Diskussion um den Sportchef Stille Post bei Werder: Baumann bleibt

Fünf Tage sind inzwischen vergangen, seit Werder abgestiegen ist. Die zentrale Frage, um die sich am Osterdeich alles dreht, ist aber noch immer nicht beantwortet: Darf Sportchef Frank Baumann weitermachen?
26.05.2021, 19:51
Lesedauer: 2 Min
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Von Daniel Cottäus

Fünf Tage sind inzwischen vergangen, seit der SV Werder Bremen aus der Bundesliga abgestiegen ist. Fünf Tage, die dem Aufsichtsrat nicht gereicht haben, sich zur wichtigsten Person im Verein entweder zu bekennen oder aber sich von ihr zu trennen. Es geht um - na klar - Sportchef Frank Baumann. Obwohl nun schon länger rund um das Weserstadion geflüstert wird, dass der Geschäftsführer Sport trotz des Abstiegs im Amt bleiben und den Neuaufbau in der 2. Liga in die Hand nehmen darf, fehlt immer noch ein offizielles Statement. Und jeder Tag, im Grunde jede Stunde, ist verschenkt, in der Baumann nicht mit der Rückendeckung durch das Kontrollgremium arbeiten kann.

Als „schnellstmöglich“ hatte Aufsichtsratschef Marco Bode am Sonntag, also einen Tag nach dem besiegelten Abstieg, Klarheit in der Baumann-Frage angekündigt. Nach Informationen der DeichStube ist sie aber noch immer nicht formal geschaffen worden. Erst in den nächsten Tagen will das Kontrollgremium eine Sitzung abhalten, während der die Entscheidung fallen soll. Bode ließ gestern eine Anfrage der DeichStube zur Sache unbeantwortet. Klar ist aber auch so: Für Baumann, der bei vielen Fans und Freunden des Vereins stark in der Kritik steht, sieht es weiterhin gut aus. Die Mehrheit des sechsköpfigen Aufsichtsrats soll sich bereits für eine Zukunft mit dem bisherigen Sportchef ausgesprochen haben.

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Dass dennoch fünf Tage ohne eine eindeutige Verlautbarung vergehen, erinnert an die Hängepartie Ende April um den später dann doch freigestellten Cheftrainer Florian Kohfeldt. Alles zu wissen, alle Fakten zu kennen und dennoch lange zu überlegen – dieses Modell macht Schule bei Werder.

Über das Für und Wider einer Weiterbeschäftigung des bis 2022 vertraglich gebundenen Sportchefs muss der Aufsichtsrat ausführlicher als angenommen nachdenken. Das große Pro-Argument: Mit Baumann ist Werder ohne Unterbrechung handlungsfähig. Die Suche nach einem neuen Trainer sowie die nötigen Veränderungen im Kader hat der Ex-Profi längst angeschoben. Ein neuer Mann auf dem Posten des Sportchefs bräuchte, wenn er denn überhaupt sofort einsteigen könnte, eine gewisse Einarbeitungszeit, die sich Werder angesichts des frühen Zweitliga-Saisonstarts am 23. Juli aber gar nicht leisten kann. Das spricht also für Baumann. Wie auch der Faktor Geldknappheit vor und während der vergangenen Saison. Baumann konnte zuletzt nicht mehr in die Mannschaft – speziell ins Mittelfeld – investieren, konnte alte Fehler nicht mehr ausbügeln, weil keine finanziellen Mittel zur Verfügung standen.

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Die Contra-Liste hat es aber auch in sich. Gegen Baumann spricht ganz knallhart die Tatsache, dass er, der nicht der einzige Manager der Liga war, der mit den Folgen der Corona-Pandemie klarkommen musste, der Architekt des sportlichen Misserfolgs der vergangenen zwei Spielzeiten ist. Es war sein Trainer, der es nicht geschafft hat, das Team aus der Krise zu holen. Seine Mannschaft, die nicht abgeliefert hat. Seine Transfers, die nicht gezündet haben. Kurzum: Funktioniert hat am Ende nichts. 

Diese Punkte sind im Aufsichtsrat diskutiert worden. Herausgekommen ist dabei ein Raunen und Gemurmel im Werder-Umfeld, in dem Baumann jetzt natürlich als angezählt gilt. Nicht nur wegen des Abstiegs, sondern auch weil eine klare Entscheidung über seine Zukunft so lange auf sich warten lässt. Das nährt den Glauben, dass das Vertrauen in ihn wenig stabil ist. Weshalb seine Zukunft fürs erste geklärt sein mag, aber dennoch unklar bleibt. 

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