regulären Spielzeit - und am Ende verwandelte er ganz lässig den entscheidenden Versuch im Elfmeterschießen. Auch das Viertelfinale am Mittwochabend gegen Regionalligist Rot-Weiß Essen meisterten Bartels und Co. äußerst souverän mit 3:0.

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Claudio Pizarro (Karriereende, FC Bayern)

Im Sommer war Schluss. Der ewige Claudio beendete im stolzen Alter von 41 Jahren seine Fabel-Karriere. Und doch wechselte Pizarro noch einmal den Verein. Inzwischen steht Claudio Pizarro als Club-Botschafter beim FC Bayern unter Vertrag – eine tatsächliche Tätigkeit ist damit aktuell aber nicht verbunden. Wegen der Corona-Pandemie stehen nahezu alle Räder still, und der Werder-Legende geht es in dieser Zeit wie vielen anderen: „Es ist sehr langweilig. Ich mache viel Sport, laufe draußen. Sonst bin ich viel zu Hause.“ Oder er schaut Fußball. Manchmal sogar in der Allianz-Arena, meistens aber daheim vor dem Fernseher. Die Spiele des SV Werder verfolgt Pizarro dabei genauso aufmerksam wie die des Rekordmeisters. Kürzlich stattete „Piza“ den Ex-Kollegen am Osterdeich einen Überraschungsbesuch ab und sah beim Training zu. Ob er dabei insgeheim Kandidaten für sein Werder-Abschiedsspiel sichtete, ist nicht überliefert. „Da liegen die Planungen derzeit auf Eis“, sagte Pizarro.

Sebastian Langkamp (Perth Glory)

Er hatte sich Zeit genommen, viel Zeit sogar, um einen passenden neuen Verein zu finden. Letztlich hat sich Sebastian Langkamp - nach seinem Vertragsende bei Werder Bremen im Sommer - im Januar für ein Abenteuer in Australien entschieden. Beim A-League-Club Perth Glory hat Langkamp einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Für den inzwischen 33-jährigen Innenverteidiger ist es die erste Station im Ausland. Noch hat der 1,91 Meter große Abwehrrecke aber nicht für die Violett-Orangen gespielt. Bis zum 20. Februar steckte Langkamp vorsorglich in häuslicher Quarantäne – seitdem arbeitet der gebürtige Speyer an seinem Comeback. Sein letzter Pflichtspiel-Einsatz datiert vom 6. Juli 2020 – Werders Relegations-Rückspiel in Heidenheim.

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Michael Lang (Borussia Mönchengladbach)

Null Bundesliga-Spiele und nur drei Pflichtspiel-Einsätze für Borussia Mönchengladbach hat Michael Lang in der laufenden Saison absolviert. Konkret waren es einmal acht Minuten in der Champions League (beim 6:0-Sieg gegen Schachtjor Donezk) und jeweils 45 Minuten in den ersten beiden Runden des DFB-Pokals. Nach seiner recht erfolglosen Leihe zum SV Werder läuft es für den Schweizer Nationalspieler am Niederrhein also noch bescheidender als zuvor an der Weser. Obgleich die Rolle als Backup für den gesetzten Stefan Lainer für den 30-jährigen Rechtsverteidiger im Kader des Champions-League-Achtelfinalisten auch genau so vorgesehen war. Langs Vertrag bei den Fohlen läuft noch bis Juni 2022.

Kevin Vogt (TSG 1899 Hoffenheim)

In insgesamt 14 Bundesliga-Spielen trug Kevin Vogt in der vergangenen Saison dazu bei, dass Werder Bremen letztlich die Klasse hielt. Unter Neu-Trainer Sebastian Hoeneß gehört der Mann der klaren Worte auch bei der TSG 1899 Hoffenheim zu den absoluten Führungsspielern. In 19 von 23 möglichen Partien kam der 29-jährige Innenverteidiger zum Zug. Ende November fehlte er zweimal wegen einer Corona-Erkrankung. Beim 4:0-Sieg der TSG gegen seine Bremer Ex-Kollegen vor anderthalb Wochen musste Vogt gelbgesperrt zusehen. Seine Rückkehr in den Kraichgau bereut der ehemalige U21-Nationalspieler keineswegs: „Meine Reise mit Hoffenheim war einfach noch nicht zu Ende“, sagte Vogt kürzlich im DeichStube-Interview.

Philipp Bargfrede (Werder U23)

Im vergangenen Sommer wurde Philipp Bargfrede nach 16 gemeinsamen Jahren Opfer seiner Verletzungshistorie und der Verjüngungskur des SV Werder. Sein Vertrag wurde nicht verlängert. Letztlich landete „Bargi“ aber wieder bei Werder und unterschrieb einen Vertrag als Führungsspieler in der U23. Nur wenige Tage nach seinem ersten Training mit dem neuen Team kam der Lockdown für die Regionalliga. Immerhin darf das Bremer Team, weil es aus Berufsfußballern besteht und Unterbau des Bundesligisten ist, anders als andere Regionalligisten durchgängig trainieren. Bitter ist es trotzdem, dass der 32-Jährige noch nicht ein einziges Spiel mit seinen neuen Kollegen absolvieren durfte. Bargfrede: „Das hatte ich mir natürlich anders vorgestellt.“ Zumal er auch seiner geplanten Nebenbeschäftigung nicht nachgehen kann. Als Trainee soll er nach der aktiven Karriere auf eine Laufbahn als Manager oder Trainer vorbereitet werden. Und dafür hätte Bargfrede sich gerne schon mal die Trainingsarbeit der Jugendteams angesehen und den Lehrgang zur ersten Trainerlizenz begonnen. Beides ist nicht möglich, weil Jugendteams nicht trainieren und Lehrgänge nicht stattfinden.

Martin Harnik (TuS Dassendorf)

Im Oktober hat Martin Harnik seine Karriere als Fußball-Profi mit 33 Jahren beendet, um in der 5. Liga sein Fußballer-Dasein im Kreise alter Bekannter ausklingen zu lassen. Einen Tag nach seiner Vertragsauflösung bei Werder Bremen heuerte der gebürtige Hamburger beim Hamburger Oberliga-Meister TuS Dassendorf an. Ein Schritt, auf den sich der ehemalige österreichische Nationalspieler eigentlich sehr gefreut hat – auch, weil er dem Druck des Profi-Geschäfts ein wenig entfliehen konnte. „Wenn ich für Dassendorf ein katastrophales Spiel mache und wir verlieren, wird sich das nicht auf mein Privatleben auswirken. Das ist eine große Erleichterung für mich“, hatte Harnik, der inzwischen als TV-Experte für DAZN tätig ist, in einem „Spox“-Interview gesagt. Dass er seitdem coronabedingt allerdings nur zwei Spiele (ein Tor, eine Vorlage) bestreiten konnte, dürfte dem Stürmer ziemlich auf den Wecker gehen. Zumal für Dassendorf und alle anderen Amateurvereine in Deutschland seit Ende Oktober nicht nur der Spiel-, sondern auch der komplette Trainingsbetrieb ruht.

Felix Beijmo (Malmö FF)

Sein Transfer entpuppte sich als einer der größten Flops der Vereinsgeschichte. Felix Beijmo wechselte für drei Millionen Euro von Djurgardens IF an die Weser und bekam am Osterdeich nie einen Fuß auf den Boden. Zwei Jahre und nur drei Einsätze in der Bremer U23 später wechselte der heute 23-Jährige zurück in die schwedische Heimat. Doch auch bei Malmö FF hatte Beijmo zunächst einen schweren Stand und lief nur in drei Liga-Partien auf. Immerhin durfte Beijmo zuletzt zweimal im Pokal über 90 Minuten ran. Die neue Saison in der Allsvenskan beginnt erst wieder im April.

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