Statt OTB in Bremerhaven Jetzt will Hamburg den Offshore-Terminal

Jetzt, wo der OTB vom künftigen neuen Senat auf Eis gelegt wurde, soll im Hamburger Hafen ein Areal für die Offshore-Windindustrie geschaffen werden. Das wünscht sich die Hamburger SPD-Bürgerschaftsfraktion.
03.07.2019, 18:23
Lesedauer: 4 Min
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Jetzt will Hamburg den Offshore-Terminal
Von Peter Hanuschke

Während die Planung für den Offshore Terminal Bremerhaven (OTB) vom künftigen neuen Senat in der gerade gestarteten Legislaturperiode nicht aktiv weiterverfolgt wird, will Hamburg diese Zeit nutzen, und ein solches Projekt auf Steinwerder umsetzen – zumindest ist das die Vorstellung der dortigen SPD-Bürgerschaftsfraktion.

„Es gibt schon lange die Idee, in Hamburg ein Offshore-Terminal zu errichten und neue Industriearbeitsplätze im Hafen zu schaffen“, sagte Joachim Seeler, der hafenpolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, dem „Hamburger Abendblatt.“ „Bislang haben wir uns mit Rücksicht auf die Pläne in Bremerhaven zurückgehalten.“ Jetzt gebe es die große Chance, „Unternehmen anzusprechen, ob sie nach Hamburg kommen wollen.“

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Trotz der Lage in der Offshore-Windindustrie – die Branche befindet sich in einer Konsolidierungsphase – ist Seeler davon überzeugt, dass Offshore-Windenergie ein Wachstumsmarkt sei. „Zuletzt gab es Signale aus der Bundesregierung, den Ausbau wieder zu forcieren“, sagte der Politiker dem „Abendblatt“. Als Standort in Hamburg würde sich Steinwerder-Süd eignen. Das Areal im Hafen liegt seit 2016 brach. Bislang gibt es noch kein Konzept für Nutzung des geschlossenen Buss Hansa-Terminals.

Windkraftindustrie passe gut zu Hamburg

Die Idee, dort Windanlagenhersteller anzusiedeln, sei gemeinsam mit der Hafenwirtschaft auf den Weg gebracht worden, sagte Seeler dem WESER-KURIER. Welche Unternehmen das genau sein könnten, das ließ der Politiker offen. Das 42 Hektar große Areal im anstehenden Planfeststellungsverfahren auch für die Windkraftindustrie zu nutzen, sei aus Hamburger Sicht nur ein Angebot. „Und wenn Bremerhaven als Standort wegfällt, können wir doch einspringen.“ Windkraftindustrie habe eine hohe Wertschöpfung, das passe gut zu Hamburg, wo genau darauf Wert gelegt werde. „Einfach nur Logistikhallen wollen wir ja gar nicht haben.“ Die Offshore-Windbranche sei sicherlich in einer schwierigen Phase, aber die Nachfrage nach Offshore-Anlagen werde steigen. Zudem gebe es Licht und Schatten bei den Herstellern.

Was den OTB angeht, wurde gerade aufgrund der Marktveränderungen das Projekt auf Eis gelegt. So hatte Grünen-Fraktionschefin Maike Schaefer mehrfach betont, dass es ein Fehler wäre, „krampfhaft“ auf den Offshore-Terminal zu beharren. Es gebe keinen Bedarf und keine Wirtschaftlichkeit. Das Geld solle in Bremerhaven besser in sinnvollere Projekte investiert werden. Für die verbliebene Offshore-Industrie könne auf Schwerlastkajen am Containerterminal und im Fischereihafen zurückgegriffen werden, so Schaefer.

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Die Konsolidierung in der Branche hat besonders Bremerhaven zu spüren bekommen. Die Seestadt galt jahrelang als Hochburg der Offshore-Windindustrie in Deutschland. Das hat sich geändert, nicht nur, weil sich Marktführer Siemens-Gamesa für Cuxhaven und gegen Bremerhaven als Produktionsstandort für seine Windanlagen entschieden hatte. Hinzu gekommen waren Pleiten namhafter Hersteller: So stellte 2017 unter anderem der Offshore-Turbinen-Hersteller Adwen seine Fertigung ein. Außerdem machte das Werk von Power-Blades dicht, ein Hersteller für Windanlagen-Rotorblätter. Und der Anlagenproduzent Senvion befindet sich in der Insolvenz und ist auf der Suche nach einem Investor.

Keine hohen Chancen für Offshore-Terminal in Hamburg

„Wir schätzen die Chancen für ein Offshore-Wind-Terminal in Hamburg als nicht hoch ein“, sagte Dirk Briese, Geschäftsführer vom Bremer Marktforschungsinstitut Windresearch dieser Zeitung. Dafür gebe es mehrere Gründe. Hamburg liegt deutlich weiter weg von Nord- und Ostsee als andere Häfen wie Cuxhaven, Bremerhaven oder Esbjerg in Dänemark sowie Eemshaven in den Niederlanden, in denen bereits der Umschlag von Windanlagen-Großkomponenten stattfindet.

Momentan gebe es auch keine erkennbaren Absichten von Offshore-Windanlagenherstellern, einen neuen Produktionsstandort aufzubauen. Selbst bei Erhöhung des Ausbauziels der Bundesregierung – erwartet werde eine Erhöhung des deutschen Ausbauziels um zwischen zwei und fünf Gigawatt (GW) – werde das keinen Boom auslösen, sondern eher für eine Konstanz in der Auslastung der vorhandenen Produktionsstandorte sorgen.

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Selbst wenn das derzeitige Ausbauziel von 15 GW bis 2030 in Deutschland verdoppelt würde, würden die vorhandenen Offshore-Häfen-Standorte in Deutschland, Dänemark und den Niederlanden ausreichen, um darüber den Aufbau abzuwickeln. Spannend könnte es werden, wenn es noch mehr Bewegung auf dem internationalen Markt gebe. „Wenn alle Länder gleichzeitig erhöhen, dann kann es schon einen Boom geben.“ Doch selbst dann wäre Steinwerder als Produktions- und Umschlagsstandort sicherlich nur Außenseiter.

Interesse höchstens von asiatischen Herstellern

Was das Interesse von Herstellern an zusätzlichen Standorten in Europa angeht, kann das nach Ansicht von Briese höchstens von einem asiatischen Windanlagenbauer kommen. Wobei es sich dann nicht um eine klassische Produktion handeln würde, sondern es wohl eher um einen Zusammenbau der in China gefertigten Komponenten gehe. Und auch dann hätte Hamburg als Standort sicherlich wenig Aussichten. Die lange Revierfahrt käme dann zweimal zum Tragen.

„Ich teile natürlich die Analyse von Herrn Seeler, dass Offshore-Windenergie ein Wachstumsmarkt ist und bleibt“, sagte Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung. Dass solche Erkenntnisse sich auch in anderen Hafenstädten durchsetzen, verwundere deshalb nicht.

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