Gastkommentar Wie eine Kooperation der deutschen Häfen gelingen kann

Es wird immer konkreter: Die Häfen Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven wollen in Zukunft miteinander kooperieren. Das macht ökonomisch und ökologisch Sinn, meint unsere Gastautorin Beatrice Claus vom WWF.
16.01.2022, 08:30
Lesedauer: 2 Min
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Von Beatrice Claus

Seit Jahrzehnten konkurrieren die norddeutschen Häfen um die großen Containerschiffe. Im Gerangel um die Pötte wurden Elbe und Weser mehrfach vertieft, gleichzeitig entstand in Wilhelmshaven auf Kosten von Natur und Steuerzahler ein Tiefwasserhafen. Jetzt kündigen die Terminalbetreiber in Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven an, in Zukunft miteinander kooperieren zu wollen.

Ziel ist es, gegenüber Rotterdam und Antwerpen konkurrenzfähig zu werden. Ein großer Schritt in die richtige Richtung, solange die Kooperation auch ökologisch nachhaltig ist. Um bei diesem Bündnis nationale, europäische und internationale Klima- und Naturschutzziele berücksichtigen zu können, braucht es aus Sicht des WWF eine tiefgangabhängige Arbeitsteilung zwischen den drei deutschen Stand­orten.

Die Grundlage ist bereits gelegt. Durch die Zusammenarbeit der Terminals würden den Häfen in Hamburg und Bremerhaven die Ressourcen des Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven zur Verfügung stehen. Der kann weitgehend restriktionsfrei die größten Containerschiffe bedienen.

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So wird zum einen die Konkurrenzfähigkeit des Hafenstandorts Deutschland gegenüber den Häfen Antwerpen und Rotterdam gestärkt, zum anderen erübrigt sich die Vertiefung der Außenweser und der Abschluss der Elbvertiefung. Durch die massiven Eingriffe droht die Zerstörung dieser Flussmündungen. Geschützte Lebensräume an Weser und Elbe werden heute schon in großem Umfang durch Verschlickung geschädigt, und in der Elbe brechen die Fischbestände zusammen. 

Mit einer Politik von gestern lassen sich die Herausforderungen der Zukunft nicht lösen. Flussvertiefungen sind eine Retropolitik, die nicht zukunftsfähig ist. Im Rahmen einer Hafenkooperation müssen die Stärken der einzelnen Standorte berücksichtig werden: Wertschöpfungspotenziale, Möglichkeiten der Digitalisierung zur Vermeidung von Verkehr und Emissionen, Innovationsfähigkeit, Flächenproduktivität, Hafengebühren sowie Containerstau- und Endladekosten. Für die Verlader ist nicht entscheidend, über welche Häfen verschifft wird. Entscheidend ist, wie die Ware am günstigsten von A nach B kommt.

Und wie der Umwelt dabei am wenigsten Schaden zugefügt wird. Das Artensterben und die Klimakrise sind als Bedrohung für die Menschheit in der allgemeinen Wahrnehmung angekommen. Nachhaltigkeit wird in Zukunft ein wichtiger Wettbewerbsfaktor sein – auch unter den europäischen Häfen.

Zur Person

Unsere Gastautorin

ist seit 1998 beim WWF Deutschland zuständig für den Schutz der Flussmündungen von Ems, Weser und Elbe. Sie arbeitet an Lösungen, die Ökologie und Ökonomie miteinander verbinden sollen.

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