BAHNHOFSVORSTADT Bremer helfen indischen Waisenkindern

Bahnhofsvorstadt. Chai! Chai! Ein originalgetreues Stückchen eines indischen Basars können Besucherinnen und Besucher des Übersee-Museums bewundern. In der Asienabteilung im hinteren Bereich des zweiten Lichthofes haben zwei Ausstellungsstücke aus dem südindischen Madurai Platz gefunden: ein indischer Gewürzladen mit kunterbuntem Inhalt und ein hellblau gestrichener Teewagen.
04.02.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sigrid Schuer

Chai! Chai! Ein originalgetreues Stückchen eines indischen Basars können Besucherinnen und Besucher des Übersee-Museums bewundern. In der Asienabteilung im hinteren Bereich des zweiten Lichthofes haben zwei Ausstellungsstücke aus dem südindischen Madurai Platz gefunden: ein indischer Gewürzladen mit kunterbuntem Inhalt und ein hellblau gestrichener Teewagen.

„Auf den Straßen Indiens wird zu jeder Tageszeit der typische Chai-Tee mit Milch und Gewürzen zubereitet“, sagt Hartmut Roder, der Leiter der Handelskundeabteilung. Der Gewürzladen mit seinen hölzernen Regalen ist bestückt mit Chipstüten, Waschpulver-Tabs, Schulheften und Bonbongläsern. In Körben aus Bast liegen aufgehäuft Gewürze wie Ingwer und Kardamon.

Dank Harmut Roders guten Beziehungen zu dem Ehepaar Dörte und Andreas Bölts konnte das Übersee-Museum beide Exponate in Madurai erwerben. Das Bremer Ehepaar hat die Formalitäten übernommen – den Kauf, den Transport und das Verzollen. Mit dieser Geste wollten sich Dörte und Andreas Bölts auch bei allen in Bremen erkenntlich zeigen, die ihrem ISA Childrens Home bislang tatkräftig geholfen haben, darunter der Bremer Lions Club Roland. „Aber auch viele andere kennen und unterstützen das Projekt“, betont Hartmut Roder.

Der Geschäftsmann Andreas Bölts ist ein sozial engagierter Christ und war lange Zeit Diakon von Unser Lieben Frauen.Vor 13 Jahren haben er und seine Frau im südindischen Madurai, südlich von Madras im Bundesland Tamilnadu gelegen, eine Grundstücksgesellschaft und schließlich ein Waisenhaus für Mädchen gegründet. Im ISA Childrens Home, das 2007 fertiggestellt worden ist, leben und lernen 25 Mädchen. Es folgte ein weiteres Gebäude, eine Zahnarztpraxis, in der Zahnärzte aus Dortmund ein paar Wochen im Jahr ehrenamtlich die Einheimischen behandeln.

Für die Waisenkinder, die eine in ein Internat integrierte Fachhochschule besuchen, wird nicht nur das Schulgeld bezahlt. Es werden auch Englischkurse und Computerlehrgänge angeboten. „Ein Viertel der indischen Bevölkerung sind Paria, auch die christlichen Waisen, die in den Straßen aufgesammelt werden, gehören dazu“, sagt Hartmut Roder. „Das Projekt ISA Childrens Home tut alles für den sozialen Aufstieg dieser Ausgegrenzten.“ Besonders benachteiligt und häufig Opfer von Gewalt sind Mädchen und Frauen der unteren Schichten. Auch das haben die Projektleiter im Blick.

Jede Spende erreiche ohne einen Cent Abzug das Waisenhaus, dafür stehen die Gründer des ISA Childrens Home ein. Mitglieder des Vereins erledigen alle Verwaltungsarbeiten unentgeltlich. Auch für die regelmäßigen Besuche in Südindien, die architektonischen Zeichnungen und Berechnungen laufen ehrenamtlich. Trotz der großen Unterstützung mangelt es an vielem, zurzeit insbesondere an Betten, Fahrrädern, Spielzeug, Kleidung und an Büchern in Englisch und Tamil.

Die Bürokratie hat es Dörte und Andreas Bölts nicht immer leicht gemacht, den indischen Kindern zu helfen. „Sie hatten mit idiotischen Hemmnissen zu kämpfen“, entrüstet sich Hartmut Roder. Mitarbeiter indischer Verwaltungen hätten denjenigen, die ehrenamtlich für das Waisenhaus in Madurai arbeiten oder etwas spenden wollten, Steine in den Weg gelegt. Beispielsweise wollte eine Bremer Spedition dem ISA Childrens Home 20 etwa zwei Jahre alte Computer und Drucker schenken. Die Antwort aus Übersee war eine Absage: Nur in Indien gekaufte Computer dürften in dem Waisenhaus eingesetzt werden.

Ein Jahr habe es gedauert, bis der Indische Gewürzladen und der Teewagen den indischen und deutschen Zoll passiert hatten, sagt der Leiter der Handelskundeabteilungs. Und dann habe der Zoll in Bremerhaven dem Übersee-Museum 636 Euro wegen der angeblichen Einfuhr von Lebensmitteln berechnet. „Und das, obwohl wir beweisen konnten, dass wir kein Gewerbebetrieb sind und dass alle Schächtelchen in dem Gewürzladen leer sind! Jetzt liegt die Angelegenheit bei der nächsthöheren Instanz in Hamburg, die darüber entscheiden soll, ob wir das Geld tatsächlich zahlen müssen.“

Hintergrundinformationen für potenzielle Sponsoren für das Projekt des Ehepaars Bölts stehen auf www.isa-childrens-home.org.

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