Open-Air-Veranstaltungen in Bremen Agentur will Badeinselregatta retten

Sind Events unter freiem Himmel in Bremen Mangelware? Der Touristik-Chef meint, dass Bremen mehr Open-Air-Veranstaltungen verkraften könnte. Die Badeinselregatta 2018 ist wohl gerettet.
11.04.2017, 19:26
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Agentur will Badeinselregatta retten
Von Pascal Faltermann

Sind Events unter freiem Himmel in Bremen Mangelware? Der Touristik-Chef meint, dass Bremen mehr Open-Air-Veranstaltungen verkraften könnte. Die Badeinselregatta 2018 ist wohl gerettet.

Badeinselregatta an der Weser – abgesagt. Weinfest auf dem Hillmannplatz – nicht fortgesetzt. Osterfeuer am Café Sand – fällt ins Wasser. Das Viertelfest gibt es seit 2013 nicht mehr. Open-Air-Veranstaltungen in Bremen scheinen es nicht leicht zu haben. In zahlreichen Kommentaren auf der Internetseite des WESER-KURIER oder der Facebook-Seite sowie in Zuschriften und Anrufen drückten viele Leser und Leserinnen ihr Bedauern aus.

Die darin geäußerten Befürchtungen sind groß: Eine sinkende Attraktivität der Stadt, einen Verlust der überregionalen Anziehungskraft, Nachteile im Wettbewerb mit anderen Städten um junge Menschen und gar ein kultureller Stillstand in der Hansestadt. Als Gründe werden mangelnde Förderung durch die Stadt, Politik und Unternehmen wie auch zu viele Auflagen aufgeführt.

Verliert Bremen an Attraktivität?

Doch sind Veranstaltungen unter freiem Himmel in tatsächlich Bremen Mangelware? Verliert Bremen an Attraktivität? Sind die Risiken und Auflagen für Events im Freien angestiegen? Die Experten aus Behörde und Touristik-Zentrale widersprechen.

Lesen Sie auch

"Vor allem auf und an der Weser kann Bremen mehr Open-Air-Veranstaltungen, gerne auch in der Verbindung mit der Weser, verkraften“, sagt Peter Siemering, Geschäftsführer der Bremer Touristik-Zentrale (BTZ). "Wir begrüßen jede Initiative vor allem aus privaten Unternehmen und Vereinigungen und unterstützen diese bei der Vermarktung", so Siemering weiter.

Der Touristik-Chef hebt die Wichtigkeit der Veranstaltungen für die Hansestadt hervor. Bremen brauche jeden Monat mindestens eine große, überregional wirksame Veranstaltung, diese seien aber auch für die Tagesbesucher aus der Metropolregion wichtig.Ebenso für die Bremer Bevölkerung. "Dabei sollte es sich möglichst um Formate handeln, die außergewöhnlich, mit Alleinstellungsmerkmal und echt bremisch sind", erklärt Siemering. Fördermöglichkeiten würden auf Antrag von der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) geprüft, die aber nur einen Teil beitragen können.

Open-Air-Veranstaltungen im kommenden Sommer

Doch sieht es tatsächlich so schlecht aus mit Open-Air-Veranstaltungen im kommenden Sommer in der Stadt? Und fehlt die Förderung? Die Kulturbehörde verweist darauf, dass unter anderem die Breminale und La Strada zuverlässig vom Senator für Kultur gefördert werden.

„Bremen verfügt über eine ganze Reihe attraktiver, kulturell anspruchsvoller und beliebter Freiluftveranstaltungen, die zum Teil seit Jahrzehnten angeboten werden“, sagt Alexandra Albrecht, Sprecherin der Kulturbehörde. Eine von Tausenden besuchte Veranstaltung sei „Musik und Licht am Hollersee“, ausgerichtet vom Jugendsinfonieorchester Bremen-Mitte, das zur Musikschule Bremen gehört, einem Eigenbetrieb des Senators für Kultur.

Die Liste der Draußen-Veranstaltungen von Einrichtungen, die gefördert werden, sei lang. Seit Jahren biete die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen an drei Tagen den Sommer in Lesmona an. Oder in diesem Jahr richte das Musikfest Bremen ein großes Open-Air-Konzert vor dem Auswandererhaus in Bremerhaven aus.

Lange Liste mit Veranstaltungen

Die Shakespeare Company ist jedes Jahr mit Shakespeare im Park im Bürgerpark vertreten, das Lagerhaus biete im Licht-und-Luft-Bad Freiluftveranstaltungen an. Zudem richten einige Bürgerhäuser und Stadtteile Kulturveranstaltungen aus, die ebenfalls mit Projektmitteln unterstützt werden.

Lesen Sie auch

Für die Badeinselregatta scheint es indes einen Hoffnungsschimmer zu geben. „Wir wollen die Veranstaltung am Leben halten“, sagt Lars Heiser, der gemeinsam mit Tobias Meisner als Geschäftsführer die Eventagentur Lite Life leitet. Die Agentur hatte 17 Jahre lang für den bisherigen Badeinselregatta-Veranstalter Anheuser-Busch Inbev die Durchführung des skurrilen Wasser-Wettkampfes und des anschließenden Programms am Café Sand übernommen.

Das Feuerwerk, das Buchen der Künstler auf der Bühne, das Sicherheitskonzept, die Technik oder die Bewerbungen der Teilnehmergruppen – all das hatte Lite Life geplant und umgesetzt. Die Verantwortung und die Kosten trug der Brauereikonzern Anheuser-Busch Inbev. Das könnte sich spätestens im kommenden Jahr ändern. „Wir sind der Meinung, dass in Bremen noch viel mehr am Wasser, an der Weser passieren kann“, sagt Heiser.

Aus diesem Grund und weil die Agentur-Chefs von zahlreichen Leuten angesprochen wurden und außerordentlich viel Resonanz erhielten, wollen sie es nun selbst in die Hand nehmen. „Die Badeinselregatta ist so gut, dass wir sie erhalten müssen“, sagt Heiser. Die ersten Gespräche führen die beiden Geschäftsführer der Agentur bereits, auch mit der Stadt gebe es in den nächsten Tagen Gespräche, so Heiser.

Die Eventagentur suche nun nach möglichen Partnern und Sponsoren für die Regatta. Zwar sei der Termin für die diesjährige, bislang abgesagte Badeinselregatta (29. Juli) noch beim Stadtamt geblockt, aber die Veranstaltung so kurzfristig auf die Beine zu stellen, sei zu knapp und nur theoretisch möglich, erklärt der Agentur-Chef Heiser.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+