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Werder: Millionen-Deal mit Infront

Marc Hagedorn 11.10.2014 14 Kommentare

Bremen. Er ist nicht mehr allzu häufig im Weserstadion. Dafür ist der Weg aus der Schweiz einfach zu weit. Ein-, vielleicht zweimal pro Saison schafft es Günter Netzer noch zu Werder-Heimspielen. An seiner Zuneigung für die Grün-Weißen ändert die räumliche Distanz aber nichts.

Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung von Werder Bremen.
Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung von Werder Bremen. (nordphoto)
Im Gegenteil: Günter Netzer hat sich ein ganz besonderes Faible für Werder Bremen bewahrt. „Das resultiert aus der Rehhagel-Zeit“, sagt der mittlerweile 70-jährige ehemalige Weltklasse-Fußballer, „ich habe es bewundert, wie bei Werder gearbeitet wurde und wie Otto sein Amt ausgeübt hat. Das war einmalig in der Bundesliga.“

Vor einigen Jahren sind geschäftliche Beziehungen zur emotionalen Bindung dazu gekommen. Seit 2008 arbeitet die Infront Sports&Media AG mit Sitz im schweizerischen Zug mit Werder zusammen. Netzer sitzt bei dem Vermarkter im Vorstand. Jetzt haben Werder und Infront ihre Zusammenarbeit verlängert und ausgebaut. Der noch bis 2019 laufende Vertrag ist bis 2029 ausgedehnt worden – mit einem satten finanziellen Aufschlag für Werder. Einen „Meilenstein“ nennt Werders Vorsitzender der Geschäftsführung, Klaus Filbry, den neuen Deal, der Werder kurzfristig flüssig macht und langfristig absichert.

Günter Netzer, Direktor von Infront Sports & Media.
Günter Netzer, Direktor von Infront Sports & Media. (dpa)
Werder erhält zu sofort eine einmalige Zahlung im hohen einstelligen Millionenbereich, von der ein Teil (der größere) an die Werder Bremen GmbH&Co.KGaA fließt und ein (kleinerer) Teil an die Stadiongesellschaft, die das Weserstadion betreibt und zur einen Hälfte Werder und zur anderen Hälfte der Stadt gehört. Das Gute – neben dem Geld – an diesem Deal aus Werder-Sicht: „Wir haben keine weiteren Rechte an den Vermarkter abtreten müssen“, sagt Filbry. Heißt: Werder ist weiterhin Herr im Hause und muss kein Tafelsilber verscherbeln.

Die frischen Millionen erhöhen nun auch die Wahrscheinlichkeit, dass Werder im Winter auf dem Transfermarkt zuschlagen wird. „Der Wettbewerb hat sich gravierend verändert“, sagt Filbry mit Blick auf die Bundesliga. Was er meint: Der FC Bayern, Borussia Dortmund und mit Abstrichen der FC Schalke 04 spielen finanziell längst in einer eigenen Klasse. Dazu kommen Klubs wie der VfL Wolfsburg, 1899 Hoffenheim, Bayer Leverkusen und demnächst wahrscheinlich auch RB Leipzig, die großzügig von Mäzenen, Investoren oder Konzernen unterstützt werden.

„In diesem Wettbewerb müssen wir kreative und intelligente Lösungen finden“, sagt Filbry, „und der Weg mit Infront als strategischem Partner ist einer davon.“ Auch die – finanziell deutlich kleineren Abschlüsse dieser Woche – mit Capri-Sonne und dem chinesischen Reifenhersteller Linglong seien laut Filbry ein Zeichen. „Linglong hat Werder ausgewählt, um in den deutschen Markt einzusteigen. Für Capri-Sonne sind wir nach dem FC Bayern und Borussia Dortmund die Nummer drei.“

Die Werder-Bilanzen der letzten Jahren auf einen Blick...
Saison 2013/2014: Keine internationale Teilnahme. Umsatz: 91,3 Millionen Euro. Verlust: 9,8 Millionen Euro.
Saison 2012/2013: Keine internationale Teilnahme. Umsatz: 87,9 Millionen Euro. Verlust: 7,9 Millionen Euro.   
Saison 2011/2012: Keine internationale Teilnahme.
Fotostrecke: Werders Geschäftsjahre ab der Saison 2003/2004
Außerdem könnte Werder – Infront-Millionen hin oder her – in diesem Winter mit einem zusätzlichen Kredit seinen finanziellen Spielraum erweitern. „Klar ist, dass es Entwicklungen und Neuerungen geben muss“, sagt Netzer und hat bei dieser Aussage gerade die Traditionsklubs im Blick. „Das, was vor 20 oder 30 Jahren gut und richtig war, das muss heute nicht mehr gelten.“ Netzer plädiert stattdessen für „Mut zu überschaubaren Risiken“.


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