Kleinbusse und Postroboter Autonome Maschinen: Diese Testprojekte gibt es bereits

Einparken, die Spur halten - viele Autos sind mit Fahrassistenten ausgestattet. Bis zum Autonomen Fahren ist es noch ein weiter Weg. Doch an vielen Orten werden bereits autonome Maschinen getestet.
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Von Christian Mayr, Alice Echtermann, mit dpa

Das Fahren eines Autos moderner Bauart gilt als assistiert: Einparkhilfe, Tempomat und viele andere Systeme helfen dem Fahrer, der noch steuern und auf den Verkehr achten muss. Der nächste Entwicklungsschritt ist das teilautomatisierte Fahren, bei dem das Fahrzeug unter anderem auf der Autobahn autonom geradeaus fahren kann. Das beherrschen heute nur wenige Modelle. Bis zum Wagen, der die Strecke vom Start bis zum Ziel komplett fahrerlos bewältigt, ist es noch ein weiter Weg.

Und nicht nur die Automobilbranche ist an diesem Thema interessiert, auch in vielen anderen Bereichen arbeiten Wissenschaftler und Unter­nehmen an Fahrzeugen und Robotern, die sich selbstständig bewegen und definierte Aufgaben übernehmen. Eine Auswahl.

Autonome E-Busse

Im niederbayerischen Kurort Bad Birnbach fährt seit Ende Oktober dieses Jahres ein elektrisch betriebener Bus ohne Fahrer (siehe Foto oben). Mit 15 Kilometern pro Stunde pendelt er zwischen dem Bahnhof, dem Ortszentrum und der Therme. Entwickelt hat das von der ­Deutschen Bahn betriebene Fahrzeug mit Platz für sechs ­Passagiere eine französische Firma. Ausgestattet sei der Bus mit Lasersensoren und Kameras, teilte die Deutsche Bahn mit. Kreuze ein Fußgänger die Route des Busses, werde das Sicherheitssystem aktiviert und das Fahrzeug bremse sofort.

Auch in der Region Karlsruhe soll ab November 2017 ein autonomer Elektro-Minibus getestet werden. An dem "Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg" sind verschiedene Forschungsinstitute, die Städte Karlsruhe, Heilbronn, Bruchsal sowie der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) beteiligt. Der Prototyp trägt den Namen "Olli", hat Platz für acht Personen und kann theoretisch bis zu 50 Stundenkilometer schnell fahren. Das Modell wird zu großen Teilen mit 3-D-Drucktechnik hergestellt.

In Las Vegas wird übrigens ebenfalls seit Anfang November ein autonomer Shuttlebus eingesetzt. An seinem ersten Tag war er gleich (unverschuldet) in einen Unfall verwickelt; ein zurücksetzender Lieferwagen streifte das Fahrzeug. Der Bus soll ein Jahr lang auf einer Rundstrecke mit drei Haltestellen eingesetzt werden. Es ist der erste Probebetrieb dieser Art in den USA.

Robex Gleiter für Unterwasserforschung

Das 240 Kilogramm schwere und eigenständig operierende Unterwasserfahrzeug kann in Tiefen bis zu 500 Metern unter anderem die Verteilung von im Meer treibenden Organismen (Plankton) messen und die Artenvielfalt bestimmen. Derzeit ist der Gleiter in der Lage, einen festen Missionsplan abzuarbeiten. In der nächsten Entwicklungsstufe soll das System koordiniert mit einem Oberflächenfahrzeug arbeiten – es wird damit sozusagen an eine virtuelle Leine gehängt. Entwickelt wurde der stromlinienförmige Gleiter im Rahmen der Helmholtz-Allianz Robex unter Leitung des Marum und unter Beteiligung von Airbus, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sowie der Universität Würzburg.

Paketroboter in Österreich

Im Oktober dieses ­Jahres präsentierte die österreichische Post in der Stadt Graz den Prototypen eines Paketroboters. Das elektrobetriebene Fahrzeug navigierte anhand programmierter Daten in Schrittgeschwindigkeit durch die Innenstadt. Die Adressaten der Sendungen erhielten vor Ankunft des Roboters eine SMS und konnten sich später ihr Paket abholen. Basis des selbstfahrenden Zustellsystems ist der Jetflyer der Firma i-Tec, den Experten der Arbeitsgruppe Autonome Intelligente ­Systeme der Technischen Universität Graz innerhalb von nur sieben Monaten automatisiert haben.

Bonirob hilft in der Landwirtschaft

Bonirob ist eine von Bosch entwickelte multifunktionale Robotik-Forschungsplattform für den Einsatz in der Landwirtschaft. Zum Beispiel kann das lernfähige System anhand der Blattform zwischen Nutzpflanzen und Unkraut unterscheiden. Detektiert Bonirob Unkraut vernichtet er es mechanisch mithilfe eines Rammstabs. Das Bosch Start-up Deepfield Robotics nutzt die Erkenntnisse aus der Entwicklung und Anwendung des Bonirob nun, um Landwirten vernetzte Lösungen anzubieten. In Planung ist zurzeit unter anderem ein kompakter Agrarroboter, der Unkraut auf Feldern ohne den Einsatz von chemischen Wirkstoffen (Herbiziden) entfernen soll.

Fliegender Paketkopter

In Reit im Winkel eroberte Anfang 2016 ein vollautomatischer Paketkopter der dritten Generation von DHL den Himmel. Das zweimotorige Fluggerät kann durch seine Schwenkflügel senkrecht starten und landen. Während der dreimonatigen Testphase konnten Kunden ihre ­Pakete in einer speziell entwickelten Packstation in Reit im Winkel und auf der Winklmoosalm aufgeben und abholen. Die Transportdrohne, die sich selbstständig be- und entlädt, legte die Distanz zwischen den Stationen innerhalb von acht Minuten zurück – mit dem Auto hätte man im Winter mehr als 30 Minuten benötigt.

Platooning: Lkw fahren im Konvoi

Beim Platooning bilden digital aneinandergekoppelte Lkw einen Konvoi. Per WLAN verbunden und via Computer überwacht fahren sie in dichter Reihung. Das Bremsen, Beschleunigen und sogar Lenken erfolgt nach den Maßgaben des ersten Lkws synchron. Der Vorteil: Das teilautomatisierte Fahren im Windschatten spart bis zu zehn Prozent Treibstoff. ­Zudem agiert das automatisierte System vorausschauender als der Mensch. Die Folge: die Sicherheit steigt und der Verkehrsfluss wird optimiert. Derzeit testet zum Beispiel der Lkw-­Hersteller DAF Platooning auf ausgewählten Straßen in Großbritannien.

B-Human - Fußballroboter

Ein Fußballspiel läuft nach Regeln ab – es ist wie der Straßenverkehr eine standardisierte Umgebung. Das macht sich eine ­Kooperation des Forschungsbereichs „Cyber-Physical Systems“ des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) und des Studiengangs Informatik der Universität Bremen zunutze: Sie lässt für die Grundlagenforschung Roboter Fußball spielen. Die Spieler aller Beteiligten sind baugleich, doch die Programmierung unterscheidet sie. Da im Spiel die jeweiligen Situationen nicht vorhersagbar sind, muss die Software als selbstlernendes System autonom reagieren. Und das tun die digitalen Vertreter aus Bremen ausgezeichnet: Sie sind achtfacher Deutscher sowie sechsfacher Weltmeister.

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