Entscheidung fällt in einer Woche Bremer Senat kann sich Freimarkt als Freizeitpark auf Zeit vorstellen

Ein temporärer Freizeitpark auf der Bürgerweide: Das ist eine der Versionen, in denen der Bremer Senat den Freimarkt für machbar hält. Beschlossen wurde, dass Saunen und Messen wieder öffnen dürfen.
02.09.2020, 05:15
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Bremer Senat kann sich Freimarkt als Freizeitpark auf Zeit vorstellen
Von Nina Willborn

In einer Woche soll klar sein, ob der 985. Freimarkt in diesem Oktober eröffnet wird. Der Senat will in seiner nächsten Sitzung über Verbot oder Zulassung beschließen, im Moment werden verschiedene Szenarien diskutiert. Schon jetzt steht fest, dass es – so es ihn geben sollte – ein anderer Freimarkt sein wird, als ihn die Bremerinnen und Bremer gewohnt sind. Ohne Partys in Halle 7, sie wurden bereits abgesagt, und womöglich komplett ohne Alkoholausschank. Eine der möglichen Varianten umriss am Dienstag Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke): „Der Freimarkt könnte ein temporärer Freizeitpark werden.“ Also mit Rundum-Zaun auf der Bürgerweide, ohne Eintrittsgeld, aber mit einem Ticket-System, über das Besucher zurückverfolgt werden können und mit einem reduzierten Angebot von Fahrgeschäften, um ausreichend breite Laufwege zu schaffen.

Temporäre Freizeitparks sind in den vergangenen Monaten als Ersatz für abgesagte Volksfeste in vielen deutschen Städten wie Aachen, Bielefeld und München entstanden. Die Entscheidung will der Senat aber nicht ohne die Schausteller treffen, spätestens für Ende der Woche sind Gespräche geplant. „Wir werden nicht über ihre Köpfe hinweg entscheiden“, sagte Vogt. „Sie müssen klipp und klar sagen: ,Das können wir machen, das aber nicht‘.“ Rudolf Robrahn, Vorsitzender des Bremer Schaustellerverbandes, hält eine Bremer Variante, also sozusagen einen „Freipaak“ statt des „Freimaaks“, nicht nur für denkbar – sondern hat mit seinen Kollegen bereits einen Antrag für einen solchen eingereicht. Der ist zwar in erster Linie als Alternative für den Fall gedacht, dass der Senat den Freimarkt absagt, könnte aber auch als Blaupause für die Corona-Variante des größten Volksfests Norddeutschlands dienen. „In den anderen temporären Freizeitparks wird bereits mustergültig bewiesen, dass man Abstands- und Hygieneregeln einhalten kann“, sagte Robrahn. „Wir wollen auch in Bremen gerne beweisen, dass unsere Konzepte funktionieren.“

Ein Freimarkt als Freizeitpark wäre räumlich eingeschränkt, ausgeweitet werden sollte er aus Sicht von Robrahn dafür zeitlich. „Wir würden das dann gerne schon ab Anfang Oktober und über vier Wochen machen, damit wir die Herbstferien drin haben“, sagte er. So ließe sich die Zahl der Besucher entzerren und Tage mit großem Andrang vermeiden. ­Oldenburg hat Ähnliches bereits beschlossen: Dort startet ein eingegrenztes Volksfest als Ersatz für den Kramermarkt am 17. September. Über den Weihnachtsmarkt soll erst später im Herbst und auch in Absprache mit Niedersachsen entschieden werden.

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Messen: Grünes Licht für die Urlaubsmessen Reiselust und Caravan (6. bis 8. November). Abstand, ein umfangreiches Hygienekonzept und Nachverfolgung der Kontakte: Wenn diese Auflagen erfüllt sind, sind Messen künftig wieder erlaubt. Das hat der Senat am Dienstag innerhalb einer neuen Rechtsordnung beschlossen und damit Ausnahmen bei den grundsätzlich bis Jahresende verbotenen Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern zugelassen. „Damit holen wir nun nach, was andere Bundesländer schon geregelt haben“, sagte Wirtschaftssenatorin Vogt. Ein Punkt bei der Entscheidung sei gewesen, dass man den Messestandort Bremen als wichtigen Wirtschaftsfaktor nicht gefährden wolle. Mit diesem Argument hatten sich vergangene Woche auch Mitarbeitervertreter der Gesellschaft M3B an den Senat gewandt und die Anpassung an die Standorte in Hannover oder Hamburg gefordert. Grundsätzlich gelte aber, darauf wies auch Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) hin: Alle Ausnahmen würden „unter Vorbehalt“ erteilt und abhängig von der Entwicklung der Infektionszahlen auch wieder zurückgenommen werden.


Saunen: Ein weiterer Bereich, in dem das Öffnungsverbot aufgehoben wird, sind die Saunaclubs. Ab Donnerstag, 3. September, darf, wer will, auch in Bremen wieder kommerziell saunieren. Damit hat sich Bremen als letztes Bundesland entschieden, das Verbot aufzuheben. „Wir waren aus Sorge um das infektiologische Geschehen sehr restriktiv, aber wir haben unsere Prognose angepasst“, sagte Bovenschulte. „Aufgrund der Erfahrungen der anderen Bundesländer haben wir uns dazu entschlossen, das Verbot aufzuheben.“ Bei Bremer Sauna-Betreibern löste die Entscheidung nur bedingt Freude aus, zu groß ist noch ihre Enttäuschung über die restriktive Haltung der vergangenen Monate. „Es gab keine logischen Gründe, eine andere Linie zu fahren als die anderen Bundesländer“, sagte Karim Sandtmann, Geschäftsführer von drei Fitness-Park-Studios in Bremen und einem weiteren in Brinkum, der zusammen mit zwei Kollegen auch vor das Oberverwaltungsgericht gezogen, dort aber abgewiesen worden war. „Es sind Strukturen zerschlagen worden, einige Kunden nach Niedersachsen abgewandert.“ Helmuth Gaber, Betreiber der Oase im Weserpark, sieht es ähnlich. „Fünfeinhalb Monate lang ist uns das Tagesgeschäft weggebrochen, also rund 75 Prozent der Gesamteinnahmen. Nun müssen wir erst mal schauen, was wir überhaupt noch machen können“, sagte er.


Prostitution: Für diesen Geschäftsbereich hat der Senat am Dienstag noch keine Lockerung beschlossen. Absehbar ist aber, dass sie kommt: Das Oberverwaltungsgericht in ­Lüneburg hatte kürzlich das generelle Berufsverbot für Prostituierte gekippt. Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) soll sich nun zusammen mit ihren Kollegen aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg auf ein gemeinsames Konzept verständigen. „Wir brauchen uns nicht einzubilden, dass Prostitution derzeit nicht stattfindet“, sagte Bernhard. Deshalb müsse es einheitliche Regeln für das Rotlichtgewerbe geben.

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