Gabelprobe Italienische Hausmannskost im Napoli am Wall in Bremen

Es gibt Familien, die schon in dritter Generation das Restaurant besuchen, sagt Inhaber Peyman Nasserian. Das Traditionslokal punktet mit Fisch, Leber und dem Charme der 1970er-Jahre.
22.09.2022, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Antje Noah-Scheinert

Als das Napoli zum ersten Mal seine Türen öffnete, war Peyman Nasserian noch nicht geboren. Man kann also behaupten, dass das Ristorante Napoli eine historische Institution der italienischen Küche in Bremen ist. Wahrscheinlich hat Luigi Aprea am Anfang nur Pasta Bolognese und Pizza Margherita angeboten und es im Laufe der Zeit geschafft, den Bremer Gaumen an italienische Kulinarik zu gewöhnen. „Das weiß ich nicht“, sagt der Inhaber. Was er aber weiß: „Es gibt Familien, die diesem Restaurant schon in der dritten Generation treu sind.“ Das macht Peyman Nasserian und sein Team stolz, beweist es doch, dass sie es geschafft haben, den Stempel des Vorgängers nicht zu verwischen.

Im Rückblick war es Fügung, dass der 45-Jährige das Restaurant übernehmen konnte. „Ich hatte im Juni meinen Job gekündigt, war schon in einem Gespräch mit einem anderen Gastronomen und dann kam Luigi. Ich habe zwei Wochen mit ihm gekocht und zum 1. September habe ich das Napoli übernommen“, erinnert sich Nasserian. Das war vor acht Jahren. Da er auch zu Hause und im Urlaub der Koch ist, legt er Wert auf ordentliche Qualität. „Ich gehe jeden Tag einkaufen und gucke, was wir frisch auf die Karte setzen können.“ Sein Steckenpferd ist frischer Fisch. „Dafür war das Napoli schon früher bekannt“, sagt er und steht kurz auf, weil am Nachbartisch Pesce al Sale, Fisch im Salzmantel, serviert wird. Den filetiert der Chef selbst. „Wenn man nicht aufpasst und die Haut beschädigt, ist der ganze Fisch versalzen.“

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Auch, wenn man es auf den ersten Blick nicht sieht, Peyman Nasserian hat einiges renoviert und durch Corona die Platzzahl minimiert. Aber das Wichtigste ist geblieben: der typische Charme der 1970er Jahre, die Bilder an den Wänden, sogar die CD und Musikkassetten Sammlung, der Koch und, sehr wichtig, die Lieblingsgerichte der Gäste. „Wenn auf der Karte keine Babycalamari und Leber stehen, würde ich bestimmt Ärger bekommen“, sagt Peyman Nasserian lachend. Dennoch entscheiden wir uns für etwas anderes und wählen Scaloppina alla Parmigiana (26 Euro) und frische Tagliarini mit Rinderfilet (22,50 Euro).

Die Kalbsschnitzel sind schön dünn, die Aubergine buttrig unter dem Mozzarella versteckt. Dazu gibt es eine fein abgeschmeckte Tomatensauce, Kartoffeln und Gemüse – auf den Salat haben wir verzichtet. Schließlich stand vor uns noch eine anständige Portion Pasta. Es gab Zeiten, da war selbstgemachte Pasta etwas, das ich nicht mochte – zu labbrig und wabschig. Glücklicherweise sind diese Zeiten vorbei. Die Tagliarini sind griffig, al dente und genau richtig, dazu grober schwarzer Pfeffer, fingerdicke Rinderfiletstreifen, Rucola und Parmesan plus dem Aroma frischen Olivenöls – klassisch. Und genau das ist das Geheimnis des Ristorante im Herzen der Stadt. Hier gibt es traditionelle Küche, quasi italienische Hausmannskost. Nicht mehr und nicht weniger.

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Das sagen die Stammgäste: Ich war schon mit meinen Eltern hier und jetzt komme ich mit meinen Kindern; die Leber ist die beste der Stadt; mein Lieblings-Italiener; mittags für Geschäftsessen, abends privat; tolle Atmosphäre und freundliche Kellner, die alle Gäste mit Namen begrüßen; der letzte Spot in der Innenstadt, wo man bekannte Gesichter sieht; wir fühlen uns wie zuhause; herausragend ist das Vitello Tonnato; sehr guter Service und die Küche ist Extraklasse.

Ristorante Napoli, Am Wall 164, 28195 Bremen, Telefon: 0421-326710, www.ristorante-napoli-bremen.de, Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 12 bis 14.30 Uhr und 18 bis 22 Uhr, nicht barrierefrei.

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