Westhagemann wechselt in die Politik Ex-Siemens-Manager wird Hamburgs Wirtschaftssenator

Hamburgs designierter Wirtschaftssenator Michael Westhagemann kennt sich bestens in der Windenergie aus – und auch in Bremen und Bremerhaven. Was er im vergangenen Jahr als Ehrengast beim Roland-Essen forderte.
29.10.2018, 20:05
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Ex-Siemens-Manager wird Hamburgs Wirtschaftssenator
Von Markus Lorenz

Im Rathaus sprechen sie von einem „Horch 2.0“: Und tatsächlich weist der Lebenslauf des kommenden Hamburger Wirtschaftssenators etliche Parallelen zu dem von Noch-Amtsinhaber Frank Horch auf. Der Neue ist Michael Westhagemann und wie sein Vorgänger ein parteiloser Spitzenvertreter der Hamburger Wirtschaft. Beide waren sie erfolgreiche Industriemanager, standen dem Industrieverband Hamburg vor und bildeten als Vizepräses und Präses die Spitze der Handelskammer. „Michael Westhagemann ist bestens vernetzt und kennt die Anforderungen der Zukunft“, begründete Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) gestern Abend seine Personalwahl – die lange auf der Kippe stand.

Westhagemann hatte schnell zum Kreis der Nachfolgekandidaten gehört, nachdem Horch seinen Rückzug bis Jahresende angekündigt hatte; der 70-Jährige will sich um seine schwer kranke Frau kümmern. Früh klopfte Hamburgs Erster Bürgermeister Tschentscher bei dem Mann an, der bis 2017 die Region Nord des Weltkonzerns Siemens von Hamburg aus leitete. Doch Westhagemann winkte ab, was er gestern so erklärte: „Ich musste zunächst meine Frau und meine beiden Töchter fragen.“ Die gaben grünes Licht – und weil Tschentscher hartnäckig blieb, lässt Westhagemann nun seine Tätigkeit als Wirtschaftsberater ruhen. Die Bürgerschaft soll den 61-Jährigen am Donnerstag im Amt bestätigen, für Freitag ist die Amtsübernahme in der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation vorgesehen.

Als seine wichtigsten Ziele nannte der designierte Wirtschaftssenator die Weiterentwicklung des Hafens und der Energiesysteme sowie eine intensivere Zusammenarbeit mit der Wissenschaft. Westhagemann sagte dazu: „Ich freue mich sehr über das Vertrauen und auf das Amt.“

Der gelernte Starkstromelektriker und studierte Informatiker arbeitet seit 2003 in Hamburg und wurde vor allem als Chef der Nord-Niederlassung von Siemens mit mehr als 2000 Mitarbeitern bekannt. Bis heute gehört er dem Aufsichtsrat des Hafenkonzerns HHLA an und engagiert sich im Hochschulrat der TU Harburg. Seit seinem Ausscheiden bei Siemens vor gut einem Jahr arbeitet er als Technologie- und Innovationsberater.

Windkraft und Energiewende hatte er bei Siemens zu seinem Thema gemacht. Er ist Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Clusters für erneuerbare Energien in Hamburg (EEHH) und gehört zur Koordinierungsgruppe für das Projektmanagement der „Norddeutschen Energiewende“ (NEW 4.0).

Angesprochen auf frühere Konflikte mit seinem künftigen Senatskollegen, dem Grünen Jens Kerstan (Umwelt), um den Rückkauf der Energienetze, sagte der kommende Wirtschaftsressortchef: „Das Volk hat sich für den Rückkauf der Netze entschieden, das akzeptiere ich. Inzwischen habe ich ein ganz gutes Verhältnis mit Herrn Kerstan.“

Wirtschaftsverbände begrüßten die Entscheidung, und auch vom SPD-Koalitionspartner gab’s Vorschusslorbeeren. „Michael Westhagemann ist ein Wirtschaftsfachmann, wie er im Buche steht“, lobte Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks. Besonders freue ihn, dass der neue Wirtschaftssenator als Manager den Bereich Windkraft verantwortet habe.

Durch seine Siemens-Tätigkeit ist Westhagemann auch in Bremen nicht unbekannt. Im vergangenen November war er Ehrengast beim Roland-Essen des Industrie-Clubs Bremen. Im Interview mit dem WESER-KURIER forderte er damals mehr Zusammenarbeit der norddeutschen Bundesländer: „Wenn es um große Infrastrukturprojekte geht, sollten die fünf Bundesländer in Berlin mit einer Stimme sprechen. Da muss man gemeinsam denken.“

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