Vorbericht zum Heimspiel gegen Freiburg Mit Radau und Respekt

Nach der unfreiwilligen Auszeit am vergangenen Wochenende will Werder nun gegen den SC Freiburg wieder Punkte holen. Für Florian Kohfeldt geht es dabei auch um den Erhalt einer interessanten Mini-Serie.
12.02.2021, 17:30
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Von Carsten Sander

Florian Kohfeldt sagt, dass er den SC Freiburg „unglaublich mag“. Wieso? Weil ihm das Temperament der Breisgauer auf der Bank gefällt, weil er die sportliche Kontinuität bewundert und die ruhige Vereinspolitik wertschätzt. Und vielleicht mag er den SC Freiburg auch deshalb besonders gerne, weil er in der vergangenen Saison der beste Punktelieferant war. Ein Unentschieden, ein Sieg – gegen kein anderes Team schnitt Werder besser ab. Insgesamt ist Kohfeldts Team gegen Freiburg seit fünf Vergleichen unbesiegt - eine Mini-Serie, die sich im Heimspiel am Sonnabend (15.30 Uhr) aus Bremer Sicht gerne fortsetzen darf.

2:2 und 1:0 hieß es in der vergangenen Saison gegen die Breisgauer – und obwohl das in der Summe eine positive Bilanz für die Bremer ergab, lösten Hin- und Rückspiel doch völlig unterschiedliche Entwicklungen bei Werder aus. Dem unglücklichen 2:2 im Hinspiel mit dem Ausgleich in der Nachspielzeit folgte eine Phase mit sechs Niederlagen in sieben Spielen, das 1:0 im Rückspiel war wiederum der erste Sieg nach der Corona-Pause und für Werder das erste von drei Spielen in Folge, in denen die Bremer kein Gegentor kassierten. Die sieben Punkte aus diesen drei Partien bildeten den Grundstein für den erfolgreichen Kampf um den Klassenerhalt.

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Zweimal Freiburg, zweimal bedeutungsschwere Spiele. Am Sonnabend ist aber weit weniger Dampf auf dem Kessel – was natürlich mit der Tabellensituation und der Form beider Teams zu tun hat. Während der Sport-Klub mit 30 Punkten Kontakt zu den europäischen Rängen aufgenommen hat, ist es Werder immerhin gelungen, ein kleines Polster zwischen sich und die Abstiegsränge zu bringen. Kohfeldt schätzt es so ein: „Da treffen zwei Mannschaften aufeinander, die einen ordentlichen Weg beschreiten.“

Der Weg des SC Freiburg wird allerdings weit mehr bewundert als der des SV Werder. Der Club fasziniert die Branche damit, jedes Jahr Leistungsträger abgeben zu müssen und dennoch nicht einzubrechen. Nach der vergangenen Saison verkauften die Freiburger in Luca Waldschmidt, Robin Koch und Torhüter Alexander Schwolow drei Leistungsträger, der sportliche Erfolg blieb aber. Und dank der Transfereinnahmen von 35 Millionen Euro ist auch die Geschäftsbilanz in der ersten Corona-Saison leicht positiv. „Freiburg macht wirklich eine sehr tolle Arbeit in den letzten Jahren, fast schon kann man Jahrzehnte sagen“, lobt Werder-Sportchef Frank Baumann, der davon nur träumen kann. Er musste mit Werder erst durch den Abstiegskampf und ist nun gefordert, ein Rekord-Minus von 23,71 Millionen Euro für das vergangene Geschäftsjahr zu moderieren.

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Es sind starke Kontraste, die sich in den vergangenen Jahren zwischen den Bremern und den Freiburgern gebildet haben. Und dennoch mag sich Florian Kohfeldt den Gegner nicht als Vorbild vor die Nase halten lassen. „Riesenrespekt vor dem, was der SC Freiburg abliefert. Trotzdem würde ich jetzt nicht so tun, als ob es da etwas gäbe, dem wir nacheifern müssten“, sagt der Werder-Trainer und meint vor allem die Fähigkeit, sich aus der Not heraus neu erfinden zu können. Freiburg kann das, ganz ohne Frage – „aber auch wir zeigen in dieser Saison, dass wir aus einer vielleicht noch schwierigeren Ausgangsposition heraus in der Lage sind, sehr stabil Fußball spielen zu können“, erklärt der 38-Jährige.

Es wirkt, als möchte Kohfeldt von dem Beifall, den der SC Freiburg bekommt, gerne etwas abbekommen. Denn wer Trainer-Dauerbrenner Christian Streich für die Entwicklung und den Einbau junger Spieler lobe, der dürfe an Werder nicht einfach vorbeigucken, meint der Bremer Coach: „Da sehe ich bei uns aktuell sogar noch deutlich mehr.“ In den voraussichtlichen Startaufstellungen finden sich beim SC Freiburg in Torwart Florian Müller (23), Keven Schlotterbeck (23), Woo-yeong Jeong (21) und Ermedin Demirovic (22) vier Spieler, die 23 Jahre oder jünger sind. Bei Werder sind es in Marco Friedl (22), Romano Schmid (21) und Josh Sargent (20) nur drei, mehr Newcomer und Bundesliga-Debütanten hatten in der letzten Zeit aber tatsächlich die Bremer zu bieten.

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In einer Hinsicht geben sich die beiden Teams aber nichts – und das ist der Radau von der Bank. Mit dem Kollegen Streich umarmt sich Kohfeldt vor und nach den Spielen, währenddessen geht es aber an der Seitenlinie zur Sache. Kohfeldt sagt, er freue sich schon drauf: „Die Freiburger sind höflich und sympathisch, aber wenn das Spiel losgeht, wahnsinnig ehrgeizig und extrem verbissen. Dann geben sie alles, um das Spiel zu gewinnen – auf der Bank und natürlich auch auf dem Platz. Das zeichnet sie aus. Das alles nehme ich aber auch für uns in Anspruch.“ Für ihn ist klar: Wenn seine Mannschaft nicht sofort scharf gestellt sei, dann wird es in dieser Saison nichts werden mit dem Ungeschlagenbleiben gegen den aktuellen Tabellenachten, dem im Hinspiel ein 1:1 abgetrotzt worden war: „Wir müssen vom ersten Moment an Mut und Aktivität auf den Platz bringen, sonst wird es schwer.“ Denn die Freiburger hätten diesen Mut und die Aktivität „einfach in sich“, sagt Kohfeldt und erhebt den Sport-Club zum „wahrscheinlich stärksten Gegner seit Bayer Leverkusen“ Anfang Januar - „und wir haben danach noch gegen Gladbach gespielt, das soll also schon etwas heißen“.

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