Rückkehr der Rocker? CDU-Antrag zu „Hells Angels“ scheitert

In der Debatte um die mögliche Genehmigung eines weiteren Bordells in Bremen will die CDU den Senat mit Hinweis auf die Verstrickungen der „Hells Angels“ in die Pflicht nehmen.
24.03.2021, 07:04
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CDU-Antrag zu „Hells Angels“ scheitert
Von Joerg Helge Wagner

Die seit 2013 in Bremen verbotene Rockertruppe „Hells Angels“ soll nicht wieder in der Stadt Fuß fassen, indem sie über Mittelsfrauen Bordelle betreibt - diese Sorge steht hinter einem Antrag der CDU-Fraktion, der am Dienstag in der Stadtbürgerschaft debattiert wurde. Der Senat solle alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um die Ansiedlung eines Bordells in der Bürgermeister-Smidt-Straße zu verhindern, fordern die Christdemokraten. Eine entsprechende Anfrage der Joy Company, die bereits das Großbordell „Eros 69“ in der Duckwitzstraße betreibt, liegt dem Wirtschaftsressort vor.

Auch die Betriebserlaubnis für das im Sommer 2019 eröffnete „Eros 69“ will die CDU wenigstens überprüfen lassen, da die Geschäftsführerinnen der Joy Company Ehefrau und Schwester eines ehemaligen Bremer „Hells Angel“ sind, der heute die Delmenhorster Ortsgruppe „Key Area“ anführt. Die Bremer CDU verweist in ihrem Antrag auf einen 20-seitigen Bericht der Bremer Polizei für das Wirtschaftsressort, „der die Verstrickungen der “Hells Angels„ im Zusammenhang mit dem Betrieb der beiden Bordelle untermauert“.

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„Die CDU-Fraktion unterstützt die Null-Toleranz-Strategie des Innenressorts gegenüber den ,Hells Angels'“, betonte der Abgeordnete Marco Lübke. Das Verbot 2013 sei deshalb erfolgreich gewesen, „weil alle an einem Strang gezogen haben“. Der erwähnte Polizeibericht sei es wert, damit auch in gerichtliche Auseinandersetzungen um die Genehmigung von Bordellen zu gehen.

Das sieht der parteilose Wirtschaftsstaatsrat Sven Wiebe anders. Der Einfluss der „Hells Angels“ auf die Joy Company müsse „durch eine Vielzahl von belastbaren Indizien“ nachgewiesen werden, doch dazu seien weitere Ermittlungen notwendig. „Ein Scheitern vor Gericht würde dem Ziel, die ,Hells Angels' zurückzudrängen, einen Bärendienst erweisen.“

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Redner von SPD, Grünen und Linken betonten unisono, dass sie dieses Ziel teilen. Gleichzeitig wiesen sie aber auch darauf hin, dass es bereits eine Übereinkunft von Innen-, Bau- und Wirtschaftsressort gebe, das Genehmigungsverfahren für das geplante Bordell zu unterbrechen (Moratorium). „Die baurechtliche Überprüfung und die der Zuverlässigkeit der Betreiberin läuft“, sagte Mustafa Öztürk (Grüne). „Wir schöpfen bereits alle rechtlichen Möglichkeiten aus.“ Für die Linke warnte Maja Tegeler davor, die Debatte über die „Hells Angels“ mit einem Sexkaufverbot zu vermengen. Am Ende wurde der CDU-Antrag lediglich von der FDP-Fraktion unterstützt.

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